Gabor Kiraly - der alte Mann und das Tor

Beim TSV 1860 wurde Gabor Kiraly einst vom Hof gejagt. Mit Ungarn trifft der Keeper mit der legendären Jogginghose nun auf die DFB-Elf – und will dann bei der EM den Matthäus-Rekord brechen.
| Matthias Eicher
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Steht auch am Samstag gegen die DFB-Elf wieder im ungarischen Tor:
Gabor Kiraly.
dpa Steht auch am Samstag gegen die DFB-Elf wieder im ungarischen Tor: Gabor Kiraly.

München - Für die Löwen war er nicht mehr gut genug. Für das größte Fußball-Abenteuer seines Landes seit Jahrzehnten scheint es dagegen noch zu reichen: Gabor Kiraly, 40-jähriger Ex-Torwart des TSV 1860 und im deutschen Fußball absoluter Kult-Keeper, bereitet sich derzeit mit der ungarischen Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft in Frankreich vor. Nächster Stopp: Gelsenkirchen.

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Am Samstag (18 Uhr) trifft der Routinier mit den Magyaren in der Veltins-Arena auf die DFB-Elf. „Am Ende einer langen Vorbereitung liegt eine sehr harte Generalprobe vor uns, wir spielen gegen den Weltmeister“, schreibt Kiraly auf seiner Homepage vor dem Duell mit dem Team von Bundestrainer Joachim Löw.

Kiraly - Kultkeeper mit der grauen Schlabberhose

Der Torhüter mit der legendären, grauen Schlabberhose freue sich auf ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern: „Es steht kein Fremder in der deutschen Mannschaft. Ich habe gegen viele dieser Spieler in meiner Karriere gespielt“, so Kiraly, der Toni Kroos und Julian Weigl nennt.

Mit dem Champions-League-Sieger von Real Madrid kickte er bei Bayer Leverkusen, mit BVB-Newcomer Weigl bei Sechzig. Jetzt trifft Kiraly auf den halb so alten Weigl. Danach geht’s für Ungarn zur ersten EM-Teilnahme seit 1972. „Die Vorfreude ist riesengroß und die Motivation natürlich auch. Mit Ungarn nach 44 Jahren mal wieder bei einer EM dabei zu sein, ist ein ganz besonderes Gefühl“, sagte auch Co-Trainer Andi Möller der AZ. Ihr letztes großes Turnier spielten die Ungarn übrigens bei der WM 1986. In Mexiko scheiterten sie damals in der Vorrunde.

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Der damals zehnjährige Bub Kiraly erinnert sich wohl noch an das Turnier, der jetzt 20 Jahre junge Weigl war damals noch gar nicht in Planung. Der Werdegang des einstigen Löwen-Duos mutet schon kurios an, man denke an einen ihrer letzten Berührungspunkte zurück: Im August 2014 wurde der damalige Kapitän Weigl mit einigen Kollegen vom damaligen Trainer Ricardo Moniz wegen eines nächtlichen Party-Ausfluges suspendiert und in die Reserve abgeschoben.

Abgang einer Identifikationsfigur und des letzten unagefochtenen Stammtorwarts

Auch Kiraly wurde wegen einer Auseinandersetzung mit einem Mitspieler strafversetzt. Im Gegensatz zu Weigl, der nach seiner Begnadigung erst am Saisonende zu Borussia Dortmund wechselte, wurde Kiraly vom Hof gejagt. Trotz seines Daseins als Stammkeeper und obwohl er nach den Abschieden von Benny Lauth und Daniel Bierofka eine der letzten großen Identifikationsfiguren war. Während Weigl beim BVB zum Nationalspieler aufstieg, lässt Kiraly seine Jogginghose nach einem erfolglosen Engagement auf der Insel beim FC Fulham seit Sommer 2015 wieder bei seinem Heimatklub schlabbern, dem ungarischen Erstligisten Haladas Szombathely.

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Die Löwen sind seither auf der Torhüter-Position nicht mehr glücklich geworden: Erst hütete der damalige Neuzugang Stefan Ortega den Kasten, wurde aber unter Moniz-Nachfolger Markus von Ahlen und Torsten Fröhling durch den Dauerlöwen Vitus Eicher ersetzt. Benno Möhlmann rotierte nach einiger Zeit wieder zurück. Ein unangefochtener Stammkeeper, ein Bär wie Kiraly, das ist keiner.

Auf der Jagd nach Matthäus' Rekord

Daher sucht auch Sportchef Oliver Kreuzer derzeit nach einer neuen Nummer eins. Aber zurück zu den deutsch-ungarischen Beziehungen: Sollte Kiraly das Duell mit der DFB-Elf unbeschadet überstehen, greift der Ungar in Frankreich im zarten Alter von 40 Jahren und zwei Monaten bei seinem EM-Debüt nicht nur nach Bällen, sondern auch nach einem Rekord: Kiraly könnte sich zum Abschluss seiner Karriere als ältester bei einer EM eingesetzter Spieler unsterblich machen. Aktuell heißt der übrigens Lothar Matthäus.

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