Stoffers und das rein egoistische Motiv: "Ich will zeigen, dass ich’s kann“

Hier erklärt Manfred Stoffers, der neue Geschäftsführer der Löwen, wie er bei 1860 aufräumen will: „Rau, aber herzlich.“
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Hier erklärt Manfred Stoffers, der neue Geschäftsführer der Löwen, wie er bei 1860 aufräumen will: „Rau, aber herzlich.“

AZ: Herr Stoffers, als ehemaliger 1860-Sponsor haben Sie den Verein in der Saison 2005/2006 ganz schön aufgewirbelt: Wo ist eigentlich die berühmt-berüchtigte Nagelschere, mit der sie damals aus Verärgerung über die 1860-Profis das Festina-Logo aus dem Trikot rausschneiden wollten?

MANFRED STOFFERS (lacht): Geschnitten wird jetzt erstmal nix, sondern gefeilt. Die Ecken und Kanten, die zuletzt zu Missverständnissen geführt haben, die muss man jetzt rund und handlich machen.

Das Präsidium um Rainer Beeck hat Sie zum neuen Geschäftsführer des TSV 1860 berufen: Wie kann man sich nur auf solch einen Job bei diesem Verein einlassen?

Der Arzt auf der Intensivstation fragt ja auch nicht, ob der Patient behandelt werden will oder nicht. Er hat seine Pflicht zu tun, und meine Pflicht wird sein, 1860 wieder nach oben zu bringen. Ich bin kein selbstloser Mensch, ich will beweisen, dass ich es kann. Das ist ein rein egoistisches Motiv.

Bei den Löwen ist aber eher der gewisse Stallgeruch gefragt – und für Sie ist der Fußball eigentlich Neuland.

1860 ist ein Dienstleistungsunternehmen – und alle Unternehmen dieser Art funktionieren gleich. Dienen ist das zentrale Wort bei 1860, die Kundschaft bei den Löwen ist was ganz Besonderes. Bis heute habe ich eine Verbindung zu vielen Löwen-Fans.

Die Marke 1860 liegt aber derzeit am Boden.

Das sehe ich ganz anders. Vor 149 Jahren sind in Bayern hunderte von Vereinen und Firmen gegründet worden – wer lebt von denen heute noch? Der Löwe! Er schüttelt sich zwar gerade, aber wird mit neuer Kraft ins Jubiläumsjahr gehen. Versprochen.

Was verbinden Sie mit 1860?

Das pralle Leben – und vor allem die großen Erfolge in den 60er Jahren: Der Radi ist die größte Integrationsfigur, er hat vor 40 Jahren schon das geschafft, was uns heute noch schwer fällt. Petar Radenkovic hat mir übrigens bei einem Spiel in der Arena mal erklärt, worum es da unten auf dem Rasen geht.

In der 1860-Geschäftstelle soll es Spannungen geben: Wie wird Ihr Führungsstil sein, um den Verein wiederzubeleben?

Der Stil wird rauh, aber herzlich sein. Ich bin zu alt, um mich zu ändern. Es gibt ein altes jüdisches Sprichwort: Reden bringt die Leute zusammen. Und genau da setze ich an.

Von den Löwen-Profis hatten Sie bislang keine hohe Meinung: Zu Ihrer Sponsor-Zeit beschimpften Sie die Kicker mal als Provinzprimadonnen!

Da war ich noch nicht Geschäftsführer bei 1860. Damals war die sportliche Situation ein mentales Problem - jetzt ist die Lage ganz anders. Wir haben ein hochmotiviertes Team, die Grenzen der eigenen Möglichkeiten sind noch lange nicht erreicht. Das wird nun eine Art Selbstbefreiung.

In der Allianz Arena droht am Sonntag gegen Ahlen (14 Uhr, AZ-Liveticker) ein neuer Zuschauer-Minusrekord: Ein frostiger Einstieg für Sie, oder?

Wir müssen um jeden Fan kämpfen, darüber sind wir uns bewusst: Miroslav Stevic als Sportdirektor und ich stehen für den Aufbruch bei 1860. Wenn man die Löwen von außen betrachtet, ging’s in den letzten Jahren immer nur im Kreis. Unser Job ist es den Kreis in eine Linie nach oben zu verwandeln.

Die Arena hängt dem Verein wie ein Klotz am Bein: Jährlich muss 1860 5,3 Millionen Euro Stadion-Miete bezahlen. Wie kommt der Verein aus diesem Teufelskreis wieder raus?

Für mich ist es jetzt viel zu früh, eine eigene Meinung dazu zu haben. Für uns ist die Allianz Arena in erster Linie ein Arbeitsplatz – ob man gerne hingeht oder nicht.

Bayern-Manager Uli Hoeneß lästerte zuletzt über den geplanten Investor-Einstieg, das sei der Anfang vom Ende bei 1860. Sollte man sich in Zukunft nicht wieder mehr vom FC Bayern abgrenzen?

(lacht): Natürlich. Das Verhältnis zwischen 1860 und den Bayern ist lustvoll-feindlich zu bezeichnen. Wenn der FC Bayern nur unser Erzrivale wäre, wäre es einfacher, aber er ist unser Vermieter. Und im Verhalten zwischen Vermieter und Mieter sollte ein Mindestmaß an Höflichkeit geboten sein – und zwar von beiden Seiten.

Interview: Oliver Griss

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