Niederlechner enthüllt: TSV-1860-Trainer Kayabunar wurde in der Kabine aggressiv

Es lief die 58. Spielminute im Heimspiel der Blauen gegen die SpVgg Ansbach, da legte sich Tunay Deniz den Ball zurecht. Ecke, Kopfball, Flo-Niederlechner-Tor – das feierliche Ende einer kleinen, aber emotionalen Ladehemmung, denn danach brach einiges aus dem Torschützen heraus.
Niederlechner traf zum 2:0 für den TSV 1860
"Ich bin unheimlich glücklich", sagte der Torjäger des TSV 1860 nach dem 4:0-Kantersieg gegen den aufstrebenden Regionalliga-Gegner (zuletzt zehn Punkte aus vier Spielen), gegen den er das vorentscheidende 2:0 geköpft hatte und danach jubelnd in die Westkurve abgedreht war – nicht ohne die berühmte Geste, den Finger auf seine Lippen zu legen.
Ganz nach dem Motto, passend zum Wiesn-Finale, das die Sechzger so noch ein bisserl mehr genießen konnten: Durststrecke beendet!

Niederlechner: "Hat in mir gearbeitet"
"Ich war schon froh", sagte Niederlechner auf AZ-Nachfrage über zuletzt vier Spiele ohne Treffer und seinen vielsagenden Jubel nach seinem vierten Saisontor: "Es hat ehrlich gesagt schon gearbeitet in mir, gerade in den letzten zwei Wochen, wo ich ein paar liegengelassen habe." Vor allem beim 1:3 bei Wacker Burghausen hätte der 35-jährige Routinier seine Sechzger zum Sieg schießen können, wenn nicht müssen.
Umso mehr scheint sich der Ex-Bundesligastar das Ganze zu Herzen genommen zu haben, schließlich läuft er seit vergangener Saison zwar nicht mehr in einer der obersten Ligen, aber endlich wieder für seinen Herzensverein auf: "Da merkt man dann einfach, wie wichtig es für mich ist, hier zu spielen. Darum war ich echt froh, dass ich dann noch eins gemacht habe!"

Kayabunar sorgt mit Halbzeitansprache für Leistungsexplosion
Gleich drei Personen sind an dieser Stelle allerdings zu erwähnen, die Niederlechners versöhnlichem Erfolgserlebnis vorausgegangen waren und mitgeholfen haben: Die erste Person heißt Alper Kayabunar und sie hat, zumindest Niederlechners Erzählungen zufolge, in ihrer Rolle als Löwen-Chefcoach eine wichtige "Steilvorlage" für Sechzigs Leistungsexplosion nach der Pause hingelegt.
"Er war schon eher aggressiv, sagen wir mal so", meinte der TSV-Torjäger über eine ordentliche Kabinenpredigt des Trainers: "Ich glaube, das war sehr wichtig für uns: Man hat ja gesehen, was wir für eine zweite Halbzeit gespielt haben."
Kayabunar: "Ich war stocksauer"
Kayabunar meinte über seinen Gefühlsausbruch nach einer etwas verunsicherten ersten Hälfte, auch mit zwei vergebenen Niederlechner-Chancen: "Ich hatte jetzt kein Muffensausen, aber ich war stocksauer und ich glaube, das haben die Jungs zu spüren bekommen!" 1860 habe "zu wenig Energie" gezeigt", was ihn verständlicherweise echauffiert hatte.
Die zweite Person, die ihre Aktien am Heimsieg hatte, heißt Felix Weber. Der Urlöwe ging nach einem Ballgewinn im Mittelfeld in die Spitze durch, um mit dem umjubelten 1:0 den Türöffner zu machen. "Genau den Ball vorher im Mittelfeld hat der Felix erkämpft", lobte Niederlechner das "absolute Willenstor" seines Verteidiger-Kollegen: "Er hat wieder ein herausragend gutes Spiel gemacht. Man merkt, dass er richtig fit ist und uns unheimlich guttut: Da ist er in Stürmermanier hereingesprungen, das war schon sehr wichtig für uns."

Wagner traf zum 3:0 für den TSV 1860
Der dritte Matchwinner im Bunde, der als Joker kam und sogar gleich zwei Scorerpunkte sammeln durfte, hört auf den Namen Fabio Wagner. "Fabio hat echt ein gutes Spiel gemacht. Manchmal weiß er gar nicht, was für eine Qualität er hat", sagte Niederlechner anerkennend über den Junglöwen, der beim 1:0 Webers Doppelpass-Partner gab und nach Niederlechners Streich wuchtig zum 3:0 unter die Latte traf.
Blieb nach dem weiß-blauen Festspiel nur noch zu klären: Geht’s nochmal auf die Wiesn? "Des erlaub’ das jetzt mal, da darf jeder nochmal auf die Wiesn gehn und a Mass trinken", meinte Niederlechner grinsend, Kayabunar sagte: "Das letzte Wort habe immer noch ich. Die können ein bisschen rausgehen, aber morgen Früh ist wieder Training!"