Interview

Türkgücü-Kapitän Sararer: "Viele Leute haben mich schon am Boden gesehen"

Sercan Sararer ist der neue Kapitän von Türkgücü München. Im AZ-Interview spricht der 30-Jährige über seine Verletzungen und die Ziele des Aufsteigers.
| Krischan Kaufmann
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Sercan Sararer: Der neue Kapitän von Türkgücü München.
Sercan Sararer: Der neue Kapitän von Türkgücü München. © imago images / Passion2Press

München - Türkgücüs neuer Kapitän heißt Sercan Sararer. Im AZ-Interview spricht der 30-Jährige über seine lange Leidenszeit durch Verletzungen, die ambitionierten Ziele des Aufsteigers – und warum der Verein in der Dritten Liga seine letzte Chance ist.

AZ: Herr Sararer, erstes Spiel, erstes Derby und ein erster Punkt. Das war ein erfolgreiches erstes Mal für Sie und Türkgücü in der Dritten Liga.
SERCAN SARARER: Ganz ehrlich: Für mich persönlich hat sich das 2:2 gegen die kleinen Bayern wie eine Niederlage angefühlt. Wir hätten bereits zur Halbzeit 3:1, 4:1 führen müssen. Dabei haben wir eigentlich genauso gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben: frühes Anlaufen und hohes Pressing. Das hat echt schon gut funktioniert. Nur die Tore haben gefehlt.

Zuvor hatte der Verein mit seiner Pokal-Klage für mächtig Wirbel in Fußball-Deutschland gesorgt.Die Mannschaft hat sich davon aber offensichtlich nicht beeinflussen lassen.
Nein, überhaupt nicht. Natürlich haben wir uns gefreut, dass wir vielleicht im DFB-Pokal spielen werden. Aber davon wollten wir uns nicht ablenken lassen. Nach zwei Tagen war der Fokus schon wieder voll auf das Spiel gegen Bayern II.

Plötzlich Kapitän: "Ich war überrascht"

Der Kader wurde vor der Saison personell - mal wieder - komplett auf links gekrempelt. Haben Sie erwartet, dass sich trotz der 16 Neuzugänge so schnell eine Mannschaft finden würde?
Der Teamgeist bei uns ist extrem hoch. Die Verantwortlichen haben die richtigen Charaktere geholt, die Spaß miteinander haben, die keinen Stress in der Kabine machen, die die Aufgabe hier annehmen. So etwas ist manchmal wichtiger als alles andere. Natürlich ist es ein wenig überraschend, dass wir uns alle gleich so gut verstehen, aber das zeichnet uns eben aus.

Der neue Kapitän von Türkgücü München heißt Sercan Sararer. Ein ziemlich großer Vertrauensvorschuss für einen Profi, der zuvor gerade mal ein Pflichtspiel für den Verein absolviert hat.
Ich war natürlich schon etwas überrascht, dass man mich zum Kapitän bestimmt hat, denn ich habe mit meinen Verletzungen eine sehr schwierige Zeit hinter mir. Aber andererseits weiß ich, dass ich jeder Mannschaft helfen kann, wenn ich fit bin. Egal, ob in der Ersten, Zweiten oder Dritten Liga. Ich habe Trainer Alex Schmidt gesagt, dass ich nochmal nach oben will - und so habe ich auch trainiert. Ich spüre das Vertrauen des Trainers und das ist mir auch sehr wichtig.

Dabei war im Sommer gar nicht klar, ob Sie überhaupt bei Türkgücü weitermachen werden.
Wir haben mehrere Gespräche geführt. Ich wollte ein Gespür dafür entwickeln, wie sehr mich der Verein unterstützt. Ich bereue meine Entscheidung auf keinen Fall, sondern bin froh, dass ich hier nochmal für eine Saison unterschrieben habe.

"Ich hatte eine etwas unglückliche Laufbahn"

Sehen Sie Türkgücü als Ihre letzte Chance im deutschen Profifußball?
Ich will es nach meiner Verletzung (doppelter Adduktorenabriss, Anm. d. Red.) nochmal allen zeigen. Viele Leute haben mich schon am Boden gesehen, dachten, dass ich es eh nicht mehr schaffen werde. Aber das hat mich angespornt. Ich habe krass viel dafür getan, wieder fit zu werden, und jetzt kann ich sagen: Ich bin fit wie nie in meiner Karriere! Das hat man jetzt auch am Wochenende gesehen.

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Jahrelang ging es für Sie nur bergauf, sogar in die türkische Nationalmannschaft wurden Sie berufen. Nun kicken Sie in der Dritten Liga. Haben Sie das Gefühl, irgendwann in Ihrer Karriere falsch abgebogen zu sein?
Ich hatte ja auch eine etwas unglückliche Laufbahn - und manchmal ist man eben zur falschen Zeit am falschen Ort. In Düsseldorf habe ich seinerzeit 25 Spiele von Anfang an gemacht und musste dann trotzdem gehen. Das hatte aber keine sportlichen Gründe, sondern der Verein war damals im Umbruch und es wurden einfach die Spieler aussortiert, die zu viel verdient haben. Danach bin ich zurück zu meinem Heimatklub SpVgg Greuther Fürth und habe mich dann dort sehr schwer verletzt. Natürlich ist es schade, dass ich so eine lange Leidenszeit hatte, aber ich bin davon überzeugt, dass ich noch meinen Weg machen werde.

Türkgücü München: Ziel Zweite Liga

Ihr Chef, Geschäftsführer Max Kothny, will den Verein dauerhaft als zweite Kraft in München hinter dem FC Bayern etablieren. Realistisch?
Bei Türkgücü entsteht gerade etwas Großes. Das Ziel ist ja, in zwei, drei Jahren in der Zweiten Liga zu sein. Und natürlich würde ich gerne mithelfen, dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können. Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich glaube, dass wir physisch eine der stärksten Mannschaften in dieser Liga sind. Und ich finde es gut, dass sich der Verein solche Ziele setzt, die braucht man auch, um erfolgreich zu werden.

Sie haben spanische, aber auch türkische Wurzeln, ist es deshalb ein besonderes Gefühl, für diesen Verein zu spielen?
Klar ist das etwas Besonderes für mich, mein Vater kommt ja aus der Türkei. Wir haben jetzt Geschichte geschrieben, wir sind der erste von Migranten gegründete Verein, der es in den deutschen Profifußball geschafft hat. Da ein Teil davon zu sein, macht mich sehr stolz.

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