Neuausrichtung beim TSV 1860 München: Liebe zur Dominanz - ein Experte erklärt Pereiras Spielsystem

Der neue Löwen-Trainer Vitor Pereira will das Spielsystem umstellen. Und Investor Hasan Ismaik kündigt an, dass ihm Clarence Seedorf als Fachmann zur Seite stehen wird. „Er ist begeistert von 1860“.
| Patrick Mayer
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„Aggressiv, technisch und dominant“, will der Portugiese Vitor Pereira, der neue Trainer der Löwen, spielen lassen.
Rauchensteiner/Augenklick „Aggressiv, technisch und dominant“, will der Portugiese Vitor Pereira, der neue Trainer der Löwen, spielen lassen.

Ajax Amsterdam, Real Madrid, Inter und AC Mailand – die Liste der Klubs, bei denen sich Clarence Seedorf verdient hat, ist prominent. Vergleichsweise unterklassig war der Fußball, den der 40-Jährige am vergangenen Freitag beim Zweitligaspiel zwischen dem TSV 1860 und dem 1. FC Heidenheim geboten bekam. Sein Besuch in Fröttmaning hatte für Aufsehen gesorgt, die Löwen beschwichtigten, Seedorf sei ein Freund der Familie Ismaik.

Wirklich? Wie ein Post des Investors verrät, ist der Niederländer mehr als das. „Zuletzt war auch Seedorf mein Gast in der Arena“, schrieb der Geldgeber. „Er ist begeistert von 1860 und davon, was wir in nächster Zeit vorhaben. Clarence wird nicht das letzte Mal hier gewesen sein. Ich bin sehr froh, ihn als Freund und Fachmann an meiner Seite zu haben.“

Wird Seedorf offiziell Berater?

Seedorf soll Ismaik also beraten beim zu erwartenden Radikal-Umbruch. Mehreren Medienberichten zufolge, will der 39-Jährige zwischen 50 und 100 Millionen Euro vor allem in das Löwen-Team investieren, um dieses konkurrenzfähig und nicht zuletzt in die Bundesliga zu bekommen.


„Er ist begeistert von 1860 und davon, was wir in nächster Zeit vorhaben“, sagt Investor Hasan Ismaik über Clarence Seedorf. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Da ist guter Rat teuer. Ob Seedorf sich als reiner Freundschaftsdienst oder entgeltlich zur Verfügung stellt, ließ Ismaik unbeantwortet. Die Expertise des früheren niederländischen Nationalspielers ist aber unbestritten. 2014 trainierte Seedorf ein halbes Jahr lang seinen Ex-Klub AC Mailand. Er hat nicht nur beste Kontakte nach Italien, in die Niederlande oder nach Brasilien, sondern arbeitete zuletzt auch in China. Sein Netzwerk ist groß. Das dürfte nicht zuletzt den neuen Sechzig-Coach Vitor Pereira freuen.

Pereiera: Ein Experte erklärt sein Spielsystem

Der Portugiese braucht für seinen Fußball neue Spieler. Es kursieren Gerüchte, dass reihenweise Profis abgegeben und dank des Geldes von Ismaik ordentlich nachgelegt werden soll. Wie dieser Fußball Pereiras aussieht, erklärt Taktik-Experte Constantin Eckner vom Fachportal „Spielverlagerung.de“ im Gespräch mit der AZ. Eckner beobachtet den Spielstil Pereiras schon seit dessen Engagements beim FC Porto und Olympiakos Piräus. „Im Vergleich zu vielen anderen Zweitligamannschaften lässt er offensiver und Ballbesitz-Fußball spielen. Sein Spiel zielt auf aggressives Gegenpressing und Dominanz ab“, sagt Eckner. Pereira erwarte, dass seine Spieler hoch aufrücken und immer wieder aggressiv ins Gegenpressing gingen, um den Ball wieder zurückzuerobern.

Das wäre eine Umstellung für 1860 „und es ist nicht typisch für die 2. Liga. Zweitligateams sind in der Regel passiver im Pressing, ziehen sich schneller zurück, stehen tiefer“, schildert der Fachmann. Pereira gehe es dagegen darum, Angriffe komplett zu unterbinden. Seine Spieler müssen laut Eckner in der Lage sein, viele kurze Sprints in Folge zu machen. „1860 ist nicht untalentiert. Es gibt einige Spieler, die das Potenzial dafür haben“, meint der Taktik-Experte. Ein guter Trainer schaffe es notfalls, „Schwächen einzelner Spieler zu verbergen“. Ein Vorteil von Pereiras Taktik sei, „dass der Gegner nie zum Durchatmen kommt, weil er keinen längeren Ballbesitz hat“.

Seine Grundsysteme, ein 4-4-2 oder ein 4-2-3-1, passe Pereira während des Spiels immer wieder punktuell an. Sein Fußball ähnelt damit dem Stil von Borussia Dortmund unter Thomas Tuchel, mit Elementen eines Jürgen Klopp (Pressing und Gegenpressing) und eines Pep Guardiola (dominanter Ballbesitz). Das richtige Spielermaterial dafür zu finden, ist nun auch die Aufgabe von Clarence Seedorf.

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