"Geld vernünftig anlegen - in 1860!"

Start zur AZ-Aktion "Rettet die Löwen!" - Hier erklärt Kabarettist Dieter Hildebrandt, warum er seit über 60 Jahren Fan ist – und wie dem Klub geholfen werden kann.
| Von Dieter Hildebrandt
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Bissig wie eh und je: Dieter Hildebrandt.
Petra Schramek Bissig wie eh und je: Dieter Hildebrandt.

Hier erklärt Kabarettist Dieter Hildebrandt, warum er seit über 60 Jahren Löwen-Fan ist – und wie dem Klub geholfen werden kann.

Ich bin Sechzger, seit ich nach München kam, seit mehr als 60 Jahren und höchst traurig, dass es so weit gekommen ist. Ich weiß nicht, wie tief sie jetzt schon in die Schulden gerutscht sind, aber ich weiß: Die Verursacher sind schon ein bisschen älter.

Als ich nach München kam, waren die Sechziger die Mannschaft, die mir gefallen hat. Das war die berühmte Mannschaft mit Petar Radenkovic – und für mich ist das nach wie vor die größte Zeit im Münchner Fußball, abgesehen von den großen Zeiten der Bayern, klar. Aber das kam erst später. Die Ersten, die aber drin waren in der Bundesliga, das waren die Sechzger. Die Mannschaft kann ich noch auswendig, die kenne ich alle noch. Ich war bei jedem Heimspiel im Grünwalder Stadion, war begeistert von dieser Mannschaft. Die ist in dieser Qualität nie wieder entstanden. Das liegt auch daran, dass Bayern mit der Zeit übermächtig wurde, finanziell und spielerisch. Dann war Sechzig nur noch Zweiter in der Stadt.

Das hatte auch andere Gründe: Die Sechziger wurden von der Politik infiltriert, sind irgendwann in die Hände einer Partei gefallen. Da gab es so ein paar Wirtschaftsexperten, die sich politisch profiliert und auf das Podest der Sechziger gestellt haben – und das hält der Sport auf Dauer nicht aus. Ich meine vor allem die Staatssekretäre Franz Sackmann (Sechzig-Präsident von 1969-74, d. Red.) und Erich Riedl (Sechzig-Präsident von 1974-81, d. Red.). Da ging es schon los, da waren dann die sehr gesunden Bundesliga-Zeiten bald vorbei. Riedl kam, sah und siegte aber nicht, sondern hatte in ganz kurzer Zeit fünf Millionen Mark Schulden gemacht.

Die Geschichte, die jetzt mit Uli Hoeneß und Christian Ude läuft, ist natürlich ein besonderes Meisterstück der Verlogenheit – von Bayern wiederum. Die Bayern könnten selbstverständlich die Löwen retten. Wenn sie auf einen Teil der Schulden verzichten, verzichten vielleicht zwei andere Gläubiger auch – und in diesem Moment würden die Banken sagen: Das hat Zukunft. Und sie würden dann investieren. Insofern liegt eigentlich der Schwarze Peter beim FC Bayern.

Die einzige Hoffnung für Sechzig besteht nun darin, dass es ein Angebot ist für jemanden, der Geld hat – und davon laufen ja hierzulande eine Menge Menschen rum. Es gibt doch sehr viele deutsche Gönner von Fußballvereinen – und 1860 ist derzeit billig zu haben. Die ganze Infrastruktur ist da, die Plätze, die Spieler, die Mannschaft, die Nachwuchsarbeit ist vorzüglich. Ich denke, für 20 Millionen Euro kann man diesen Verein haben!

Ich finde diesen Vorschlag am besten. Wenn das einer macht, sind die Sechziger gerettet. Und dieser Mensch wird in Zukunft obendrein als Heiliger verehrt werden. Es müsste einer sein, der zu den reichsten Deutschen gehört und es sich leisten kann, sich für 20 Millionen so einen Fußballverein zuzulegen. Bevor die Leute ihr Geld woanders hin tun, bevor sie es verlieren und auf den Niedergang von großen Konzernen wetten, sollten sie ihr Geld vielleicht mal vernünftig anlegen – in 1860!

Weil: So viel Geld wie benötigt wird, kann keiner sammeln für Sechzig.

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