Löwe Rösler: „Am Gewicht liegt’s nicht“

"Ich lag fassungslos im Bett und wusste nicht mehr weiter. Das war wie ein schlimmer Traum. Du wachst nachts auf – und bist schweißgebadet." Sascha Rösler, der 1860-Neuzugang über seine Krise, Depressionen und den Kampf um die Topform.
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Will 1860 noch im Liga-Endspurt helfen: Sascha Rösler.
Rauchensteiner/Augenklick Will 1860 noch im Liga-Endspurt helfen: Sascha Rösler.

"Ich lag fassungslos im Bett und wusste nicht mehr weiter. Das war wie ein schlimmer Traum. Du wachst nachts auf – und bist schweißgebadet." Sascha Rösler, der 1860-Neuzugang über seine Krise, Depressionen und den Kampf um die Topform.

AZ: Herr Rösler, haben Sie Übergewicht?

SASCHA RÖSLER: Übergewicht, ich?

Ja, Sie wirken auf dem Platz bislang so schwerfällig...

(lacht) Ich habe derzeit 83 Kilo – zwei Kilo weniger als auf meiner 1860-Autogrammkarte stehen. Und ich fühle mich sehr wohl damit. In Gladbach, als wir aufgestiegen sind, hatte ich 85 Kilo. Da war ich schwerer als heute. An meinem Gewicht liegt’s nicht, dass es nicht richtig klappt.

An was dann?y

Das ist eine Kopfsache. Ich bin in Gladbach von einem auf den anderen Tag rausgemobbt worden. Es haben sich Leute von mir abgewandt, die mir zwei Monate vorher beim Aufstieg noch ins Gesicht gelacht haben. Das war eine menschliche Enttäuschung. Aber so ist der Fußball heute wohl.

Aber Sie sind Profi und werden anständig bezahlt.

Ja, klar, aber ich bin auch nur ein Mensch. Hans Meyer kam nach einer Woche zu mir, sagte: „Sascha, du bist ein sehr guter Zweitligaspieler, und auch ein guter Erstligaspieler – aber nicht bei mir.“ Wenn so mit dir umgegangen wird, dann zweifelst du in erster Linie mal an dir selbst.

Wie hat sich das bemerkbar gemacht?

Ich war vom Kopf raus aus dem Fußballgeschäft, hatte keine Ziele mehr. Ich habe mich daheim vergraben, war depressiv, unaustehlich. Ich lag fassungslos im Bett und wusste nicht mehr weiter. Das war wie ein schlimmer Traum. Du wachst nachts auf – und bist schweißgebadet.

Die Löwen-Fans allerdings haben große Hoffnungen mit Ihrer Rückkehr zum TSV 1860 verknüpft.

Ich musste bei 1860 wieder bei Null anfangen, das wusste auch Marco Kurz. Mir ist aber klar, dass die Fans enttäuscht sind, ich bin es ja auch von mir. Das ist das Fiese am Fußball. Ich weiß selbst, dass ich schlecht spiele, aber diese Situation habe ich schon x-Mal durchlebt. Ob in Fürth oder Aachen. Deswegen weiß ich ja, dass ich aus diesem Loch wieder rauskomme – und die Fans sich bald wieder über mich freuen.

Sie können also noch so richtig beißen? Sie werden um den Anschluss kämpfen?

Ich habe oft genug gezeigt, dass ich ein Kämpfertyp bin. Ich liebe Fußball, ich bin nicht nach München gekommen, um die Füße hochzulegen. Ich will 1860 helfen, um aufzusteigen. Wäre ich satt, hätte ich in Gladbach bei den Amateuren bleiben und mich nur am Kontoauszug erfreuen können. Nein, das bin nicht ich.

Aber sogar Trainer Uwe Wolf hat Bedenken – und will Ihnen wegen fehlender Fitness Sonderschichten verpassen.

Ja, das machen wir in der länderspielfreien Woche. Ich habe schnell gemerkt, dass ich Riesendefizite habe – und mein Körper hat in den letzten Wochen auch immer wieder rebelliert. Aber jetzt fühle ich mich gut.

Möglicherweise kriegen Sie am Sonntag in Fürth (14 Uhr) noch mal eine Chance in der Startelf: Kann 1860 nochmal eingreifen im Aufstiegskampf?

Möglich ist in dieser Liga alles. Mit Uwe Wolf sowieso, sonst hätten wir auch nicht aus den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt.

Und es scheint so, dass Ihr Ex-Klub, Greuther Fürth, auch in dieser Saison wieder den Aufstieg verspielt: Zuletzt gab es ein 1:5 in Osanbrück...

Auf Fürth liegt ein Fluch. Die sind jedes Jahr oben dabei – aber es reicht nie. Das war auch ein Grund, warum ich damals weg bin. Fürth ist vom Umfeld nicht so attraktiv. Ich mag den Rummel – 1860 passt da besser zu mir.

Interview: Oliver Griss

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