TSV 1860 München: Unterföhring hat einen Nationalspieler im Kader

Beim FC Unterföhring, dem nächsten Löwen-Gegner, ist Martin Büchel aktiv. Der 30-Jährige ist auch Nationalspieler in Liechtenstein und hat schon gegen Stars wie Iniesta, Lahm oder Ibrahimovic gespielt.
| Matthias Eicher
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"Es ist einfach der Wahnsinn, sich mit den besten Spielern der Welt zu messen", sagt Liechtensteins Büchel (l.), hier gegen Spaniens Iniesta.
imago "Es ist einfach der Wahnsinn, sich mit den besten Spielern der Welt zu messen", sagt Liechtensteins Büchel (l.), hier gegen Spaniens Iniesta.

München - Die AZ hat mit Martin Büchel gesprochen. Der 30-jährige Mittelfeldspieler ist Nationalspieler Liechtensteins, seit 2013 ist er beim FC Unterföhring aktiv, dem nächsten Gegner der Löwen in der Regionalliga Bayern.

AZ: Herr Büchel, wie sieht das Leben eines Mannes aus, der als Regionalliga-Kicker des FC Unterföhring und als Nationalspieler Liechtensteins zwischen kleinen Stadien und großen Fußballtempeln pendelt?
MARTIN BÜCHEL: Ziemlich viel los im Leben eines solchen Mannes. Außer meiner Arbeit als Osteopath und Fußball bleibt nicht viel Freizeit. Aber man macht es gerne. Die Länderspiele sind Erinnerungen, die ein Leben lang bleiben. Davon kann man noch seinen Enkelkindern erzählen.

Im Pokalspiel gegen 1860 (0:4) fehlten Sie wegen einer solchen Länderspielreise und haben in der WM-Qualifikation eine 0:8-Klatsche gegen Spanien kassiert. Was nimmt man da mit, außer einem Trikot?
Es ist einfach der Wahnsinn, sich mit den besten Spielern der Welt zu messen, mit einem Andres Iniesta, Sergio Ramos oder Gerard Piqué – auch, wenn mich die beiden letzteren ein paar Mal ordentlich abgegrätscht haben. Ich glaube, außer Lionel Messi hab‘ ich alle durch! Vor dem Spiel denkt man manchmal, man ist auf Augenhöhe. Ich habe gegen die Spanier als Zehner gespielt, wobei die Position eher relativ ist, wenn man nur hinterherläuft. Nach so einer Klatsche weiß man wieder, wo man steht, dass morgen wieder der Wecker klingelt und man um 9 Uhr in die Arbeit muss. Aber gegen Spanien war ich tatsächlich im Zweispalt.

Wegen des Duells mit Sechzig, meinen Sie?
Genau. Sechzig oder Spanien – ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt, ins Grünwalder Stadion zu fahren. Ich hätte saugerne gegen die Löwen gespielt. Meine Kollegen haben danach erzählt, wie cool die Kulisse war. Am Ende war’s ein gebrauchter Abend für beide, Liechtenstein und den FCU.

An Niederlagen dürften Sie sich in 69 Einsätzen für den Fußball-Zwerg ja gewöhnt haben, 2008 gab’s ein 0:6 gegen Deutschland.
Ja, die überwiegen leider: Vielleicht in 15 Spielen haben wir gepunktet, sehr selten dreifach. Aber das ist normal für ein Land mit 37.000 Einwohnern, da hast du ganz andere Möglichkeiten als Deutschland mit über 80 Millionen Menschen. Lange waren wir nur 1:0 hinten – am Schluss war dann aber leider doch jeder Schuss ein Treffer.

Sind die Highlights Ihrer Karriere dann eher die doch wenigen Erfolge?
Beides. Es war schon ein echtes Erlebnis, gegen Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Miro Klose aufzulaufen. Für mich gleich doppelt, denn ich bin als Kind ein großer Bayern-Fan gewesen. Aber ich erinnere mich lieber an ein 2:2 gegen Portugal mit Cristiano Ronaldo – das war eine Sensation! Und ein 1:1 in der Slowakei, als ich das Tor geschossen habe, oder einen 1:0-Sieg gegen Lettland, als ich den Siegtreffer vorbereitet habe.

Wie haben Sie den Absturz der Blauen denn verfolgt – als Bayern-Fan mit einer Prise Schadenfreude?
Überhaupt nicht, im Gegenteil: Derbys waren früher immer die geilsten Spiele in der Bundesliga. Ich hätte Sechzig den Aufstieg gewünscht. Ich war auch im Relegationsspiel gegen Regensburg im Stadion und habe mich furchtbar geärgert, dass uns die Sechzger darum bringen, im Grünwalder zu spielen – damit stand ja fest, dass die U21 auch absteigen muss. Aber als dann klar war, dass die Profis bis in die Regionalliga abstürzen, hab ich mich schon auf die Duelle gefreut. 1860 wertet die Regionalliga enorm auf und macht die Stadien voll. Sie dürfen noch eine Saison länger bleiben, wenn es nach mir geht. Aber auf lange Sicht müssen sie schleunigst wieder hoch.

Am Samstag folgt wieder der Regionalliga-Alltag, aber dann geht’s immerhin gegen die Löwen. Selbst für Sie kein normales Spiel, oder?
Nein. Ich durfte solche Ausnahmespiele schon öfter genießen, aber noch nie vor größerer Kulisse mit dem FCU. Die Aufregung im Verein ist riesengroß. Und ich freue mich tierisch für die Jungs und meine Freunde, die das noch nie erleben durften. Das wird ein tolles Fest.

Liechtenstein gegen Sechzig – was glauben Sie, wie würde das ausgehen?
Da hätten wir schon gute Chancen, glaube ich. Aber auch der FCU wird nicht vor Ehrfurcht erstarren. Vielleicht geht ja diesmal was!

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