Interview

Türkgücüs Pummer: "Die Spieler wissen, auf was sie sich hier einlassen"

Nach zwei Spielen als Chef wird Andreas Pummer bei Türkgücü wieder ins zweite Glied zurückrücken. In der AZ spricht er vor der Partie in Lübeck über seinen Interimsjob, klare Ansagen - und taktische Vorgaben.
| Krischan Kaufmann
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Mit dem Spiel  beim VfB Lübeck endet Andreas Pummers Zeit als Cheftrainer bei Türkgücü München.
Mit dem Spiel beim VfB Lübeck endet Andreas Pummers Zeit als Cheftrainer bei Türkgücü München. © imago images/pmk

München - AZ-Interview mit Andreas Pummer: Der 37-jährige Münchner ist mit Türkgücü von der Landes- bis in die Regionalliga aufgestiegen. Seitdem arbeitet er als Co-Trainer beim Drittliga-Aufsteiger.

AZ: Herr Pummer, da am kommenden Montag ein neuer Trainer vorgestellt werden soll, endet mit dem Spiel beim VfB Lübeck bereits wieder Ihre Zeit als Chefcoach von Türkgücü. Ein kleiner Trost: Mit einem weiteren Sieg hätten sie dann einen Punkteschnitt, den wahrscheinlich keiner ihrer zukünftigen Nachfolger so schnell knacken wird.
ANDREAS PUMMER: (lacht) Ja, wenn man es so runterbrechen will, dann stimmt das schon. Aber es ist auch nicht schlimm, dass ich nun wieder ins zweite Glied zurücktreten muss. Es war ja von vorneherein klar, dass der Job nur interimsmäßig geplant war.

Andreas Pummer hat noch keine Fußballlehrer-Lizenz

Von ihren Bossen und Spielern werden Sie in den höchsten Tönen gelobt. Kommt man da nicht auf den Geschmack nach mehr?
Das ist toll zu hören, ein schönes Zuckerl. Es zeigt vielleicht auch, dass man nicht zwangsläufig eine Fußballlehrer-Lizenz braucht, um Spiele zu gewinnen. Und dennoch werde ich danach wieder nahtlos und ohne zu Murren in meine alte Position wechseln. Etwas anderes wäre ja auch gar nicht möglich, weil mir ja bekanntlich noch die Lizenz fehlt.

Sie sind bereits seit 2017 bei Türkgücü. Bei einem Klub, der vor allem durch ständige Wechsel des Personals auffällt, sind Sie damit fast schon so etwas wie ein Vereinsurgestein. Macht Sie das auch ein wenig stolz, es schon so lange "ausgehalten" zu haben?
(lacht) Klar. Ich war ja zuvor beim FC Unterföhring (Landesliga, d. Red.), da hatte ich eigentlich alles. Einen Topverein, ein familiäres Umfeld, viele Freunde. Aber um sich als Trainer weiterzuentwickeln, muss man manchmal auch aus seiner Komfortzone herauskommen. Ich habe mich dann zum Erstaunen vieler für das Projekt Türkgücü entschieden - und bin natürlich damit auch ein gewisses Risiko eingegangen. Ich wusste schon, dass es bei so einem ambitionierten Verein für mich auch anders laufen kann. Aber dieser Druck hat mich gereizt, denn durch diesen Druck bist du automatisch motiviert und musst immer bereit sein, mehr zu investieren als die anderen.

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Pummer über Türkgücü: "Wir sind ein sehr ambitionierter Verein"

Bei dem hohen Spielerdurchlauf sind Sie als eine der wenigen Konstanten in diesem Klub wahrscheinlich auch ganz besonders als Moderator und Integrator gefragt, oder?
Ja sehr! Natürlich sind viele Spieler gekommen und gegangen. Aber man muss auch ganz klar sagen: Die Spieler wissen, auf was sie sich hier einlassen. Wir sind ein sehr ambitionierter Verein und da muss man sich, wenn man seine hohen Ziele erreichen will, eben auch immer wieder bessere Qualität dazu holen. Mit einer Landes- oder Bayernliga-Mannschaft könnten wir jetzt einfach nicht in der Dritten Liga bestehen.

Wichtig wäre natürlich, dass so etwas in den Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen dann auch entsprechend kommuniziert wird.
Das machen wir auch. Und mal ganz ehrlich: Wer sich ein wenig mit Türkgücü beschäftigt, muss kein Überschlaumeier sein, um zu sehen, dass wir ein ambitionierter Verein sind.

Das klingt nach einer klaren Ansage. Dafür sind Sie aber auch bekannt, oder?
Ja, mein Ex-Spieler Efkan Bekiroglu (vorher TSV 1860, jetzt beim türkischen Erstligisten Alanyaspor, d. Red.) hat's ja ganz gut zusammengefasst: Ich bin für meine ehrlichen Worte bekannt, habe aber auch das Taktgefühl, den richtigen Tonfall zu treffen. Heutzutage brauchen Spieler einfach eine unterschiedliche Ansprache, der eine mehr Streicheleinheiten, der andere mehr Peitsche - entscheidend ist aber immer die Botschaft dahinter. Auch im Trainer-Team sage ich immer offen und ehrlich meine Meinung. Auch Alexander Schmidt (der Trainer wurde gerade entlassen, d. Red.) wird nichts Schlechtes über mich sagen.

"Das letzte Wort bei sportlichen Dingen hat immer der Trainer"

Zwischen Ihnen und Schmidt ist nichts hängengeblieben?
Überhaupt nicht. Auch zwischen Rainer Maurer (Schmidts Vorgänger, d. Red.) und mir gab es nie Probleme, weil ich mich immer korrekt und loyal verhalten habe.

Ihr nächstes Ziel ist der Fußballlehrer, aber aufgrund von Corona mussten Sie diesen Plan erstmal beerdigen.
Im Moment stecke ich fest. Vor dem Fußballlehrer kommt noch die A-Lizenz, die ich eigentlich schon hätte machen können, aber die Kurse wurden wegen der Pandemie abgesagt.

Kommen wir wieder zurück zum aktuellen Spiel. Ihrem Präsidenten Hasan Kivran wird nachgesagt, dass er sich gerne in taktische Dinge - eigentlich das Hoheitsgebiet eines Trainers - einmischt. Welche Marschroute hat er Ihnen für die Partie in Lübeck vorgegeben?
Das sind doch nur Gerüchte. Bei Türkgücü gibt es - wie wahrscheinlich bei jedem Verein - wöchentliche Meetings mit dem Trainer-Team und das da hin und wieder auch mal der Präsident dabei ist, finde ich ganz normal. Ebenso, dass er dabei mal seine Meinung äußert. Aber das letzte Wort hat bei sportlichen Dingen natürlich auch bei Türkgücü immer der Trainer - weil er muss ja am Ende dafür geradestehen.

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