Mayrhofer: Politik? "Nur auf Kanzler-Ebene!"

Turbulente Wochen für 1860-Boss Mayrhofer: Wie der neue starke Mann der privat tickt, warum er Vegetarier ist, sich schon mal selbst gegoogelt hat – und überlegt, nach Südamerika auszuwandern.
| Interview: Isabella Müller-Reinhardt
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen
1860-Präsident Gerhard Mayrhofer mit TV-Moderatorin und AZ-Kolumnistin Isabella Müller-Reinhardt während des Interviews.
Daniel von Loeper 2 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer mit TV-Moderatorin und AZ-Kolumnistin Isabella Müller-Reinhardt während des Interviews.
TSV-1860-Präsident Gerhard Mayrhofer im Interview mit TV-Moderatorin und AZ-Kolumnistin Isabella Müller-Reinhardt
Daniel von Loeper 2 TSV-1860-Präsident Gerhard Mayrhofer im Interview mit TV-Moderatorin und AZ-Kolumnistin Isabella Müller-Reinhardt

Turbulente Wochen für 1860-Boss Mayrhofer: Wie der neue starke Mann bei 1860 privat tickt, warum er Vegetarier ist, sich schon mal selbst gegoogelt hat – und überlegt, nach Südamerika auszuwandern.

AZ: Herr Mayrhofer, Sie sind seit dem 14. Juli Präsident des TSV 1860. Fans sehen in Ihnen den neuen Karl-Heinz Wildmoser. Woher kommt das?

GERHARD MAYRHOFER: Karl-Heinz Wildmoser war ungefähr so groß wie ich – und es kann gut sein, dass wir in einer Gewichtsklasse gekämpft haben. Kein Witz: Der Chef unserer Boxabteilung meinte tatsächlich, ich hätte alle Voraussetzungen für einen Schwergewichtler. Außerdem pflegte Herr Wildmoser wie ich eine sehr deutliche Sprache, war authentisch und hatte das gleiche Ziel, den TSV 1860 nach vorne zu bringen. Aber wir waren nicht immer einer Meinung.

Ehrt Sie dieser Vergleich?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe weder Vorbilder noch Idole. Ich bin ich.

Wie werden Sie auf der Straße angesprochen?

Einige Menschen auf der Straße begrüßen mich tatsächlich mit „Hello Mr. President”. Freunde sagen: „Schau her, der Präsi”.

Sind Sie mit dem 1860-Gen auf die Welt gekommen?

Meine Mama war immer schon eine Löwin. Mein Vater dagegen Bayern-Fan. Aber von klein auf war der TSV für mich attraktiver. Ich mochte das Logo lieber und auch die Vereinsfarben weiß-blau fand ich schöner. Am Nachmittag meiner Firmung bin ich zum ersten Mal ins Stadion gegangen. 1860 gegen Schweinfurt 05! Danach bin ich mit Wimpeln und all diesem Gedöns ausgestattet worden und war Löwe.

Ist Ihre Mama stolz, dass Sie jetzt 60er Präsident sind?

Das erste, was sie gesagt hat war: „Du bist ja wahnsinnig”. Und danach kam der Stolz.

Sie kommunizieren gerne via Facebook. Haben Sie Ihren Account etwa, um die Profile Ihrer Kids zu kontrollieren?

Nein, ich würde meine Jungs niemals überwachen! Facebook ist für mich eine sehr gute Möglichkeit, mich international zu vernetzen. Aber seit geraumer Zeit wird mein Profil immer blauer und ich kann auch all die Freundschaftsanfragen nicht mehr steuern. Zudem bekomme ich täglich an die 80 E-Mails von Fans. Und ich versuche natürlich, alle zu beantworten.

Lesen Sie auch: Hinterberger über den BVB, Aue und die Wiesn

Wie wäre es denn mit einer eigenen Fanseite?

Habe ich mir auch schon überlegt und werde ich jetzt wohl auch tun. „Mayrhofer TSV1860”.

Haben Sie sich auch schon einmal selbst gegoogelt?

Ja, nachdem ich Präsident wurde. Ich wollte mal wissen, welche Bilder von mir im Netz kursieren. Das Netz vergisst ja leider nichts.

Es gibt keinen Wikipedia-Eintrag über Sie. Sind Sie eitel genug, ihn selber anzulegen?

