Mayrhofer: Der mit den Fans spielt

Gerhard Mayrhofer startete verheißungsvoll als Präsident des TSV 1860 – doch mittlerweile hat sich die Stimmung abgekühlt: Er verträgt Kritik nur schlecht und will nun sogar die Fans aussperren.  
| Filippo Cataldo
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Gerhard Mayrhofer, der Präsident des TSV 1860 München.
sampics/AK Gerhard Mayrhofer, der Präsident des TSV 1860 München.

Gerhard Mayrhofer startete verheißungsvoll als Präsident des TSV 1860 – doch mittlerweile hat sich die Stimmung abgekühlt: Er verträgt Kritik nur schlecht und will nun sogar die Fans aussperren.

München - Es war ein Erdrutsch-Sieg, ein Triumph, ein Signal, das besser nicht hätte sein können. Überwältigende 95,8 Prozent der anwesenden Mitglieder wählten Gerhard Mayrhofer am 14. Juli 2013 zum neuen Löwen-Präsidenten.

Die Löwen schienen endlich wieder geeint. Mayrhofer hatte eine gute, aufrüttelnde, hoffnungsvolle Rede gehalten. Er versprach, den Verein zu erneuern, er wollte den Löwen-Blues vertreiben und stellte den Bau eines eigenen Stadions in Aussicht. Der frühere O2- und Vodafone-Vorstand hatte sich als volksnaher Präsident präsentiert. Als Mannsbild, als Macher und Anpacker – und nicht zuletzt: Als „erster Fan“.

Es schien Liebe auf den ersten Blick zu sein zwischen den Anhängern und ihm. Mittlerweile wird der Präsident differenzierter gesehen. Mal braucht er die Fans, dann wiederum macht es den Eindruck, als spiele er mit ihnen. Und wenn sie sich nicht so verhalten wie erwünscht, reagiert er entrüstet.

Online-Kommentare: Erst ein paar Wochen im Amt, beschwerte sich Mayrhofer über kritische Online-Kommentare von Usern, die er teils als beleidigend empfand. „Ich kann diese Foren nicht ernst nehmen. Ich finde das ehrlich gesagt ekelhaft. Für mich sind das alles keine Löwen, die so über den Verein reden“, sagte er. Die Redaktionen löschten einzelne Kommentare, moderierten die Foren noch sorgfältiger. „Ich habe jetzt schon zweimal Strafanzeige gegen diese Beleidiger gestellt“, sagte er der „Bild“ nun.

Der Facebook-Präsident: Als erster Löwen-Präsident richtete sich Mayrhofer eine Fan-Seite auf Facebook ein, postete da auch Videos seiner Lieblingsband „Motörhead“. Aufmunternde Worte nach Niederlagen, seine Sicht der Dinge und Richtigstellungen, wenn er sich von falsch verstanden fühlte. 5815 Likes hat Mayrhofer, er diskutiert mit den Kommentierenden gerne mit. Gegen Kritik wehrt er sich manchmal auch im beleidigt klingendem Tonfall. Allzu kritische User sperrt er.

Mitglieder-Offensive: Im Dezember startete Mayrhofer eine Mitglieder-Offensive. Das Ziel der Aktion: Aus den knapp unter 20000 Mitgliedern sollen 50000 werden. Nicht so gut kam aber seine Ankündigung an, dass nur Mitglieder den Verein kritisieren dürften. „Wer diskutieren, wer unsere Arbeit oder den Verein kritisieren oder mitgestalten will, der sollte Mitglied sein. Bei uns reden so viele Menschen immer gerne mit, die aber gar nicht Mitglied im Verein sind. Das finde ich dann doch ein bisschen komisch“, sagte er der AZ.

Arge: Ende Februar schrieb der Fanklubdachverband Arge in einer intern nicht unumstrittenen und von Mayrhofer angeregten Stellungnahme auf der 1860-Website: „Unsere knapp 500 Fanklubs werden mehr besucht und betreut als je zuvor. Hervorzuheben ist besonders, dass jetzt sämtliche Versprechungen und Vereinbarungen grundsätzlich eingehalten werden, was früher seltener vorkam.“ Ein Angriff auf Ex-Präsident Dieter Schneider, der Arge-Ehrenpräsident ist.

Weißbier-Debatte um die Zaungäste: Am Donnerstag überraschte Mayrhofer in der „SZ“ mit seiner Ankündigung, das Trainingsgelände für manche Einheiten abzusperren. Weniger die Sache an sich als vielmehr seine Wortwahl trieb die treuen Stammgäste des Löwenstüberls auf die Palme. Mayrhofer nannte sie „sogenannte Fans“ und meinte: „Wir sind hier kein Biergarten, sondern ein Trainingsgelände. Es wird immer gesagt, wie toll volksnah 1860 ist. Aber vielleicht ist diese Nähe nicht immer hilfreich für das, was man vorhat.“ Und weiter: „Die Spieler werden ja wahnsinnig. Die trainieren, und die Leute stehen mit dem Weißbier in der Hand daneben und beschimpfen sie.“

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