Markus Rejek im Interview: Die Arena-Wahrheit

Löwen-Geschäftsführer Markus Rejek spricht exklusiv in der AZ über die Stadionproblematik, den Wettbewerbsnachteil, der daraus entsteht – und wie man das Vertrauen von Investor Ismaik gewinnen will.
| Marc Merten
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1860-Geschätsführer Rejek versucht aus dem TSV 1860 wieder eine lohnenswerte Marke zu machen.
sampics/Augenklick 1860-Geschätsführer Rejek versucht aus dem TSV 1860 wieder eine lohnenswerte Marke zu machen.

AZ: Herr Rejek, Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat jüngst erklärt, der TSV 1860 zahle pro Jahr nur 1,5 Millionen Euro Stadionmiete. Warum heißt es dann trotzdem noch immer, die Allianz Arena sei der Grund allen finanziellen Übels bei den Löwen?

MARKUS REJEK: Generell werden wir Vertragsinhalte nicht öffentlich kommentieren. Aber klar ist, dass die Kosten der Allianz Arena nicht nur die Summe umfassen, die wir an den FC Bayern entrichten. Es fallen darüber hinaus noch weitere höhere Kostenpositionen an, zum Beispiel für das Catering. Die Kosten alleine sind aber nicht das Problem.

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Sondern?

Man muss es unter eine saubere, betriebswirtschaftliche Betrachtung stellen. Uns fehlen die Erlöse aus Namensrechten, Logen, Catering, Lieferrechten und so weiter. Daraus ergibt sich ein strukturelles Defizit. Im Vergleich zu Liga-Konkurrenten, die ähnliche Stadionkosten haben, haben wir einen klaren Wettbewerbsnachteil, weil wir im Gegensatz zu unserer Konkurrenz nicht über diese Erlöse verfügen können.

Die Gesamtausgaben inklusive Catering sollen sich zwischen vier und fünf Millionen bewegen. Wie hoch sind die zusätzlichen Einnahme-Ausfälle?

Diese Summe will ich nicht kommentieren. Die Frage, wie viel Geld uns durch die Lappen geht, ist eine Milchmädchenrechnung. Erstens, weil wir in einem Stadion für 75 000 Zuschauer spielen und diese Größe von uns nicht gebraucht wird. Zweitens ist jedes Stadion anders. Von den Logen über die Business-Seats bis zum Catering. Da gibt es keine seriöse Alternativ-Kalkulation, sodass ich sagen könnte: Dieser Betrag fehlt uns Jahr für Jahr.

Auch keine Alternativ-Kalkulation mit eigenem Stadion?

Ich möchte diese ganze Stadiondiskussion zum jetzigen Zeitpunkt beenden. In unserer aktuellen Situation führt sie zu absolut nichts. Für den TSV 1860 zählt nur, dass wir in der Liga bleiben.

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Da könnte gerade die Liga geholfen haben. Der VfR Aalen hat wegen Verstößen gegen Lizenzauflagen zwei Punkte abgezogen bekommen.

Das ist den Löwen in ihrer Geschichte auch schon passiert. Deswegen gibt es von uns keine Schadenfreude. Dass es uns hilft, wenn ein Konkurrent zwei Punkte weniger hat, ist doch klar. Aber, wie gesagt, wir sind da selbst ein gebranntes Kind. Wir wollen unser Ziel aus eigener Kraft erreichen.

Droht den Löwen Ähnliches?

So ein Szenario droht uns nicht. Wir haben die Auflagen erfüllt.

Und für 2014/15 gibt es auch keine Deckungslücke?

Nein. Unsere Saison ist durchfinanziert.

Kürzlich war zu hören, die Lizenzierung für die neue Saison sei bereits durch...

Das ist definitiv nicht korrekt. Die DFL hat gerade erst mit der Prüfung der 36 Erst- und Zweitliga-Vereine angefangen. Vor Mitte April wäre es vermessen, mit einer Rückmeldung zu rechnen.

Durchfinanziert ist die aktuelle Saison auch, weil Investor Hasan Ismaik einmal mehr mehrere Millionen Euro beigesteuert hat. Warum kann sich 1860 nicht selbst finanzieren?

Weil die Vertragsstruktur des TSV 1860 mit Altlasten so aufgebaut ist, wie sie ist. Mit Kosten, die wir nur dann selbst decken können, wenn wir über sportlichen Erfolg Sondereffekte einfahren, etwa, wenn wir im DFB-Pokal weit kommen. Wir versuchen natürlich, unsere Kostenseite zu schrumpfen, aber das ist nur bis zu einem gewissen Maße gesund. Gehst du zu radikal an den Kader, ist das nicht gut für den sportlichen Erfolg. Das ist die Voraussetzung, um irgendwann gesund in der Zweiten Liga zu wirtschaften.

Sie sprechen den Lizenzspieler-Etat an. Wo liegt der im Liga-Vergleich?

Im Mittelfeld.

Kann nicht Hasan Ismaik helfen? Oder, ums mit Präsident Gerhard Mayrhofers Worten zu sagen: „Wofür hat man denn einen Investor?“

Die Aussage von Gerhard Mayrhofer ist aus dem Zusammenhang gerissen worden. Aber davon abgesehen: Die Löwen-Familie muss Hasan Ismaik dankbar sein. Ohne ihn wäre es für 1860 nicht möglich, Zweite Liga zu spielen. Das ist Fakt. Dass es immer die Möglichkeit gibt, mehr zu investieren, ist klar. Hertha BSC oder Köln sind mit Kadern aufgestiegen, die knapp 20 Millionen gekostet haben. Aber man muss Hasan Ismaiks Investment auch im Kontext seiner Historie bei 1860 bewerten.

Das heißt?

Sein Einstieg ist, vorsichtig gesagt, nicht gerade glücklich verlaufen. Trotzdem war er immer da und hat gesagt: Ich helfe. Das muss man ihm sehr hoch anrechnen. Da hätten andere Investoren sich vielleicht anders verhalten. Das erklärt, dass er jetzt nicht einfach Geld raushaut, sondern schaut, wie sich die Dinge entwickeln. Er braucht Vertrauen. Und der Verein ist aufgerufen, Resultate zu liefern, nicht nur sportlich, sondern auch strukturell. Wir sind auf einem guten Weg, haben aber keinen Zauberstab.

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