Nein, so wichtig nehme ich mich nicht, dass ich da unbedingt erscheinen muss. Wenn jemand meint, ich gehöre dahin, soll er ihn gerne schreiben.

 


 

Was ist das eigentlich für ein silbernes Armband an Ihrem rechten Handgelenk?

Meine Frau hat es mir geschenkt. Es ist ein indianisches Armband. Sonst gibt's nichts aus Metall an mir, auch keine Tattoos.

Was bedeutet es Ihnen?

Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und fühle mich auch den Indianern sehr verbunden. Besonders denen, die heute in Südamerika im Amazonas leben und systematisch ausgerottet werden. Ich war viel in Südamerika und habe den Kontinent kennengelernt. Auch wegen meiner zweiten großen Leidenschaft. Ich kultiviere südamerikanische Orchideen, die vor dem Aussterben bedroht sind. Ich habe ein eigenes kleines Gewächshaus.

Schon mal überlegt, hier alles hinzuschmeißen und auszuwandern?

Oft, meine drei Kinder halten mich jedoch davon ab. Wobei ich sagen muss, München ist schon meine Stadt. Ich liebe München – und die Isar ist mein persönlicher Amazonas.

Sie könnten sich doch auch nicht wirklich ein Indianerleben vorstellen – und auf all den Luxus hier verzichten!

Doch, sehr gut sogar. Ich brauche nicht viel um mich herum. Luxus ist für mich in der Natur, besonders an der Isar zu sein und Zeit zu haben. Dort entspanne ich und tanke Energie. Das ist mein Luxus.

Sie rauchen nicht, trinken kaum Kaffee. Was ist Ihr Laster?

Weißbier! Das einzige, das geblieben ist. Ich habe auch mal ziemlich viel geraucht – aber vor 3 Jahren damit aufgehört.

Sie sind Vegetarier. Wieso verzichten Sie freiwillig auf Schweinebraten?

Ich habe nicht das Recht, Tiere zu töten und zu essen. Ich bin auch kein Freund von Zirkus und Zoos.

Wann kam diese Erkenntnis?

Etwa als ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Ich habe mich gefragt: Auf was in meinem Leben kann ich verzichten? Wie kann ich mein Leben reduzieren? Ich will weniger brauchen. Ich saß eines Tages auf dem Sofa mit meinem Hund Emma und wir haben uns tief in die Augen geschaut. In dem Moment habe ich mir gedacht: „Ich kann dich nicht essen, nein, unmöglich” Danach habe ich nie wieder Fleisch gegessen.

Wovon ernähren Sie sich?

Gemüse, in jeglicher Variation.

Wieso schauen Sie dann nicht aus wie ein Modell-Athlet?

Sind Sie etwa der Meinung ich sei kein Modell-Athlet? (lacht) Tja, das kann nur am Bier liegen.

Ich finde: Zu Ihnen würde Yoga passen.

Habe ich auch schon gemacht, hat mir auch sehr gut gefallen. Ich mag nur nicht gerne in so Studios gehen. Ich mache Sport lieber für mich selber.

Glauben Sie an Gott?

Ich glaube an das Göttliche in der Natur und dass wir Menschen mit der Natur eins sind. An einen spezifischen Gott glaube ich nicht. Ich gehöre aber vor allem hier keinem dieser Vereine an. Kirchen sind für mich auch Vereine – und dem einzigen, dem ich angehöre, das ist der TSV 1860.

Sie machen bei den bevorstehenden Wahlen Ihr Kreuzchen bestimmt bei den Grünen?

Das verrate ich nicht. Aber ich gehe wählen, weil es wichtig ist. Und: Ich bin kein Wechselwähler!

Keine Lust, selber Politik zu machen?

Doch! Aber nur auf Bundeskanzlerebene. Um unten anzufangen, bin ich zu alt.

Sie wirken mental und körperlich sehr stark und ausgeglichen. Haben Sie Ängste?

Ich bin Vater von drei Kindern – und sobald man Kinder hat, ist die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet. Ich trage Verantwortung, bin über 50 und habe eine eineinhalb Jahre alte Tochter. So langsam komme ich ins Herzinfarkt-Alter und mache mir da natürlich Gedanken. Aber mit meinem gesunden Lebenswandel dürfte da eigentlich nicht viel schiefgehen. Hoffe ich.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren