Fassungslosigkeit nach 1860-Absturz: "Bin gespannt, wie vielen der Löwe jetzt am Herzen liegt"

Das 1860-Desaster sorgt für Ratlosigkeit, Trauer, Wut und Fassungslosigkeit – nicht nur vor Ort in Giesing. Zahlreiche Ex-Löwen melden sich zu Wort, auch die Sport-Bürgermeisterin zeigt sich betroffen.
Matthias Eicher,
Florian Weiß
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Sechzig ist zurück in der Regionalliga – genau in der Spielklasse, aus der Trainer Daniel Bierofka (l.) und Torjäger Sascha Mölders (v. l.) die Löwen in der Saison 2017/18 zurück in den Profifußball holten (Archivbild vom 4. August 2018).
Sechzig ist zurück in der Regionalliga – genau in der Spielklasse, aus der Trainer Daniel Bierofka (l.) und Torjäger Sascha Mölders (v. l.) die Löwen in der Saison 2017/18 zurück in den Profifußball holten (Archivbild vom 4. August 2018). © Frank Hoermann/SVEN SIMON

Am Mittwoch um 17.48 Uhr herrschte endgültig traurige Gewissheit. Die offizielle Pressemitteilung der Löwen mit dem Titel "TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA kann Lizenzbedingungen nicht erfüllen" besiegelte den Absturz von Münchens großer Liebe, wie sich der Klub selbst nennt, in den Amateurfußball.

Dass es tatsächlich zum Giesinger GAU kommen könnte, hatte sich im Laufe des Tages immer mehr abgezeichnet. Nachdem Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik dem BR auf die Frage, ob es Hoffnung für den Klub gebe, am Vormittag zunächst eine "3" geschickt hatte, ließ er im Kontakt mit der AZ um 13.11 Uhr stattdessen ein ratloses, schulterzuckendes Smiley folgen.

Im Laufe des Nachmittags löschte er die "3" wieder – damit hatte sich stimmungsmäßig im Löwen-Kosmos endgültig der Wind gedreht. Um 17.13 Uhr teilte der Jordanier der AZ ebenfalls via WhatsApp mit: "Sad day", also "trauriger Tag.

"Wir sind dran, Lösungen zu suchen und zu finden, wie es hier weitergeht"

"Jetzt stehen wir da wie 2017", sagte 1860-Präsident Gernot Mang einleitend, als er kurz nach 18 Uhr vor die Geschäftsstelle trat, und kam direkt zum Punkt: "Wir haben die Lizenz nicht bekommen. Das heißt, wir werden nächstes Jahr Regionalliga spielen. Wir sind jetzt dran, Lösungen zu suchen und zu finden, wie es hier weitergeht."

Laut Aussagen der Verantwortlichen hätten am Schluss zwei Verträge unterschriftsreife Verträge vorgelegen. "Der eine war akzeptabel für den e.V., der andere war akzeptabel für die HAM. Beide waren akzeptabel für die KGaA", so der Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Bergmaier. Alle drei Parteien konnten sich aber nicht auf einen Vertrag einigen.

Die Reaktionen: Trauer, Wut, Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit. Nicht nur in Giesing selbst, wo rund 150 Fans ausgeharrt hatten, sondern bei jedem, der es mit den Löwen hält. Die am späten Abend vom bisherigen Hauptsponsor "Die Bayerische" verkündete Trennung war da nur noch das Tüpfelchen auf dem i.

"Es ist eine Schande": Ex-Löwen Mölders und Bierofka mit deutlichen Worten

"Bin geschockt", schrieb Sascha Mölders, die legendäre "Wampe von Giesing", am späten Abend auf Instagram und blickt zurück auf den Zwangsabstieg 2017, den er selbst miterlebt hatte: "Ich weiß noch, wie Biero damals vor mir stand und meinte: 'Jetzt kannst du zeigen, dass du Eier hast und bleiben.' Ich bin gespannt, wie vielen der Löwe jetzt am Herzen liegt. Aufgeben ist keine Option. Nie."

Der angesprochene damalige Löwen-Trainer Daniel Bierofka findet ebenso klare Worte beim BR: "Es ist eine Schande. Verantwortungslos. Charakterlos. Von allen Beteiligten. Da kann sich keiner rausnehmen. Allen Leuten, allen Fans gegenüber, die eine Sympathie für diesen Verein haben." Mölders und Bierofka hatten den TSV 1860 in der Saison 2017/18 aus der Regionalliga direkt wieder in den Profifußball gehievt.

Die beiden Aufstiegshelden waren bei weitem nicht die einzigen Ex-Löwen, die sich äußerte. "Bitte Neuanfang ohne Hasan Ismaik, es reicht jetzt, erlöst uns von ihm", schrieb Ex-Trainer Alexander Schmidt bei Instagram und Tim Rieder betonte: "Es tut mir Leid für euch Fans! Ihr seid der Verein."

Berzel poltert: "Hier haben alle Verantwortlichen versagt"

Gehörig aus dem Sattel hob es Aaron Berzel, der mit Mölders in der Saison 2017/18 den direkten Sprung aus der Regionalliga in die Dritte Liga geschafft hatte. Der Absturz tue ihm weh, "doch was mich fast noch mehr beschäftigt als der sportliche und wirtschaftliche Schaden, sind die unmittelbaren Schuldzuweisungen, die jetzt wieder beginnen", schrieb er auf Instagram und meint: "Hier hat nicht eine Seite versagt. Hier haben alle Verantwortlichen versagt." Der 34-Jährige bot dem Klub zugleich seine Hilfe an.

Bei der Stadt blickt man mit Sorge und Trauer nach Giesing. "Die aktuellen Entwicklungen beim TSV 1860 München stimmen mich traurig", sagte Sport-Bürgermeisterin Verena Dietl. "Auch ich habe bis zum Schluss gehofft, dass es eine Einigung gibt und die Löwen auch in der kommenden Saison weiter in der Dritten Liga spielen können. Nun ist es anders gekommen. Als Bürgermeisterin und ganz besonders als Löwen-Fan schmerzt das, man muss es aber akzeptieren."

Ein wirklich mehr als trauriger Tag.

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