"Türkgücü nicht willkommen": Die hässlichste Fratze des Fußballs

Schon wieder ist Türkgücü München Opfer ausländerfeindlicher Attacken.
| Matthias Eicher
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
15  Kommentare Empfehlungen
Mit diesen Aufklebern hetzt die rechtsextreme Partei "Der III. Weg" deutschlandweit gegen Türkgücü München.
Mit diesen Aufklebern hetzt die rechtsextreme Partei "Der III. Weg" deutschlandweit gegen Türkgücü München. © Aktivisti Zwickau

München - Fairplay. Respekt. Toleranz. Vom Bolzplatz bis hoch zu den größten Profiligen gilt: Der Fußball soll begeistern, Akteure und Fans in ihrer gemeinsamen Leidenschaft verbinden und selbst nach 90 Minuten erbittertem Duell nicht spalten.

Ein aufstrebender Klub hat ganz aktuell mit der hässlichsten Fratze des Fußballs zu kämpfen.

Türkgücu wird zum Feindbild auserkoren

Aufsteiger Türkgücü hat auf sportlicher Ebene mit sechs Punkten aus vier Spielen einen gelungenen Einstand in Deutschlands dritthöchster Spielklasse gefeiert. Der starke Saisonstart des Münchner Klubs wird aber von einer schlimmen Erfahrung überlagert: Deutschlands erster Migrantenverein wurde zu einem neuen Feindbild auserkoren.

Ein Rückblick: Der 4:4-Krimi Anfang Oktober bei Waldhof Mannheim wurde von rassistischen Äußerungen aus dem Fanblock gegen den Südkoreaner Yi-Young Park überschattet, wie der 26-Jährige auf Instagram schilderte: "Ich finde es sehr bedauernswert, dass einige Menschen es immer noch als nötig ansehen, jemanden so zu verletzen und die Fußballkultur zu beschädigen."

Die Partie wurde gemäß des Drei-Stufen-Plans des DFB bereits im ersten Durchgang minutenlang unterbrochen, konnte aber ohne weitere Vorfälle zu Ende gespielt werden. Auch Anti-Türkgücü-Aufkleber waren in Mannheim in Stadionnähe entdeckt worden.

Zwickau-Anhänger: "Türkgücü NICHT willkommen"

Damit nicht genug. Das übernächste Auswärtsspiel des Teams von Trainer Alexander Schmidt am 23. Oktober beim FSV Zwickau wirft einen hässlichen Schatten voraus. Eine Handvoll vermummter, vermeintlicher FSV-Anhänger marschierte kürzlich in der Nacht mit einem Spruchband mit der Aufschrift "Türkgücü NICHT willkommen" vor dem Stadion des Ost-Klubs auf.

Entsprechende Aufkleber ("Unser Stadion, unsere Regeln! Türkgücü München nicht willkommen") wurden einmal mehr gesichtet. Dahinter steckt gemäß der Aufschrift die rechtsextremistische Kleinpartei "der Dritte Weg", die im Zwickauer Fanblock Fuß fassen will.

Lesen Sie auch

Türkgücü steht im engen Austausch mit dem DFB

Die AZ fragte bei den Beteiligten nach. "So etwas gehört weder ins Stadion, noch an sonst irgendeinen Ort in Deutschland - egal, ob gegen uns gerichtet oder sonst jemanden! Wir verurteilen so etwas extrem", sagt Türkgücüs Geschäftsführer Max Kothny. Schon nach den Ereignissen um Park hatte der 23-Jährige erklärt, dass man als Verein "klare Kante" gegen jegliche Vorkommnisse zeigen wolle. Jetzt konkretisiert er: "Wir gehen gemeinschaftlich und im engen Austausch mit dem DFB und anderen Vereinen dagegen vor." Problematisch sei, die Täter hinter solchen Nacht-und-Nebel-Aktionen zu fassen und zu bestrafen: "Zumeist ist das nur Sachbeschädigung, was in meinen Augen zu wenig ist." Ebenso wichtig sei, "Sensibilität für das Thema zu schaffen" sowie "an die Vernunft aller Stadionbesucher und insbesondere an die Vernunft von Kleinstgruppen zu appellieren".

Die Verantwortlichen des FSV waren vorerst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Der Klub twitterte allerdings entschieden: "Wir lassen uns nicht vereinnahmen!"

Eine dazugehörige Grafik in der Form eines Fußballs enthielt die Botschaft: "Türkgücü München bei uns willkommen!" Für Kothny eine "super Antwort" auf die fremdenfeindlichen Aktionen.

DFB will Chaoten keine größere Plattform geben

Und was unternimmt der DFB, um der bedenklichen Entwicklung entgegenzuwirken? Rassismus sei "widerlich", doch leider "im Fußball und in unserer gesamten Gesellschaft" mittlerweile "verbreiteter als noch vor zehn Jahren", hatte der DFB-Integrationsbeauftragte und einstige Türkgücü-Spieler Cacau nach rassistischen Beleidigungen an Hertha-Profi Jordan Torunarigha beim DFB-Pokal-Spiel beim FC Schalke 04 erklärt.

Nun schweigt der DFB: Man wolle den Chaoten nicht noch eine größere Plattform geben, hieß es. Es steht allerdings zu befürchten, dass dieses leidige Thema nicht von selbst verschwindet, wie Kothny erklärt: "Es wurden auch bereits knapp 60 Aufkleber im Umkreis des Grünwalder Stadions entfernt."

Knapp 60 zu viel für einen respektvollen und toleranten Umgang mit Türkgücü, das in der Dritten Liga ebenso willkommen sein sollte - und muss - wie jedes andere Team.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 15  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
15 Kommentare
Artikel kommentieren