TSV 1860 München gegen Hannover 96: Vitor Pereira über die Medienpolitik des TSV 1860 München

Löwen-Trainer Pereira bricht vor dem 96-Spiel mit der restriktiven Medienpolitik des Klubs. "Kein Problem, dieses Thema anzusprechen".
| Matthias Eicher
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Wagte sich auf der Pressekonferenz aus der Deckung: Vitor Pereira.
imago/Philippe Ruiz Wagte sich auf der Pressekonferenz aus der Deckung: Vitor Pereira.

München - Training hinter Planen. Keine Interviews. Kritische Fragen schon gar nicht. Den Begriff Öffentlichkeitsarbeit, der – laut Definition – das Ansehen eines Unternehmens, in diesem Fall ein Fußballklub, verbessern soll, pflegt der TSV 1860 derzeit gänzlich anders zu interpretieren als zuvor.

Vor der Abreise der Sechzger am Freitag nach Niedersachsen, wo tags darauf das Auswärtsspiel beim Aufstiegsaspiranten Hannover 96 steigt (13 Uhr), wagte sich ein Löwe aus der Deckung: Vitor Pereira.

Pereira funkt dazwischen

Pressesprecherin Lil Zercher war während der Pressekonferenz vor dem Duell schon wieder dabei, die lästige Frage nach der allgegenwärtigen Abschottung abzuwehren. Dürfen Medien wie Fans künftig öfter Trainings sehen? Was ist mit Gesprächen?

"Ich habe Verständnis für diese Frage, aber es werden nur sportliche Fragen beantwortet", grätschte Zercher verbal dazwischen. Schließlich verfolgt Sechzig unter dem Einfluss von Investor Hasan Ismaik und seinem ausführenden Organ, Geschäftsführer Anthony Power, neuerdings eine "restriktive Medienpolitik", wie es der TSV selbst bezeichnete.

Auf Nachfrage, inwieweit diese Maßnahmen Trainer und Spieler beeinflussen, gab Zercher zurück: "Gerne Fragen zum Spiel, aber…". Doch Pereira funkte dazwischen.

Einmal in der Woche öffentlich

"Ich habe kein Problem, dieses Thema anzusprechen", so Pereira, der sich während Zerchers erster Abfuhr die Frage übersetzen ließ, "einmal pro Woche machen wir auf, aber ich kann nicht jedes Training öffentlich machen". Man wolle "in Ruhe arbeiten", durch Fans und etwaiges Training auf dem Nebenplatz gebe es zu viel "Lärm für die Spieler und es stört, wenn außenrum zu viel los ist" – heißt: Obwohl es die restlichen Zweitligisten schaffen, ihren Fußball öfter zu zeigen, bleibt bei Sechzig der Vorhang zu.

Was man Pereira jedoch hoch anrechnen muss: Der 48-Jährige wirkte in einer halbstündigen Preesekonferenz daran interessiert, nach Wochen der Löwen-Ignoranz den Dialog zu suchen, weshalb er auch den zweiten Teil der Frage geduldig beantwortete: "Und zur Vereinspolitik über die Kommunikation: Wie das Wort schon sagt, das kommt vom Verein, es ist nicht meine Arbeit. Wir haben eine Pressestelle und andere Leute, die sich darum kümmern. Ich bin Trainer, das ist meine Funktion. Fragen zu den Spielern werde ich ehrlich beantworten." Würde das ein oder andere Vereinsorgan so ticken wie der Coach, stünde der Klub wohl weniger in der Kritik.

Lesen Sie hier: Neuhaus im Kader, zwei Löwen-Routiniers fehlen

Damit zurück zu seinem Kernjob: Wie es um seine Löwen nach den Pleiten bei Union Berlin (0:2) und gegen den FC St. Pauli (1:2) bestellt sei? "Die Mannschaft wurde nach zwei negativen Ergebnissen wachgerüttelt", bei den 96ern, die "auch Druck haben im Aufstiegskampf", brauche man "Persönlichkeit".

Dabei ist in Person von Florian Neuhaus ein Youngster wieder fit. Pereira schreckt dagegen – wie schon öfter praktiziert – nicht vor persönlichen Schicksalen zurück und ließ die beiden Routiniers Michael Liendl und Jan Mauersberger zuhause.

Selbst zum Abstiegskampf äußerte sich Pereira deutlicher als je. "Es ist das erste Mal, dass ich in so einer Situation stecke. Zwei, drei gute Ergebnisse würden uns nach vorne katapultieren, aber die müssen erstmal kommen." Was in jedem Fall – am besten durch Zählbares in Hannover – vermieden werden soll: andauernde Abstiegsängste. "Wir müssen jetzt diese Punkte holen, um am Ende nicht in diesem Kampf zu stecken."

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