Interview

Türkgücü-Neuzugang Vrenezi: "In Deutschland fehlt die Individualität"

Türkgücü-Neuzugang Vrenezi spricht in der AZ über seinen schwierigen Weg in den Profifußball.
| Krischan Kaufmann
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Albion Vrenezi läuft zukünftig für Türkgücü München auf.
Albion Vrenezi läuft zukünftig für Türkgücü München auf. © IMAGO / Passion2Press

München - AZ-Interview mit Albion Vrenezi: Der gebürtige Kosovare kam als Dreijähriger nach München, wo weiterhin seine Eltern und sein jüngerer Bruder leben. Mit Zweitligist SSV Jahn Regensburg scheiterte der 27-Jährige in der vergangenen Saison erst im Viertelfinale des DFB- Pokals an Werder Bremen.

AZ: Willkommen dahoam, Herr Vrenezi! Nach Jahren der Wanderschaft sind Sie nun wieder in Ihrer Heimatstadt München gelandet.
ALBION VRENEZI: Ich bin sehr froh, wieder hier zu sein. Meine Familie, meine Freunde wohnen ja alle in München. Ich bin zwar auch bei meinen vorherigen Stationen an freien Tagen immer nach Hause gefahren, aber wieder hier zu wohnen, bedeutet natürlich noch mehr Lebensqualität für mich.

FC Augsburg, Würzburger Kickers, Jahn Regensburg - bis auf Ihr Engagement beim SV Sandhausen sind Sie in Ihrer Karriere eigentlich nie wirklich aus Bayern herausgekommen. Sind Sie ein sehr heimatverbundener Mensch?
Ich bin vor allem ein echter Familienmensch, deshalb habe ich auch immer versucht, in ihrer Nähe zu bleiben - und jetzt bin ich ja wieder ganz nah dran. (lacht)

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Türkgücü-Neuzugang Vrenezi freut sich aufs Olympiastadion

Türkgücü trägt seine Heimspiele auch in der kommenden Drittliga-Saison teilweise im Olympiastadion aus - soweit es die Pandemie-Lage zulässt sogar mit Fans. Für einen Münchner Fußballer muss da doch ein echter Traum in Erfüllung gehen, oder?
Natürlich, ich war als kleiner Junge Bayern-Fan und schon deshalb oft im Olympiastadion. Schon damals habe ich immer davon geträumt, hier irgendwann mal zu spielen. Und jetzt ist es soweit, da freue ich mich riesig drauf.

Sie gelten als Spätzünder, kickten mit 20 noch mit dem FC Unterföhring in der Bayernliga. Wurden Sie von den Profiklubs schlichtweg übersehen?
Technisch war ich damals schon auf einem sehr gutem Niveau, aber ich war eben zu dieser Zeit noch sehr klein und sehr schmächtig.

Italien-Star Lorenzo Insigne ist mit 1,63 Meter auch alles andere als ein Riese...
Das stimmt und ich glaube, dass sich da auch etwas geändert hat. Heute wird bei den Spielern wieder viel mehr Wert auf Technik gelegt. Vor zehn Jahren wollte man dagegen vor allem große Spieler. Aber ich habe dann ja zum Glück doch noch den Sprung in den Profifußball geschafft.

Vrenezi hat nie ein NLZ besucht

Hatten Sie eigentlich einen Plan B, falls es mit dem Traum von der Profikarriere doch nichts werden sollte?
Ja, ich bin damals zweigleisig gefahren. Ich habe neben dem Fußball bei einem großen Münchner Industriekonzern drei Jahre lang eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker gemacht und diese - was mir wirklich sehr wichtig war - auch erfolgreich abgeschlossen. Das hat mir eine gewisse Sicherheit gegeben, damit ich mich dann voll auf den Fußball konzentrieren konnte.

Aktuell wird in Deutschland viel über die Ausbildung in den Nachwuchsleistungszentren diskutiert. Der Vorwurf lautet, dass den jungen Spielern dort die Individualität abtrainiert würde. Sie haben nie ein NLZ durchlaufen, bezeichnen sich selbst als "Straßenfußballer". Bräuchte es nicht wieder mehr Spielertypen wie Sie im deutschen Profibereich?
Ich finde auch, dass in Deutschland das Individuelle gerade ein bisschen fehlt. Man sieht ja auch jetzt bei der EM - Englands Raheem Sterling ist da ein gutes Beispiel -, dass Tore einfach sehr häufig über Einzelaktionen entstehen. Die Ausbildung in den NLZs ist natürlich super, da lernst du das perfekte Passspiel, die Laufwege, wie soll ich mich richtig drehen und solche Dinge. Aber ins Dribbling zu gehen, mal unerwartete Sachen zu machen, das lernt man eher auf der Straße. Ich bin im Nachhinein auch sehr froh, diesen anderen Weg gegangen zu sein, denn nur deshalb bin ich dahin gekommen, wo ich jetzt bin.

Vrenezi: "Wir wollen von Anfang an angreifen"

Ein klassisches Drei gegen Drei im Garagenhof, welche beiden Türkgücü-Kollegen würden Sie für Ihr Team wählen?
Ünal Tosun und Sercan Sarerer. Mit Ünal habe ich schon in meiner Jugend auf der Straße gekickt und Sercan ist auch sehr stark am Ball.

Sie wurden als Schlüsselspieler für die kreativen Momente im Mittelfeld verpflichtet. Was hat sich verändert, nachdem Türkgücüs Spielmacher Sercan Sararer nun doch seinen Vertrag verlängert hat?
Ich bin ich sehr froh, dass Sercan geblieben ist, denn dadurch hat sich unsere Qualität nochmal deutlich erhöht. Ich denke, dass wir zusammen sehr gut auf dem Platz funktionieren und der Mannschaft durch unsere Kreativität helfen können.

Sie galten mit Ihrer Zweitliga-Erfahrung zunächst als Königstransfer, nun wurden mit Mergim Mavraj und Tim Rieder sogar noch weitere prominente Namen dazugeholt. Was sagen diese Transfers über die Ambitionen des Vereins aus?
Mergim hat schon Bundesliga gespielt und gibt unserer Abwehr nochmal mehr Stabilität, zudem ist er sehr erfahren und hat im Fußball schon viel erlebt. Mit Tim habe ich ja schon in Augsburg zusammengespielt, seine Qualitäten sind unbestritten. Ich denke, wir haben uns nicht umsonst so verstärkt, sondern wollen von Anfang an angreifen, attraktiven Fußball anbieten und versuchen, oben mitzuspielen.

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