Interview mit Guido Buchwald über TSV 1860 München und VfB Stuttgart

Vor dem Spiel der Löwen gegen den VfB spricht Guido Buchwald über die beiden Vereine und sagt: "Was Sechzig macht, ist ein Wagnis."
| P. Mayer
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Pleite für 1860: Das Hinspiel in Stuttgart gewinnt der VfB mit 2:1.
sampics/Augenklick Pleite für 1860: Das Hinspiel in Stuttgart gewinnt der VfB mit 2:1.

München - Guido Buchwald spielte in Stuttgart für die Kickers und den VfB und wechselte später nach Japan. Mittlerweile arbeitet der Weltmeister von 1990 beim VfB als Scout und Mitarbeiter für Internationalisierung.

AZ: Herr Buchwald, können Sie sich an Ihr letztes Spiel gegen 1860 erinnern?
GUIDO BUCHWALD: Das war noch zu meiner Zeit als Trainer bei Alemannia Aachen.

Korrekt, in der Hinrunde der Saison 2007/08. Die Löwen wollten damals aufsteigen, und sie wollen es bis heute.
Im letzten Jahrzehnt ist aber einiges schiefgelaufen: Unruhe, finanzielle Unzulänglichkeiten, es war keine Führung da, die Stärke und Ruhe ausgestrahlt hat. Dabei ist das sehr wichtig bei einem Traditionsklub. Deswegen steht 1860 jetzt im biederen Mittelfeld der 2. Liga. Aber: In den letzten Wochen war die Tendenz zu sehen, dass die Mannschaft unter dem neuen Trainer Vitor Pereira gefestigter ist.

In Aachen wurden Sie kurz darauf entlassen. Auch beim VfB Stuttgart und bei den Sechzgern herrschte lange Aktionismus.
Beim VfB hatten wir bis zur Wahl Wolfgang Dietrichs zum Präsidenten eine unheimliche Unruhe in der Führung. Das färbte auf die Mannschaft ab. Wenn oben keine starke Hand ist, kann ein Traditionsklub wie der VfB mit über 50 000 Mitgliedern nicht erfolgreich sein.

Sie sprechen viel von Tradition. Muss man bei beiden Vereinen nicht auch von getrübter Selbstwahrnehmung reden?
Die Tradition ist eine Bürde, aber auch eine große Stärke eines Vereins. Es sind so viele Emotionen da, gerne wird an die Erfolge erinnert. Man muss die Tradition beibehalten, aber gleichzeitig in die Zukunft gehen.

"Sechzig hat sich abhängig gemacht"

Es gibt weitere Parallelen zwischen München-Giesing und Stuttgart-Bad Cannstatt. Bei Sechzig ist mit Hasan Ismaik ein Investor am Werk, der VfB plant die Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG.
Beim VfB geht es um 24,9 Prozent, damit der Verein und seine Mitglieder nach wie vor das volle Sagen haben. Ohne sie kann die AG nicht handeln. So muss es auch sein, das ist der Unterschied zu 1860. Und: Beim VfB will Mercedes in einem ersten Schritt einsteigen. Stuttgart ist auch das Zuhause von Mercedes-Benz.

Die Werkszentrale und die Trainingsplätze des VfB trennt ein Kreisverkehr. Bei 1860 bestimmt ein Milliardär aus Jordanien das Tagesgeschäft.
Ich finde bedenklich, wie er eingreift. Sechzig hat sich abhängig gemacht. Ich glaube nicht, dass das gut ist. Wenn du als Einzelner schlechte Entscheidungen triffst, leidet der ganze Verein. Die Kontrolle fehlt.

Sechzig hat unter Hasan Ismaik zuerst einen portugiesischen Toptrainer, jetzt mit Ian Ayre einen englischen Star-Manager verpflichtet. Ist das der Weg?
Ich glaube nicht, dass ein Manager aus Liverpool und ein Trainer aus Portugal alleine wissen, wie der Fußball funktioniert. Oder wie 1860 funktioniert. Was Sechzig macht, ist ein Wagnis.

Zum Spiel: Zuletzt lief es nicht für den VfB, die Defensive macht Sorgen. Sechzig wiederum hat in Amilton und Aigner gefährliche Tempofußballer.
Wir können auch diese Spieler in Schach halten. Es geht darum, einander in der Abwehr zu helfen. Da muss der VfB ansetzen, konzentriert zu stehen, zu doppeln, die schnellen Spieler zu stellen, damit sie gar nicht ins Tempo kommen.

10 000 Fans sollen mit nach München reisen. Sowohl in Stuttgart als auch in Giesing herrscht Unmut wegen der frühen Spielansetzung.
Das ist unglücklich. Wegen der TV-Übertragungen kann die DFL die Spiele nicht anders terminieren. Dabei müsste man die Spiele fanfreundlicher ansetzen. Für Vereine wie den VfB und 1860 heißt es deshalb umso mehr, dass sie in die Bundesliga müssen. Da gibt es dieses Thema nicht. Man kann nicht erwarten, dass die Fans einen halben Tag Urlaub nehmen, um pünktlich zu einem Spiel zu kommen.

Lesen Sie auch: Gegen den VfB kommen Zehntausende

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