In Löwen-Schritten

Den Saisonstart hat Trainer Maurer mit seiner Mannschaft halbwegs schadlos überstanden. Beim TSV 1860 zeichnen sich neue Stärken ab, allerdings auch Negativ-Trends. Eine AZ-Analyse:
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Die Löwen feiern gemeinsam mit ihren Fans den Derby-Sieg in Augsburg. Der Zusammenhalt unter den Blauen soll noch größer werden. Als Vorbild dient ihnen der FC St. Pauli, der in der vergangenen Saison aufgestiegen ist.
Philippe Ruiz Die Löwen feiern gemeinsam mit ihren Fans den Derby-Sieg in Augsburg. Der Zusammenhalt unter den Blauen soll noch größer werden. Als Vorbild dient ihnen der FC St. Pauli, der in der vergangenen Saison aufgestiegen ist.

Den Saisonstart hat Trainer Maurer mit seiner Mannschaft halbwegs schadlos überstanden. Beim TSV 1860 zeichnen sich neue Stärken ab, allerdings auch Negativ-Trends. Eine AZ-Analyse:

MÜNCHEN Die Zeit des Schulterklopfens ist vorbei. Der TSV 1860 hat einen ordentlichen Start erwischt in die Zweitligasaison. Zehn Punkte sind nach dem schwierigen Start eine gute Ausbeute, es wurde gefeiert, doch der Auftakt bietet noch keinen Grund zur Glückseligkeit. Zwar sind die Blauen (sportlich) auf einem ordentlichen Weg, es geht in Löwen-Schritten voran. Doch sie plagen sich auch mit Problemen herum. Die AZ zeigt, was bislang stimmt und wo es hakt.

Starker Teamgeist:

Nach beiden Toren in Augsburg wurde das Kollektivgefühl sichtbar: Alle Spieler warfen sich zur Jubeltraube auf den Torschützen. Da wurden sogar Küsschen verteilt. Und später fielen sich alle kreuz und quer in die Arme. Sogar Jüngling Moritz Leitner (17), der wegen einer Oberschenkelprellung kaum laufen konnte, hüpfte aufs Feld.

Hinterher ging's noch zum Feiern auf die Wiesn. Selbst Reservist Kai Bülow, eher unterkühltes Nordlicht, war dabei. Und zuletzt hatte Daniel Halfar erwähnt, wie wichtig Teamgeist sei: „Unser Vorbild ist dabei ist St. Pauli". Der Hamburger Verein stieg vorige Saison auf.

Eingespielte Formation:

Was Anfang der Saison nicht klappte, findet nun allmählich zusammen. „Wir haben langsam die richtige Formation entdeckt“, sagt Abwehrspieler Stefan Bell. „Ich denke, das ist der Grund, wieso es besser läuft". Zuletzt trat 1860 drei Mal mit der gleichen Abwehrkette an, das Sturmduo Rakic/Lauth (zusammen sechs Tore) fing immer gemeinsam an. Kapitän Daniel Bierofka bestätigt: „Wenn man Erfolg haben will, hilft es, eingespielt zu sein."

Effektive Standards:

Weil sich die Löwen gerne an den Leistungen des 1. FC Kaiserslautern aus der Vorsaison orientieren, nehmen sie auch deren damalige Stärke bei Freistößen und Eckbällen zum Vorbild. Bislang mit Erfolg. Sechs der zehn Tore fielen nach Standards, darunter jene in Düsseldorf und Augsburg (jeweils 2:1). Auch im Spiel gegen Aue hatte Stefan Aigner nach einem Freistoß die Riesenchance zum Siegtreffer. „Man kann dabei mehr rausholen, als man denkt", sagt Bierofka, neben Benny Lauth einer der beiden Eckballschützen.

Unzufriedene Reservisten:

Klar, die Löwen haben Qualität. „Da wir keinen Spieler mehr vor Transferschluss verkauft haben, freuen wir uns jetzt über einen guten Kader“, sagt Geschäftsführer Dr. Robert Niemann. Doch der bringt auch Probleme mit sich. Weil Trainer Reiner Maurer eine feste Formation anstrebt, leiden einige Reservisten darunter. Allen voran Alex Ludwig, der beste Voraussetzungen hat, aber dessen Lieblingsposition als Zehner in Maurers taktischen Vorstellungen kaum auftaucht. Auch von Savio, der schon vier Mal nicht im Kader stand, haben sich die Löwen viel mehr erhofft. Derzeit ist er auf dem linken Flügel nur die Nummer drei hinter Bierofka und Halfar; Letzterer gilt zwar mit als Trainingsfleißigster, muss aber auf Ausfälle hoffen, um spielen zu dürfen.

Gewagte Experimente:

Eigentlich war für Florin Lovin eine Führungsrolle vorgesehen, nachdem er nach drei Spielen auf der Bank zwei Mal von Beginn an hatte spielen dürfen, musste er zuletzt wieder für Leitner Platz machen. „Auch Florin muss sich dem Gesamterfolg unterordnen“, sagt Sportdirektor Miki Stevic. „Es wird immer Härtefälle und unzufriedene Spieler geben. Damit müssen wir leben."

Auch Dominik Stahl, der die ersten drei Partien fast komplett durchgespielt hatte, wurde zuletzt nicht berücksichtigt. Ebenfalls auffällig: Neuling Juan Barros spielte wenige Tage nach seinem Wechsel beim 1:2 in Duisburg von Anfang an, tauchte seither im Kader nicht mehr auf.

Mangelnde Cleverness:

Will 1860 weiter nach oben in der Liga, muss das Team ruhiger und abgezockter auftreten. Sowohl in Düsseldorf als auch in Augsburg wurden nach der Führung Konterchancen vermasselt, „dadurch haben wir uns das Leben unnötig schwergemacht", sagte Bierofka. „Wir müssen lernen, den Sack zuzumachen und zielstrebiger auf das entscheidende Tor zu spielen." Außerdem bringen sie sich hinten durch riskantes Spiel und teils mangelnde Konsequenz häufig selbst in Bedrängnis. So gab Bell offen zu: „Ich lasse mich noch zu oft tunneln, das muss ich ändern."

Marco Plein

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