Ex-Löwe Böhnlein kann sich bei 1860 "noch ein Nachspiel mit Ismaik" vorstellen
AZ: Herr Böhnlein, die wichtigste Frage zuerst, nachdem Sie sich Anfang Juli im Test gegen den FSV Zwickau einen Achillessehnenriss zugezogen haben: Was macht die Gesundheit?
KRISTIAN BÖHNLEIN: Servus und vielen Dank der Nachfrage, gesundheitlich gehts mir soweit gut. Die OP ist gut verlaufen, der Heilungsverlauf passt – nur die Krücken nerven (lacht)
In den Medien wurde wegen der Kombination Ihres fortgeschrittenen Fußballer-Alters (36) und der schweren Verletzung über ein Karriereende spekuliert. Was sagen Sie selbst dazu?
Ich habe das Thema nicht aufgemacht. Meine Aussage ist klar: Ich will nochmal zurückkommen. Es ist meine erste grobe Verletzung in 20 Jahren. Jetzt muss ich mich sechs Monate rankämpfen, die lange Winterpause kommt mir entgegen. Ob es funktioniert, werden wir sehen, aber ich hege nicht den Gedanken, zu sagen: "Das war’s!"
Schweinfurt gegen 1860: "Vom Namen her wäre das ein würdiges Drittliga-Duell"
Für Ihre Schnüdel war’s ein Tag zum Vergessen, ohne ihren Kapitän den Regionalliga-Auftakt beim TSV Aubstadt zu bestreiten: Es setzte ein 1:5-Debakel.
Da haben wir leider insgesamt einen schwarzen Tag erwischt, zu naiv agiert. Wir haben nach dem Abstieg aus der Dritten Liga eine junge Mannschaft ins Rennen geschickt, wenn dann noch so ein alter Haudegen wegbricht, wird es nicht einfacher. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden. Wir wollen uns stabilisieren und im Mittelfeld landen.
Am Samstag, zum ersten Heimspiel des 1. FC Schweinfurt 05, kommt der große TSV 1860 (14 Uhr im AZ-Liveticker). Als Schweinfurt-Urgestein und Ex-Löwe gehen Sie gewiss bei der These mit, dass das Duell in der falschen Liga stattfindet.
Auf jeden Fall! Bei Sechzig natürlich ein Stück mehr, die haben in der Regionalliga überhaupt nichts verloren. Vom Namen her wäre das ein würdiges Drittliga-Duell.

"Da sind zwischen Investor und Verein auf beiden Seiten immer wieder Fehler begangen worden"
Während die Schnüdel sportlich abgestiegen sind, hat 1860 der Zwangsabstieg ereilt. Wie haben Sie als Löwenfan und Ex-Sechzger dieses Drama verfolgt?
Vor einem Jahr hat Sechzig Kevin Volland, Flo Niederlechner und eine ganze Menge anderer hochklassiger Spieler geholt. Man hatte gedacht: "Jetzt schaffen sie endlich den Aufstieg!" - und dann ging es in die andere Richtung. Bitter! Ich hoffe sehr, dass sich der Verein schnell fängt und wieder in den Profifußball zurückkehrt.
Was sagen Sie dazu, dass der TSV sportlich wie wirtschaftlich massiv Schaden genommen hat?
Es gibt da so ein Sprichwort: "Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende" – so denken bei den Löwen viele über Ismaik. Aber wenn man ehrlich ist, muss man den Finger schon in die Wunde legen: Da sind zwischen Investor und Verein auf beiden Seiten immer wieder Fehler begangen worden. Da ist nicht nur Ismaik gescheitert, sondern eine ganze Menge an Funktionären gleich mit. Profifußball ohne Investor, das geht in der heutigen Zeit fast nicht mehr. Aus der Ferne fragt man sich schon, wie lange es gut gehen kann, dass eine neue Spielbetriebsgesellschaft die Dinge von der alten mietet und ob es noch ein Nachspiel mit Ismaik gibt.
Böhnlein rechnet mit 1860 im Aufstiegskampf
Aufgrund des anscheinend gelingenden Befreiungskampfes von Investor Hasan Ismaik herrscht dennoch eine gewisse Euphorie.
Es ist positiv, wie die Fans jetzt zusammenstehen, auch mit dem Crowdfunding. Die Löwenfans sind einfach treu und verrückt, leidensfähig sowieso (lacht). Aber es ist schon zermürbend, wenn man daran denkt, welche Aufbruchsstimmung vor einem Jahr geherrscht hat. In der Regionalliga ist es auf jeden Fall eine Chance, aus eigener Kraft wieder nach oben zu kommen.

Sprechen wir über den Sport: Sechzig setzt mit Vitus Eicher, Felix Weber, Dennis Dressel, Tunay Deniz und Florian Niederlechner auf eine routinierte Achse und eine Reihe wilder Junglöwen. Sehen Sie den TSV als Aufstiegsfavoriten?
Sie müssen sich erst finden, aber sie haben eine Reihe großer Namen drin, die Qualität haben und die Talente führen können. Die kommen zwar aus der Bayernliga, aber werden bestimmt nicht schlechter sein als die Jungs von Fürth II oder Augsburg II. Ich glaube schon, dass die Löwen vorne mitspielen. Es kommt ihnen natürlich auch zugute, dass manche Mannschaften wie Aubstadt, Wacker Burghausen oder Haching wohl gar nicht aufsteigen können oder wollen. Sie werden schon ein Wörtchen mitreden, aber für den sofortigen Wiederaufstieg muss alles passen – auch in der Relegation.
Wenn Sie die ganzen reaktivierten Ex-Löwen sehen und ein paar Jahre jünger und nicht verletzt wären, hätte es Sie auch in den Füßen gejuckt?
Absolut, da hätte es definitiv gejuckt! Es war für mich eine Ehre, für Sechzig zu spielen, wenn man als Fan für den Verein auflaufen darf, von dem man seit Kindertagen schwärmt. Meine Helden hießen Icke Häßler, Martin Max, später Benny Lauth. Es war ein Traum, für Sechzig zu spielen, auch wenn wir den Aufstieg verpasst haben und ich nicht so viel gespielt habe. Ich drücke den Sechzgern die Daumen, dass sie schnell ins Rollen kommen. Aber noch nicht am Samstag, da bin ich natürlich ein Schnüdel – und sie sollen die drei Punkte schön bei uns lassen!



