Grosser warnt: "Es fehlt bei 1860 noch an vielem"

Der Meisterlöwe ärgert sich nach dem 2:0 über den Club über die große Euphorie, doch er ist sicher: "Sechzig hat mit Abstieg nichts zu tun".
| Matthias Eicher
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Peter Grosser war der Kapitän der legendären Meisterlöwen.
dpa Peter Grosser war der Kapitän der legendären Meisterlöwen.

München - Peter Grosser war der Kapitän der legendären Meisterlöwen, die 1966 sensationell den Titel für den TSV 1860 holten.

AZ: Herr Grosser, Ihre Sechzger haben einen 2:0-Derbysieg gegen den 1. FC Nürnberg gelandet und waren dabei phasenweise kaum wiederzuerkennen. Die Fans sind regelrecht aus dem Häuschen.
PETER GROSSER: Ich bin es nicht! Die Fans sehen das natürlich nicht so kritisch. Aber Schönreden bringt nix: Es fehlt noch an vielem.

Was da wäre?
In der ersten Halbzeit war es eine Steigerung. Okay. Vor allem vom Einsatz her, von der ersten Minute an ist die Mannschaft Vollgas auf den Gegner drauf. Nach der Pause war ich enttäuscht. Man konnte nicht an die Leistung anknüpfen. Es war nicht so gut, wie alle tun.

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Wo sieht der Meisterlöwen-Kapitän konkreten Verbesserungsbedarf?
Das Zusammenspiel der gesamten Mannschaft birgt noch viel Verbesserungspotenzial. Da muss ein Rad noch viel besser in das andere greifen. Etwa beim Spiel aus der Abwehr: Da wird noch zu oft unnötigerweise zum Torwart zurück- oder ein Fehlpass gespielt. Und in den Strafraum hinein, vor das gegnerische Tor, schaffen wir es noch viel zu selten.

Dabei scheint sich mit dem Brasilianer Amilton ein Akteur hervorzutun, der den Unterschied ausmachen kann. Ihr Fazit über ihn und die weiteren Neuzugänge?
Ich glaube, wir werden von ihm noch tolle Spiele sehen – wobei er mir schon wieder zu sehr hochgejubelt wird. Der Junge hat Potenzial, muss aber noch effektiver werden. Bei Christian Gytkjaer hat mir ganz und gar nicht gefallen, wie er in der Luft hing und oft nur hoch angespielt wurde. Einen solchen Stürmer, der seine Qualitäten schon angedeutet hat, musst du besser einsetzen – sonst schießt er keine Tore.

"Hätte Aigner die Einwechslung erspart"

Die anderen Neu-Sechzger Abdoulaye Ba und Lumor waren es, die das Spiel durch ihre Tore entschieden.
Sie haben gezeigt, dass sie die Qualität der Mannschaft verbessern. Gerade Ba hinten, mit seiner Größe und Abgeklärtheit, ist ein Gewinn.

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Während die Neulöwen unter Pereira eine wichtige Rolle spielen, genießt Stefan Aigner kein gutes Standing: Er kam nur zu einem Kurzeinsatz.
Ich muss sagen: Ich hätte ihm eine so späte Einwechslung erspart, das hätte es nicht gebraucht. Wir alle hoffen, dass er wieder der Alte wird, dann wird der Trainer nicht an ihm vorbeikommen.

Ihr Resümee also trotz der Warnung: Sechzig ist auf einem guten Weg.
Das kann man konstatieren – wenn man am Boden bleibt und der Trainer es schafft, seine Vorstellungen noch besser umzusetzen. Dazu gilt es, verlorenen Kredit zurück zu erspielen.

Inwiefern?
Man hat in den letzten Jahren durch schlechte Leistungen und den andauernden Abstiegskampf viel Fanpotenzial verloren. Auch die Medienpolitik, die jetzt betrieben wird: Das ist doch Käse, mit der Presse auf Kriegsfuß zu stehen, das schadet Sechzig. Man kann nur hoffen, dass in jeder Hinsicht wieder professionell gearbeitet wird. Nur so kann es endlich ruhiger werden. Und dann helfen freilich nur Siege, um sich Stück für Stück zu verbessern.

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"Mit dem Abstieg nichts zu tun"

Wie gut sind die Löwen denn schon, bei sieben Zählern Vorsprung zu gut für das Abstiegskampf-Triple?
Die sieben Punkte, die man angehäuft hat, zähle ich überhaupt nicht. Mit dem Abstieg werden die Löwen nichts zu tun haben. Aber die Ambitionen sind ja ohnehin andere.

Der euphorisierte Löwe rechnet schon: Stand jetzt sind es 13 Zähler Rückstand auf den Aufstiegs-Relegationsplatz. Mit einem Sieg bei Union Berlin könnten es nur noch zehn sein ...
Ich weiß, wie es bei uns ist. Eine passable Leistung, und schon flippen bei 1860 wieder alle aus. Das ist typisch Sechzig. Nach oben geht natürlich nichts mehr. Ich sage: Eins nach dem anderen! Man muss erstmal sehen, die Mannschaft Stück für Stück zu verbessern und sehen, ob man auswärts bei einem starken Gegner bestehen kann. Was nächstes Jahr passiert? Bis dahin wird noch viel Wasser die Isar runter fließen.

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