"Wollen oben dabei sein": Weber macht klare Ansage zu den Ansprüchen des TSV 1860
Wenn ein Torjubel gleich in mehrfacher Hinsicht derart außergewöhnlich, schön und auch ein bisserl schmerzhaft ist, soll er an dieser Stelle ruhig einmal so beschrieben werden wie sonst nur die Tore…
Weber lief nach Jubel in die Westkurve
Zuerst lief Felix Weber, nachdem er beim 2:0-Wiesn-Heimsieg des TSV 1860 gegen den 1. FC Nürnberg II nach einer Ecke von Spielmacher Tunay Deniz mit dem zweiten Treffer den Deckel drauf gemacht hatte, runter vom Rasen in die Westkurve.
Dort angekommen, machte er mit seinen Armen die "Doppelsäge" und schrie "Jaaa! Jaaaaaa!", während er eine Siegerfaust ballte, in die Kurve der Sechzger zeigte und dabei nach und nach vom heranpirschenden Löwen-Spieler-Rudel geherzt wurde.

Weber: "Das habe ich schon ein bisschen vermisst"
Neuzugang Eric Uhlmann, der Weber als Erster zu fassen bekam, spürte die Urgewalt des brüllenden Löwen gleich mal per (unbeabsichtigtem) Schlag ins Gesicht, Deniz hüpfte auch noch beherzt obendrauf. "Das war schon geil, vor der Westkurve zu jubeln", sagte der 31-jährige Innenverteidiger der Giesinger auf AZ-Nachfrage wenig später in der Mixed Zone über die weiß-blaue Jubelarie und schob im Hinblick auf seine kürzliche Rückkehr zum Herzensverein 1860 und die Seltenheit seiner Treffer nach: "Das habe ich schon ein bisschen vermisst – und allzu oft kommt es bei mir selbst ja nicht vor!"
Jetzt ist Weber wieder dahoam in seinem Westkurven-Wohnzimmer. Der beinharte, zweikampfstarke Verteidiger selbst, der sich unlängst beim 2:2 bei seinem Ex-Klub DJK Vilzing noch grantig über den Last-Minute-Ausgleich – ausgerechnet durch Spezl und Ex-Löwe Markus Ziereis – zeigte und sich selbst darüber hinaus noch eine Teilschuld am bitteren, bereits wiederholten Punktverlust attestieren musste, steht ein bisserl sinnbildlich für das Fortkommen der Blauen im bisherigen Saisonverlauf.
TSV 1860 kam ohne großen Nackenschlag durch die ersten Monate
Anfangs wuchtig reingehauen in das Abenteuer Regionalliga, das nach dem tragischen Absturz in den Amateurfußball aus finanziellen Gründen, gepaart mit der zum Befreiungskampf ausgerufenen Trennung von Investor Hasan Ismaik, eine ureigene Dynamik angenommen hat.
Eigentlich ganz gut performt und ohne großen Nackenschlag durch die ersten Monate gekommen, die auf und neben dem Rasen zwar etwas improvisiert wirkten, aufgrund des Sommer-Bebens aber selbstverständlich nicht ganz rund laufen konnten.

Weber: "Der Sieg fühlt sich gut an"
Dabei aber auch ein paar Fehler zu viel gemacht und daher etwas unter den Erwartungen sowie den eigenen Möglichkeiten geblieben. Und jetzt mit Löwen-Power mittendrin in der Mission Wiederaufstieg 2.0?
"Der Sieg fühlt sich gut an, war wichtig für die Moral, hat Spaß gemacht", urteilte der gebürtige Weilheimer, der in der Saison 2017/18 bekanntlich vom hoffnungsvollen Nachwuchstalent zu Daniel Bierofkas Aufstiegskapitän gereift war und die ersten Drittliga-Jahre der Blauen mitgemacht hat, dann aber 2020 nach satten 16 Jahren Sechzig einen bitteren, unfreiwilligen Abschied hinnehmen musste. Über die Umwege Rot-Weiss Essen, SpVgg Bayreuth, FC 08 Homburg und Vilzing ist er wieder bei der alten Liebe gelandet.

Weber wollte direkt beim Wiederaufbau mithelfen
Nach AZ-Informationen war Weber einer der ersten Spieler, die nach dem offiziellen Zwangsabstieg auf der Matte standen, um beim erneuten Wiederaufbau mitzuhelfen. "Schon mal mitgemacht, wieso nicht gleich nochmal?", könnte sich der bekennende Löwe gedacht haben.
Und auch jetzt sagt der Abwehrspieler, nachdem die Sechzger durch den zweiten Heimsieg in Folge ins Rollen zu kommen scheinen und mit 13 Punkten schon Platz drei belegen, kurz und knackig: "Klar wollen wir oben dabei sein, das ist ja logisch!"
TSV 1860 trifft demnächst auf Burghausen und Ansbach
Bevor die nächsten Duelle bei Wacker Burghausen (Samstag, 14.45 Uhr) sowie gegen Kellerkind SpVgg Ansbach (3. Oktober, 15 Uhr) die Formkurve der Blauen und ihres Abwehrchefs bestätigen können, geht's erst mal auf die Wiesn. "Letztes Jahr war's ned so gut um die Wiesn-Zeit, aber das sind ja immer Randnotizen. Da kann man Späße drüber machen, aber eigentlich ist es wurscht: Wir wollen jedes Spiel gewinnen!"
Und gewiss auch noch öfter so frenetisch feiern vor der Westkurve.

