TSV 1860: Sex? Rock'n'Roll? Ja, wo denn?

Beim 2:2 gegen den SC Paderborn erlebt der TSV 1860 seinen Tiefpunkt. Die wenigen Fans, die überhaupt gekommen sind, stellen sich gegen das Team, der Trainer gegen das Umfeld. Ein Schreckensreport.
| Markus Merz
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Das Banner der Löwenfans vor dem Spiel gegen Paderborn.
Markus Merz Das Banner der Löwenfans vor dem Spiel gegen Paderborn.

München -  Geliebt zu werden oder auch gehasst (muss man sich ja auch verdienen), darum geht es doch im Fußball. Das Schlimmste freilich: ist die Gleichgültigkeit. Genau dieses Gefühl aber hat sich offenbar bei den Fans des TSV 1860 eingestellt – abzulesen jedenfalls an dem, was im Stadion noch oder nicht passiert. Offiziell nur noch 13.800 Zuschauer wollten sich am Samstagmittag bei gutem Wetter das Spiel gegen den SC Paderborn ansehen.

Weil in der Zahl auch alle (nicht erschienenen) Dauerkarten-Besitzer mitgerechnet werden, dürften es letztlich gerade einmal etwa 10.000 Zuschauer in der Arena gewesen sein. Das bedeutet Minusrekord, seit die Löwen 2005 vom Olympiastadion in die Allianz Arena gewechselt sind.

Schon nach 18 Minuten stand es 2:0. Für die Gäste, für Paderborn. Okay, am Ende schafften die Löwen noch eine fulminante Aufholjagd, ein letztlich glückliches 2:2 – doch reicht das wirklich nach all den Ambitionen in der Winterpause, um sich die Wahrheit (Mittelmaß, Niemandsland) schönzureden?

Trainer Friedhelm Funkel und Sportdirektor Florian Hinterberger feierten das Remis am Ende trotzdem als Erfolg für die Moral – weil Daniel Bierofka und Yuya Osako, der für Japans Länderspiel gegen Neuseeland (5. März) nominiert wurde, mit ihren späten Treffern das 0:2 in ein 2:2 verwandelt hatten und somit der ganz große Unmut ausblieb.

Trotzdem: Die Partie von Samstag ist ein neuer Tiefpunkt. In vielerlei Hinsicht:

Fans: Nicht nur die geringe Zuschauerzahl wird den Löwen zu denken geben. Auch der Stimmungsboykott in den ersten 19 Minuten der Partie macht deutlich, wie es um die Motivation bei „Münchens großer Liebe“ bestellt ist. Wo ist der „Rock’n’Roll“, den Präsident Mayrhofer für den TSV 1860 reklamiert? Und wo der „Sex“, von dem Geschäftsführer Rejek bei seinem Einstand spracht? Die Fans tendieren eindeutig zur auf Enthaltsamkeit in Sachen 1860. Frustriert ob der zuletzt miesen Auftritten schwiegen und pfiffen sie eisern. Auf einem Plakat war zu lesen: „Ohne Biss und ohne Lust! Wieder im Niemandsland und Frust?“ Auf Handzetteln wurde derweil zum Mitschweigen aufgerufen. Mit dem Hinweis an die Mannschaft: „Legt die Scheiß-Egal-Mentalität ab und reißt Euch endlich den Arsch auf.“ Während Funkel und Hinterberger den Protest nicht weiter bemerkt haben wollten, sagte Benny Lauth der AZ: „Das ruft natürlich eine Verunsicherung bei uns hervor. Das hilft uns auch nicht, das hat man ja gespürt.“

Mannschaft: 75 Minuten lang sah wenig bis gar nichts nach einem Punktgewinn für die Löwen aus. Zwar folgte eine Verbesserung nach dem Seitenwechsel, erst in der Schlussviertelstunde nahmen die Bemühungen aber deutlich zu. Wieder waren es die Spieler, die das auch erkannt hatten. „Die beiden Gegentore haben natürlich genau draufgepasst auf unsere Negativ-Serie. Es hat dann viel zu lange gedauert, bis wir uns davon erholt haben“, sagte Lauth. Während sich Bierofka an längst vergessene Zeiten erinnerte: „Ich hatte mal einen Trainer hier bei 1860, der hieß Werner Lorant. Und der hat damals schon gesagt: 'Wer Angst hat, verliert.' Genauso war es bei uns heute auch erst. So mutlos wie wir kann man nicht auftreten.“

Trainer: Hat die einwöchige Zweikampf-Schulung von Funkel ihre Wirkung verfehlt? Und warum? Hat er die Mannschaft falsch auf- und eingestellt? Oder fehlt dem Team schlichtweg die Qualität?

Umfeld: Funkel kritisiert die überzogene Erwartungshaltung, die häufige Unruhe. Gemeinsam mit Hinterberger will er an Lösungen arbeiten. Und Präsident Gerhard Mayrhofer? Der macht das, was er in den vergangenen Wochen häufig tat: Er schweigt in der Öffentlichkeit.

 

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