"Zum Verstummen gebracht": 1860-Coach Kauczinski genervt von Auswärtsfluch-Diskussion
Der frühe Löwe fängt den Spatz: Anstoß Ulm, langer Ball in die Spitze, 1860 wehrt ab. Den zweiten SSV-Versuch köpft Abwehr-Hüne Max Reinthaler weit nach vorne zu Sigurd Haugen, der den Ball festmacht, zu Kevin Volland ablegt und durchstartet. Traumpass Volland, Flachschuss Haugen in die kurze Ecke. Fertig ist das 1:0 für Sechzig nach 22 Sekunden – und reicht letztlich, um einen fiesen Fluch zu beenden.
"Es war nicht so leicht für uns mit der Situation auswärts, dass viel geredet und geschrieben wurde. Natürlich ist das in den Köpfen", erklärte Cheftrainer Markus Kauczinski – und beendete mit seiner Mannschaft diese Sechzger-Serie: "Das Gerede haben wir jetzt hoffentlich zum Verstummen gebracht."
Ganz nach dem Motto: Sollen sie nur reden!
Kauczinski: "Wir haben einen Blitzstart hingelegt"
Fünf Pflichtspiele hat der TSV 1860 zuletzt in der Fremde verloren. Selbst unter Kauczinski, der aus den Blauen wieder eine Heim-Macht geformt hat (drei Heimsiege hintereinander), wollte diese Auswärtsmisere zunächst nicht enden (1:3 in Mannheim, 0:4 in Regensburg). Doch damit ist jetzt Schluss, mit dem Dreier im Donaustadion sollte eine neue Zeitrechnung beginnen. "Ich habe schon mal ein Auswärtsspiel gewonnen", scherzte Kauczinski noch vor dem Duell, um dem ganzen Thema, das die Giesinger doch sichtlich wurmte, etwas die Schärfe zu nehmen. Doch viel wichtiger für den TSV-Tross: Sie ließen auf dem Platz auch Taten sprechen.
Was das Geschehen auf dem Rasen angeht, lobte Kauczinski seine Turbo-Starter: "Wir haben einen Blitzstart hingelegt, ich glaube, nach 22 Sekunden. Wir waren sofort drin, ein richtig guter Angriff, den Siggi abschließt." Wo der TSV-Trainer schon dabei war, lobte er auch Vorlagengeber Volland für sein "Auge" sowie "ein sehr gutes Gefühl für Raum und Zeit", mit Thomas Dähne einen "guten Torhüter" sowie die Abwehr, die "konzentriert verteidigt" habe.
Harter Kampf für den TSV 1860 gegen Ulm
Wer das Duell der Sechzger gesehen hat, der weiß allerdings: Dieser Auswärts-Dreier war ein hartes Stück Arbeit und längst nicht alles Auswärts-Gold, was glänzte. Deshalb kam auch Kauczinski später nicht umhin, zuzugeben: "Insgesamt war es ein harter Kampf. Ulm hat es gut gemacht und hat und Probleme bereitet." 1860 habe "viele Bälle verloren" und "wenig Entlastung geschafft."
Und dann war da noch Matchwinner Haugen, der Sechzig zwar zum Sieg geschossen und auch seinen eigenen Auswärtsfluch erfolgreich bekämpft hat (sechstes Saisontor, erster Auswärts-Treffer). Der pfeilschnelle Angreifer hatte aber auch noch zwei beste Chancen, die knappe Führung vorzeitig in eine Entscheidung oder zumindest einen komfortableren Vorsprung umzumünzen.
1860 nächstes Wochenende gegen Schlusslicht Schweinfurt
Kauczinski über die Möglichkeiten des Norwegers in der 49. und 70. Minute: "Siggi hatte noch zwei Chancen: eine, wo er alleine aufs Tor zugeht. Man muss nicht jeden machen, okay, aber da hätte es mich schon gefreut, weil es für unser Spiel und unsere Nerven besser gewesen wäre." An diese Liste ließe sich noch Clemens Lippmann dranhängen, der eine Hereingabe verstolperte (65.)
Am Ende waren die vertanen Chancen nur Makulatur, der neue Ulm-Coach Pavel Dotchev blieb erstmals in seiner Karriere auch im zweiten Spiel ohne Punkt und 1860 rückte durch den Auswärts-Dreier mit inzwischen 24 Punkten auf Rang neun vor.
Nächster Gegner: Schlusslicht 1. FC Schweinfurt 05 (Samstag, 16.30 Uhr Magenta Sport und im AZ-Liveticker). Eigentlich ein gefundenes Fressen für Heim-Macht 1860, würde es diese Flüche nicht geben. . .
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