„Es müssen größere Lösungen her“

Schneider soll die hoch verschuldeten Löwen in eine bessere Zukunft führen. Das 1:1 gegen Fortuna Düsseldorf bedeutete aber einen weiteren sportlichen Rückschlag.
| SID/dpa
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Dieter Schneider im AZ-Video-Interview
Screenshot AZ Dieter Schneider im AZ-Video-Interview

 

München - Neuer Präsident, alte Probleme: Auf Dieter Schneider wartet bei Fußball-Zweitligist 1860 München jede Menge Arbeit. Vor allem die Sanierung der finanziell schwer angeschlagenen „Löwen“ steht für den 63-Jährigen, der am Montagabend wie erwartet vom Aufsichtsrat einstimmig ins Amt gewählt wurde, im Vordergrund. Die Zeit drängt allerdings: Bis zum 15. März müssen die Lizenzierungs-Unterlagen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgelegt werden – und noch fehlt den seit Jahren klammen Sechzigern ein Investor, der in großem Stil einsteigt.

Es gebe nichts, „was uns erschreckt, aber bis dahin müssen größere Lösungen her“, sagte Schneider angesichts von Verbindlichkeiten in Millionenhöhe. Schon im Januar musste der neue Vereinschef, zu diesem Zeitpunkt noch als 1860-"Vize" tätig, bei der DFL Liquidität in Höhe von 5,3 Millionen Euro nachweisen, um wenigstens die laufende Saison zu retten. Die Sanierung sei wegen der „furchtbaren Bilanz“ eine „Drecksarbeit“ und werde „mindestens drei Jahre dauern“, hatte er schon im November bei der Delegiertenversammlung betont. „Wir wollen den Verein finanziell auf stabile Beine stellen“, sagte Schneider am Montag noch einmal, „aber wir wollen auch die sportlichen Ziele nicht aus den Augen verlieren“.

Doch kaum hatte er dies erklärt, gab es sportlich den ersten Rückschlag seiner Amtszeit. Gegen Fortuna Düsseldorf kamen die „Löwen“ nach Führung durch Kai Bülow (13.) nicht über ein enttäuschendes 1:1 (1:0) hinaus, weil Marcel Gaus (77.) noch ausgleichen konnte. Der erhoffte Aufstieg ist angesichts von zehn Punkten Rückstand auf die ersten drei Plätze endgültig passe. „Sich mit weiter vorne zu beschäftigen, hat mit der Realität nichts zu tun“, sagte Sportdirektor Miroslav Stevic, nachdem die Münchner bereits im vierten Heimspiel in Folge ohne Sieg blieben.

Schneider, seit dem Ende der Ära Wildmoser im März 2004 schon der fünfte Präsident, muss zusammen mit Geschäftsführer Robert Schäfer nun also erneut für die 2. Liga planen. Offen ist dabei die Zukunft von Trainer Reiner Maurer, dessen Vertrag ausläuft, aber auch von Stevic. Schäfer kündigte aber bereits an, dass er für Kontinuität sei. Mit Gehaltskürzungen bei Angestellten und Profis hat der Verein zuletzt bereits begonnen – und sich bei Benjamin Lauth einen ersten Korb geholt.

Der Kapitän lehnte eine vorzeitige Vertragsverlängerung zu reduzierten Bezügen ab. Zudem wurden im Winter einmal mehr durch Spielerverkäufe dringend benötigte Einnahmen generiert. Schon seit Jahren befindet sich der Traditionsverein in einem Teufelskreis: Spieler, die sportlich durchstarten, müssen aus finanziellen Gründen verkauft werden – so wie etwa die Bender-Zwillinge oder Timo Gebhart. Jüngste Beispiele sind die Talente Moritz Leitner, der nach Dortmund verkauft wurde, und Kevin Volland (1899 Hoffenheim). Volland steht aber wenigstens als Leihgabe den „Löwen“ weiter zur Verfügung. Wie groß die Not bei den Sechzigern ist, unterstreicht auch die Tatsache, dass sie auf die Hilfe von Lokalrivale Bayern München angewiesen sind, um nicht unterzugehen. Der FC Bayern half im Januar erneut mit der Stundung ausstehender Zahlungen – vor allem für die Miete der Allianz Arena. „Die Abmachung gilt bis zum Ende der Saison“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß zuletzt.

 

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