Interview

Türkgücüs Vollath im AZ-Interview: "Extrem, was uns an Hass entgegenschlägt"

Türkgücü-Keeper René Vollath ist seit 500 Minuten ohne Gegentor und damit statistisch sogar besser als Manuel Neuer. In der AZ spricht der 30-Jährige über seine Serie, Investoren-Vereine - und Rassismus.
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Die Nummer eins in München und ganz Fußball-Deutschland: Türkgücüs Keeper René Vollath.
Die Nummer eins in München und ganz Fußball-Deutschland: Türkgücüs Keeper René Vollath. © imago images/foto2press

AZ: Herr Vollath, Sie sind aktuell mit insgesamt neun Spielen ohne Gegentor der "Mr. Weiße Weste" im deutschen Fußball. Selbst in der Bundesliga hat der Führende, Leipzigs Péter Gulácsi, nur acht Zu-Null-Spiele. Und ein gewisser Manuel Neuer kommt gar nur auf vier.
RENÉ VOLLATH: (lacht) Ja Wahnsinn, Spitzenreiter in München! Das freut mich natürlich. Stürmer werden an Toren gemessen, bei Torhütern ist es ja etwas komplexer, ihre Leistung zu beurteilen. Da helfen natürlich solche Zahlen. Wobei man auch sagen muss, dass so etwas auch immer ein Verdienst der gesamten Mannschaft ist.

"Statistisch mit meiner Leistung schon ganz oben dabei"

Sie waren zuletzt nicht immer zufrieden mit der öffentlichen Bewertung Ihrer Leistung.
Jein, das sollte keine Medienschelte sein. Ich gehe immer ganz analytisch an meine Spiele heran und werte sie auch sauber zusammen mit meinem Torwarttrainer Michael Hofmann aus. Und statistisch gesehen bin ich mit meiner Leistung im Vergleich zu anderen Torhütern schon ganz oben dabei in dieser Saison. Das wurde aber wohl nicht so wahrgenommen.

Seit knapp 500 Minuten sind Sie und Türkgücü nun schon ohne Gegentor. Allerdings auch seit drei Spielen ohne Sieg. Hat sich die Mannschaft zu sehr aufs Verteidigen konzentriert?
Es ist schon so, dass wir in den letzten Partien weniger Torchancen herausgespielt haben als in der Hinrunde. Wir sind ja sehr mutig und mit einem Hurra-Fußball in die Saison gestartet, da kamen ja so Ergebnisse wie 4:3, 4:4 oder 3:0 heraus. Zuletzt haben wir unseren Spielstil ein wenig geändert, natürlich auch wegen der Englischen Wochen. Wir hatten jetzt fünf Spiele im Januar. Das geht schon an die Substanz, da muss man schon gucken, dass man nicht voll vorne draufrennt und dann knickt man ein in der zweiten Hälfte. Aber wir haben uns vorgenommen, jetzt wieder mutiger zu spielen.

500 Minuten ohne Gegentor: Reißt Vollaths Serie bald?

Auch auf die Gefahr hin. . .
. . . , dass meine schöne Serie dann reißt. (lacht) Das ist dann eben so. Alles hat ein Ende. Bei Uerdingen hatte ich in der Regionalliga sogar mal neun Spiele am Stück ohne Gegentor.

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Durch die Nullnummern ist der Kontakt jetzt vor dem Spiel gegen Waldhof Mannheim (Samstag, 14 Uhr, MagentaSport) zu den Aufstiegsrängen ein wenig abgerissen.
Man sollte eher das Positive sehen, und das ist nun mal, dass wir sieben Spiele in Folge ungeschlagen sind. Zusammen mit Sechzig sind wir die Mannschaften mit den wenigsten Niederlagen in der Liga (vier, Anm. d. Red.) Ich sehe da also keine Delle bei uns. Wenn wir es schaffen einen Mix aus dem Hurra-Fußball aus der Hinrunde und aus der Kompaktheit der letzten Spiele hinzubekommen, wäre das ein richtig guter Entwicklungsschritt. Wir wollen uns bis April oben festbeißen, und wer dann von den Teams, die oben mit dabei sind, eine Serie startet, hat ziemlich gute Karten. Wir sind ja ein Aufsteiger, also können wir auf unsere Leistung bislang wirklich stolz sein. Aber abgerechnet wird natürlich erst am Schluss.

"Bei Türkgücü werden die Versprechen eingehalten"

Sie sind vergangenen Sommer vom KFC Uerdingen, der aktuell aufgrund des Rückzugs von Geldgeber Mikhail Ponomarev für negative Schlagzeilen sorgt, direkt zu Türkgücü gewechselt. Haben Sie ein Faible für Investoren-Vereine?
(lacht) Das stimmt so nicht, denn ich habe ja auch bei Wacker Burghausen und dem Karlsruher SC gespielt. Man muss eben immer schauen, wo man die beste Perspektive für sich sieht.

Als um Weihnachten herum Präsident Hasan Kivran ankündigte, sich zurückzuziehen, haben Sie sich da an Ihr unschönes Ende beim KFC erinnert gefühlt?
Eigentlich waren meine Frau und ich sehr entspannt - auch aufgrund dessen, was wir in Uerdingen erlebt haben. Bei Türkgücü werden die Versprechen eingehalten - das ist der große Unterschied zum KFC. Jetzt ist die Bombe dort ja auch geplatzt.

"Rassismus hat überhaupt keinen Platz im Fußball"

Sie wirken nicht überrascht.
Nein. Ich war ja auch einer der Spieler, der dort sein Gehalt einklagen musste. Ich gehe davon aus, dass mir das bei Türkgücü nicht passieren wird.

Dafür müssen Sie und Ihre Teamkameraden mit Anfeindungen vom rechten Rand leben. Erst beim letzten Auswärtsspiel in Kaiserslautern wurden in der Nähe des Stadions wieder Aufkleber mit der Aufschrift "Türkgücü München NICHT WILLKOMMEN" entdeckt.
Wir bekommen das natürlich mit. Und es ist teilweise schon extrem, was uns da an Hass entgegenschlägt. Rassismus hat überhaupt keinen Platz im Fußball. Natürlich polarisiert der Verein. Gleichzeitig bin ich auch positiv überrascht über die vielen Rückmeldungen der Fans, die sich bei uns bedanken, dass wir für Türkgücü spielen. Eigentlich spiele ich ja nur Fußball. Aber hier hat das natürlich eine gewisse Botschaft, auf die man auch stolz sein kann.

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