Interview

Richard Neudecker vom TSV 1860: "Dresden? Das geilste Duell der Liga"

Löwen-Rückkehrer Richard Neudecker spricht im AZ-Interview über fehlende Konstanz bei ihm und Sechzig, Viererpacker Dennis Dressel - und natürlich über den anstehenden Knaller bei Dynamo Dresden.
| Matthias Eicher
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Kehrte im Sommer zu den Löwen zurück: Richard Neudecker. (Archivbild)
Kehrte im Sommer zu den Löwen zurück: Richard Neudecker. (Archivbild) © imago/Sven Simon

München - Richard Neudecker im AZ-Interview: Der 24-jährige Altöttinger wurde beim TSV 1860 ausgebildet und kehrte im Sommer nach Stationen beim FC St. Pauli und VVV Venlo wieder nach Giesing zurück.

AZ: Herr Neudecker, letztes Spiel schnell abhaken und nach vorne schauen, heißt es oft im Profifußball, gerade nach Niederlagen. Aber an so ein 6:1-Spektakel wie gegen Halle verschwendet man gerne noch ein paar Gedanken, oder?
RICHARD NEUDECKER: Ja, absolut. Das war der Wahnsinn, so ein Spiel habe ich noch nie erlebt, zumindest nicht im Profibereich. Das wirkt sich natürlich auf die Stimmung aus. Die ist top, wir lachen viel im Training und haben viel Selbstvertrauen. Ich habe aber während meiner Zeit in den Niederlanden mit Venlo aber auch schon mal 1:6 verloren, von daher kann ich ein bisschen mit Halle mitfühlen.

Löwe Neudecker: "Wir müssen mehr Konstanz reinbringen"

1860 rangiert nach dieser Machtdemonstration auf Rang zwei, hat die meisten Tore geschossen. Ganz plakativ gefragt: Ist Sechzig schon ein Spitzenteam?
Wenn man Zweiter ist, hat man natürlich schon etwas richtig gemacht - und das trotz des großen Umbruchs im Sommer. Aber ich finde: Wir müssen noch viel mehr Konstanz reinbringen. Wir haben in den letzten vier Spielen verloren, gewonnen, wieder verloren und wieder gewonnen. Das kann nicht sein. Es darf nicht dauernd auf und ab gehen. Auch das Spiel gegen Halle ärgert mich.

Sie meinen das Gegentor als Schönheitsfehler?
Ja, die Sechs mit einer Null dahinter wäre doch bei Sechzig ein viel schönerer Anblick auf der Anzeigetafel gewesen. Und wenn man ehrlich ist, hätte schon die erste Hälfte in eine ganz andere Richtung gehen können. Da führen wir mit 2:0 und wissen gar nicht, warum.

Sechzigs Mittelfeldspieler Dressel: Erster der Torschützenliste

Weil Dennis Dressel die ersten beiden Treffer seines sensationellen Viererpacks gelungen sind. Trägt er schon einen neuen Spitznamen?
Nein, das nicht. Aber ich muss schon sagen: Das war eine extrem geile Leistung von ihm. Darüber hat sich die ganze Mannschaft gefreut, da ist auch keiner neidisch. Ich hoffe mal, das wird ihn pushen für den Rest der Saison. Es ist schon ungewöhnlich, dass ein Mittelfeldspieler Erster in der Torschützenliste ist. Mal schauen, ob er das bis Saisonende durchhält (lacht).

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Ihre eigene Bilanz sieht so aus: ein Hackentor gegen den VfB Lübeck, drei Assists. Wie zufrieden sind Sie mit ihrer Rückkehr auf Giesings Höhen, was fehlt Richy Neudecker noch?
Es ist ähnlich wie bei der ganzen Mannschaft: Es fehlt noch die Konstanz. Ich hatte Auftritte dabei, da fange ich gut an und verliere den Faden. Oder ich brauche zu lange, um ins Spiel zu finden. Ich habe ja mal gesagt, dass ich mich als Kampfzwerg sehe: Das denke ich immer noch. Klar, ich will spielerische Akzente setzen und sehe mich als den Mann vor dem letzten, aber auch dem vorletzten Pass. Aber wenn es nicht läuft, muss man dazwischenhauen. Von daher bin ich lieber der Kerl mit dem gewissen Schmackes, ich will nach dem Schlusspfiff sagen können: "Hey, heute hab' ich alles rausgehauen und es war ein richtig geiles Spiel von mir!" Ich muss noch weiter an meiner Fitness arbeiten, denn ich stehe noch nicht dort, wo ich stehen will.

TSV 1860 gegen Aufstiegsfavorit Dynamo Dresden

Das schreit nach Extraschichten mit Ihrem ganz persönlichen Fitnesstrainer, dem eigenen Bruder.
Als ich in den ersten Spielen nur eingewechselt oder nach 60 Minuten ausgewechselt worden bin, hat er schon gesagt: "Verdammt nochmal, was ist da los? Haben wir zu wenig trainiert, oder was?" Wir trainieren grundsätzlich in der Winter- und Sommerpause zusammen. Als die Liga in Holland abgebrochen wurde und ich zuhause gewesen bin, hat er mich fit gemacht. Bei den Neudeckers wird sowieso immer gesportelt: Wenn wir nicht zusammen Fitness machen, spielen wir Tennis.

Sprechen wir über den nächsten, hochkarätigen Gegner am Sonntag: Ist der TSV denn bereit für Zweitliga-Absteiger Dynamo Dresden?
Dynamo ist ein absolutes Brett. Die sind für mich immer noch Aufstiegsfavorit. Ich will mich nicht festlegen, wer da Favorit ist. Ich weiß nur: Wir sind gut drauf und müssen unsere Leistung auf den Platz kriegen - und Dresden hat dann hoffentlich keinen allzu guten Tag. Ein Jammer, dass ein solches Spiel zwischen zwei Traditionsvereinen ohne Fans stattfinden muss. Sechzig gegen Dresden - das ist für mich mit das geilste Duell der Liga. Es wäre noch viel spannender, viel emotionaler. Aber so wollen wir unseren Fans am Fernseher eine tolle Leistung liefern.

Bald gibt's ein Wiedersehen mit Ex-Trainer Markus Kauczinski.
Bald gibt's ein Wiedersehen mit Ex-Trainer Markus Kauczinski. © imago/Oliver Ruhnke

Wiedersehen mit Dresdner Coach Kauczinski

Sie dürften gute Erinnerungen an Ihren einzigen Auftritt im Rudolf-Harbig-Stadion haben: Sie haben 2018 - unter dem damaligen St.-Pauli-Trainer und dem jetzigen Dresdener Coach Markus Kauczinski - ein Tor zum 3:1 beigetragen.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, denn das war mein allererstes Profitor. Es war ein tolles Gefühl! Ich freue mich auch, Kauczinski zu treffen. Er ist ein toller, cooler Typ, der damals bei St. Pauli sehr auf mich gebaut hat. Ich kam dort als junger Spieler hin und hatte gleich diese Schambeinverletzung. Du hast noch nichts geleistet und fragst dich: Bin ich überhaupt gut genug? Hält mein Körper die Belastung aus? Das war die schwerste Phase meiner Karriere. Ich hatte Zweifel ohne Ende, ob ich es überhaupt schaffe. Diese Zeit hat mich körperlich und mental stärker gemacht.

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