Jetzt knöpft sich Mayrhofer auch die Fans vor

Löwen-Boss Gerhard Mayrhofer will künftig die Fans vom Trainingsgelände aussperren. "Es geht einfach nicht, dass hier permanent Leute überall rumschnüffeln."
| Filippo Cataldo
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Gerhard Mayrhofer will das 1860-Trainingsgelände umbauen.
sampics / az Gerhard Mayrhofer will das 1860-Trainingsgelände umbauen.

München -  „Wir sind greifbarer. Bei uns geht es um Authentizität.“ Das sagte  Gerhard Mayrhofer im Januar 2014 zur AZ. In der  „SZ“ sagt er jetzt dagegen: „Wir sind hier kein Biergarten, sondern ein Trainingsgelände. Es wird immer gesagt, wie toll volksnah 1860 ist. Aber vielleicht ist diese Nähe nicht immer hilfreich für das, was man vorhat.“

Zwei Aussagen, zwischen denen Welten liegen.

Ja, ja, der Wind kann sich schnell drehen beim Präsidenten. Ex-Geschäftsführer Robert Schäfer und Ex-Sportdirektor Florian Hinterberger wissen das bestens. Gestern bestärkt, heute entlassen.

Mayrhofer ("ich eigne mich schlecht als Nummer 2") liefert sich regelmäßig Scharmützel mit Reportern. Die verkörpern für ihn in der Mehrzahl ebenso das "alte Sechzig" wie frühere Funktionäre und allzu laut grantelnde Fans. Sein Thema ist die Erneuerung, sein Bestreben ist, den „Verein nach links zu drehen“, alte Zöpfe abzuschneiden, endlich wieder Erfolg zu haben.  Dabei wird der mächtige Boss mitunter auch zum Verschrotter. Auch buchstäblich. Zuletzt entsorgte er etwa den alten Präsidenten-Schreibtisch von Karl-Heinz Wildmoser – „mitsamt dem ganzen Krempel“.

Nun hat sich Mayrhofer, der privat Wittgenstein liest, aber auch die Treuesten der Treuen vorgeknöpft: Die Stammgäste des Löwenstüberls, die bei fast jedem Training vor Ort sind. In der „SZ“ kündigt er an, diese künftig am liebsten vom Trainingsgelände auszusperren!

Mayrhofer plant, das Trainingsgelände so umzubauen, dass man es zunächst zumindest für einzelne Trainingseinheiten absperren kann, der Eingang zum Löwenstüberl könnte dafür auf die Straße vor das Gelände verlegt werden.

„Es geht einfach nicht, dass hier permanent Leute überall rumschnüffeln. Unten reingehen, Bilder machen, zuhören, und das überall“, so Mayrhofer, der die Zaungäste auch „sogenannte Fans“ nennt. „Die Spieler werden ja wahnsinnig. Die trainieren, und die Leute stehen mit dem Weißbier in der Hand daneben und beschimpfen sie“, sagt er noch. Harte Worte.

Nun ist Mayrhofer selbst einem Weißbier hin und wieder nicht abgeneigt, bezeichnet den Gerstensaft als „mein letztes Laster“. Doch bei 1860 hat er die Zaungäste als Mit-Grund des Übels ausgemacht. „Das ganze Konstrukt um den TSV 1860 – seine Medienlandschaft und die sogenannten Fans außenrum – hat das Potential, Menschen zu zerstören. Davon bin ich inzwischen überzeugt“, so Mayrhofer in der „SZ“.

Klar, dass Mayrhofers Äußerungen am Donnerstag Gesrpächsthema Nummer 1 waren im und ums Stüberl. „Die Fannähe ist ein Markenzeichen von 1860. Er will von den Problemen in der Geschäftsstelle ablenken, die Schuld wird bei den Fans gesucht“, sagte Georg Keller, einer der Stammgäste. „Das ist ein unsinniges Thema, eine Katastrophe. Sechzig ist wegen der Fannähe groß geworden“, grantelte Franz Gosslar. Der „Sechzger-Rudi“ meinte gar: „Er führt sich auf wie ein König und hat eine Meinung wie ein Hartz-4-Empfänger. Ihm fällt wohl kein anderes Thema mehr ein, er soll sich erstmal um den Verein kümmern.“ Löwenstüberl-Pächterin Christl Estermann dagegen wollte nicht mal  das  Schafkopfen unterbrechen, schüttelte nur noch den Kopf.

Trainer Friedhelm Funkel gab am Nachmittag zu, auch schon mal über sporadische Geheimtrainings nachgedacht zu haben. „Hin und wieder kann man das machen“, sagte er. Aber aus sportlichen Gründen: „Es ist nunmal so, dass viele Scouts hier sind, die unser Training beobachten und man auch mal was im Geheimen einstudieren möchte“, sagte er. Doch die Zaungäste würden ihn nicht wirklich stören. „Es ist nur ganz selten vorgekommen, dass mal ein böses Wort kam. Aber das war nie schlimm hier“, sagte der Trainer. „Das wäüre nie der Hauptgrund“.

Mayrhofer sieht das anders. Er scheint  keine Angst mehr davor zu haben, sich unbeliebt zu machen. „Wenn wir mal zehn Spiele hintereinander gewinnen würden, würden wir manche Menschen in eine Sinnkrise stürzen“, sagt er noch. Nun denn.

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