Herr Kreuzer, was haben Sie von Uli Hoeneß gelernt?

Oliver Kreuzer, Sportchef des TV 1860, spricht im AZ-Interview über die Löwen als Chaos-Verein, die blauen Dauer-Themen Stadion-Frage und Investor-Verhältnis - und den Macher seines Ex-Vereins FC Bayern.
| Matthias Eicher, Sebastian Raviol
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Sportchef Oliver Kreuzer besuchte am Mittwoch die Redaktion der Abendzeitung und sprach im Interview über seinen neuen Verein, den TSV 1860.
ME Sportchef Oliver Kreuzer besuchte am Mittwoch die Redaktion der Abendzeitung und sprach im Interview über seinen neuen Verein, den TSV 1860.

AZ: Herr Kreuzer, der Trainerwechsel und Ihre Verpflichtung beim TSV 1860 haben Wirkung gezeigt. Wie erleichtert sind Sie?

OLIVER KREUZER: Vier Punkte in zwei Spielen – das war optimal und für den Verein enorm wichtig. Es war natürlich super, dass wir die Siegesserie gegen St. Pauli fortsetzen konnten.

Man könnte fast meinen, es hätte in den vergangenen Monaten kein Löwen-Chaos gegeben.

So war eben die Wahrnehmung des Klubs in den Medien: Ständig bad news von Sechzig. Dazu die schlechten Resultate. Man hat sich immer gefragt: Was ist denn da schon wieder los?

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Was wäre aus Ihrer Sicht vermeidbar gewesen?

Der späte Klassenerhalt, die problematische Vertragsverlängerung mit Torsten Fröhling, die Personalie Gerhard Poschner, viele Verletzte – alles Dinge, die nicht spurlos am Team vorüber gingen. Man kann keine Top-Leistungen einfordern, wenn es an allen Ecken und Enden rumort. Aber: Ich nehme den Verein ganz anders wahr, seit ich hier bin. Entscheidend ist die innere Geschlossenheit. Diesen Weg müssen wir weitergehen.

Sie haben die Außendarstellung ja beschrieben: Mussten Sie lange überlegen, als die Anfrage der Löwen kam?

Nullkommanull. Im Gegenteil: Es gibt wenige, richtig interessante Aufgaben in Deutschland. 1860 ist eine geile Aufgabe, ein Traditionsverein, davon gibt es nur ganz wenige. Ein Verein mit einer Strahlkraft, die über München hinaus interessiert und polarisiert.

Nun haben Sie den Turnaround geschafft, sagten kürzlich schon, die Lage sei „nicht prekär“. Ist das nicht zu optimistisch?

Der Zeitpunkt ist noch zu früh, um die Dinge zu dramatisieren. Man ist schlecht in die Saison gestartet. Jetzt haben wir den Sprung auf den Relegationsplatz geschafft. Es sind aber noch 57 Punkte zu vergeben. Klar darf man nicht sagen: Es wird schon alles gut. Sonst schrillen im März die Alarmglocken, wenn die Spiele weniger werden.

Raum für die Formulierung großer Ziele bleibt dabei nicht.

Es gibt immer Leute, die irgendwo neu anfangen und ihre Drei-, Vierjahrespläne präsentieren. Diese Saison Platz acht bis zwölf, dann verstärken wir uns und im dritten Jahr steigen wir auf. Meine Erfahrung? So läuft es nicht. Fußball ist Tagesgeschäft. Du planst mit einem Trainer, und am Ende des Tages ist er nicht mehr da und das Konzept in der Tonne. Ich habe auch Visionen in meinem Kopf, nur: In der Realität gehören die Löwen schon länger nicht mehr zu den oberen Teams in Liga zwei. Daher kann es nur heißen: Klassenerhalt.

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Um den zu erreichen, sollen Verstärkungen her. Am Wochenende hat Investor Hasan Ismaik dazu seine Unterstützung zugesagt.

Ich habe ihn kennengelernt: Er war gut gelaunt und smart. Vielleicht hat man in ihm ein neues Feuer entfacht. Seine Botschaft war klar: Er wird uns unterstützen. Wie genau das dann aussehen wird, haben wir noch nicht konkretisiert. Wir haben für uns beschlossen, dass wir die Mannschaft eventuell auf ein, zwei, oder drei Positionen verstärken wollen.

Zu einem neuen Stadion würden Sie aber nicht Nein sagen.

Sind wir ehrlich: Wir sind Mieter in der Allianz Arena. Dieses 70 000-Zuschauer-Stadion assoziiert man mit dem FC Bayern, Champions-League-Abenden, Barcelona, Mailand, Manchester. Wir brauchen eine eigene Löwen-Heimat. Jeder Verein braucht ein eigenes Stadion. Ich wäre froh, wenn wir das mittelfristig hinkriegen würden.

Apropos FC Bayern: Was haben Sie von Uli Hoeneß, einem der Ur-Väter des Erfolgs bei den Roten, gelernt?

Gerechtigkeit, bis aufs Blut für seinen Verein kämpfen, die soziale Komponente nicht vergessen. Es ist ein knallhartes Business, in dem viele unrechte Dinge geschehen, trotzdem muss man sich immer die Menschlichkeit bewahren und glaubwürdig bleiben.

Wäre doch was, wenn Sie ein Hoeneß für die Löwen würden?

Gut, Uli Hoeneß war bestimmt 25 Jahre beim FC Bayern. Wenn ich das hier auch schaffe, unterschreibe ich das sofort (lacht).

In einem roten Trikot wird man Sie künftig nicht mehr sehen.

Bei den Bayern-Allstars? Raimond Aumann (Ex-Torwart des FC Bayern und Verantwortlicher des Allstar-Teams, d. Red.) hat mir angeboten, weiter mitzuspielen, als er mir zum neuen Job gratulierte. Das funktioniert aber nicht. Es sind ja keine Traditionsspiele auf dem Dorf, sondern in Madrid, Mailand, Manchester, auch in Tokio. Aber du kannst nicht als Löwen-Sportchef das rote Trikot tragen. Und meine aktive Zeit ist ja schon lange vorbei.

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