Jan Mauersberger: "Ich nenne es das Wunder von Giesing"

Das AZ-Interview mit dem Nichtabstiegshelden: Hier spricht Löwen-Verteidiger Jan Mauersberger über sein erlösendes Tor, seine Rückkehr nach München, seine Lieblingsorte und die Stadionfrage.
| Patrick Mayer
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Jan Mauersberger (l) erzielte den wichtigen Treffer beim 1:0-Sieg gegen Paderborn und sicherte damit den Klassenerhalt.
sampics/augenklick Jan Mauersberger (l) erzielte den wichtigen Treffer beim 1:0-Sieg gegen Paderborn und sicherte damit den Klassenerhalt.

Der 30-Jährige Mauersberger stammt aus München. Nach seiner Ausbildung beim FC Bayern spielte der Innenverteidiger für Fürth, Osnabrück und Karlsruhe. Seit der Winterpause ist er bei 1860, sein Vertrag läuft bis 2018.

AZ: Herr Mauersberger, Sie sind nach dem Training mit Sascha Mölders zusammengesessen, haben Späße gemacht. Ein Zweikampf gegen ihn dürfte weniger spaßig sein oder?
JAN MAUERSBERGER: Er ist auf jeden Fall einer der robusten Stürmer, da muss man dagegenhalten. Er ist keiner, der wahnsinnig viele Haken macht. Bei Sascha muss man aber immer aufpassen, dass er nicht frei zum Schuss kommt.

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Mölders hat für zwei Jahre verlängert.
Er hat vom ersten Tag an mit seiner Leidenschaft und seinem Engagement Spieler mitgezogen, bei denen es vielleicht mal nicht so lief. Als Mensch tut er der Mannschaft und dem Verein sehr gut. Er bringt die Tugenden mit, für die Sechzig immer stand, das Rennen und das Kämpfen.

Sie haben sich nach dem Tor gegen Paderborn auf das Löwen-Emblem geklopft. Ein Zeichen der Dankbarkeit, dass Sie nach ihrer Zeit in Karlsruhe diese Chance in Ihrer Heimatstadt bekommen haben?
Ich bin keiner, der das Wappen küsst, aber klar, ich bin Münchner. Das ist für mich ein absoluter Glücksgriff, dass ich im Januar hierher wechseln und meinen Beitrag leisten durfte. In einem Moment wie besagtem Tor sind die Emotionen einfach riesig.

Sie kennen die Mentalität bestens, die Eigenheiten dieser Stadt. Nehmen Sie dieses Bewusstsein mit auf den Platz, für München Fußball zu spielen?
Man sollte rational bleiben, aber ich als Münchner kann das nie komplett ausblenden. In meinem Freundeskreis gibt es viele Sechzger, da möchte ich mir keine Blöße geben, mir nachsagen lassen, warum ich ein Tor verschuldet habe (lacht). Das ist ein Ansporn.

Vor dem Hintergrund des Wechsels von Mats Hummels von Borussia Dortmund zum FC Bayern wird viel über Verbundenheit und Identifikation gesprochen. Werden diese Werte im Fußballgeschäft überhöht?
Ich kann nur für mich sprechen. Ich habe eineinhalb Jahre in Osnabrück gespielt. Da habe ich mich im Umfeld und in der Stadt überhaupt nicht wohl gefühlt. Damals habe ich sechseinhalb Stunden nach Hause gebraucht, konnte kaum nach München fahren. Karlsruhe war die ideale Zwischenlösung, von dort sind es nur zweieinhalb Stunden nach München.

Wohin gehen Sie, um runter zu kommen?
Ich gehe unheimlich gerne Golfen. Da bin ich zwei bis vier Stunden mit meinem Mitspieler alleine und kann abschalten. Und der Starnberger See. Da bin ich sehr, sehr gerne. Der See war immer mein Zufluchtsort, auch all die Jahre zuvor.

Für viele Sechzger-Fans ist das Grünwalder ein solcher Ort. Wie denken Sie über die Stadionfrage?
Es ist ein wichtiger Bestandteil der Vereinsgeschichte. Ich habe dort meine ersten Profispiele gespielt. Aber die Allianz Arena bietet für uns Fußballer sensationelle Bedingungen. Sie hat den mit Abstand besten Platz in Deutschland. Wir müssen es als Mannschaft schaffen, dass wir die Fans für die Arena zurückgewinnen. Vor 54 000 Zuschauern, wie am Wochenende, macht es richtig Spaß.

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Nach dem Sieg gegen Paderborn schrieb Investor Hasan Ismaik bei Facebook davon, dass die Löwen ihr Revier verteidigt hätten. Die Sekunden nach Ihrem Tor – wie haben Sie diese erlebt?
Du denkst nicht daran, dass du den möglicherweise entscheidenden Treffer geschossen hast. Im Nachhinein ist es natürlich das, wovon du als kleiner Junge träumst, dass du richtig stehst. Im Spiel bin ich einer, der den Schulterschluss mit den Fans sucht. Der Erste, den ich umarmt habe, war ein Fahnenschwenker hinter der Bande.

Und der Schlusspfiff?
Ich bin als erstes zu Tego (Stefan Ortega, d. Red.) gerannt. Es überwogen aber die Erleichterung und die Müdigkeit, nicht die Ekstase. Diese Erfahrung muss jeder für sich selber verarbeiten. Ich habe es das „Wunder von Giesing“ genannt.

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