Wie ein Roter ein englisches Löwen-Rudel spaltet

Als einziger Roter in einer Familie voller Blauer – eine schwierige Situation. Insbesondere dann, wenn die eigene Mutter seit Jahrzehnten ein fanatischer Löwen-Fan ist.
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Der Aussetzige im Löwen-Rudel: Gordon mit Mutter Ingrid und Schwester Symi
Der Aussetzige im Löwen-Rudel: Gordon mit Mutter Ingrid und Schwester Symi © AZ

München - Fußball ist Spaß, Emotion, Leidenschaft – und ja... Wenn es bei der schönsten Nebensache der Welt um die Vereinswahl geht, dann können selbst die engsten familiären Bande schon mal ziemlich strapaziert werden.

Gordon McGregor kann davon ein Lied singen. Der 33-Jährige lebt mit seiner vierköpfigen Familie im englischen Atherstone on Stour – als einziger Bayern-Fan in einem Rudel voller Löwen. "Er wird als Außenseiter in unserer Familie behandelt, wenn es um deutschen Fußball geht", sagt seine Mutter Ingrid, 71, der AZ.

Die gebürtige Starnbergerin ist seit ihrer Jugend eingefleischter Löwen-Fan – auch knapp vier Jahrzehnte nachdem sie Deutschland verlassen hat. "Ich bin Lehrerin und meine Schüler werden intensiv über 1860 gelehrt", sagt Ingrid, die unweit des ehemaligen Löwen-Vereinsheims in der Auenstraße aufwuchs.

Der größte Löwen-Fan der Familie: Duncan.
Der größte Löwen-Fan der Familie: Duncan. © AZ

Einkaufen ist nur in Löwen-Fanshops erlaubt

Jedes Jahr organisiert sie mit ihren Schülern eine Reise nach München, einkaufen ist bei ihr aber nur im blau-weißen Fanshop erlaubt. "TSV 1860 sei das Top Team seit Jahrzehnten und ihre Väter würden das bestimmt schätzen, wenn sie ein Geschenk aus München von 1860 bekämen", erklärt sie ihren Schülern. Dass viele von ihnen im Leben noch nie vom Giesinger Traditionsklub gehört haben, nimmt sie dabei hin. "Einige Eltern hatten schon mal von TSV 1860 gehört. Ja, nun waren es 44 Eltern mehr, denen der TSV 1860 vorgestellt wurde", sagt sie über die letzte Klassenfahrt in die Landeshauptstadt: "Ich war ganz stolz darauf!"

Bei Löwen-Heimspiel: Der Bayern-Fan muss draußen warten

So viel Liebe zum Verein macht eben auch vor der Familie nicht Halt, wie Ingrid erzählt. Für das letzte Löwen-Heimspiel im Olympiastadion, sie war zu dieser Zeit zufällig mit ihrem Sohn Gordon und einem Bekannten zum Urlaub in München, habe sie über Umwege zwei Karten erhalten. Der aussetzige Bayern-Fan wurde daraufhin kurzerhand mit einem Kumpel im Olympiapark zwischengeparkt und nach Abpfiff wieder abgeholt.

"Im Englischen sagt man so einfach: Bad luck! You are supporting the wrong club", scherzt die 71-Jährige: "Gordi spricht heute noch davon, wie grausam wir ihm gegenüber waren, weil er ein FC Bayern Fan war und nicht mit uns das Spiel anschauen konnte."

Wenn es bei der schönsten Nebensache der Welt um die Vereinswahl geht, dann können die familiären Bande eben schon mal strapaziert werden.

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