Reiter für Erbpacht-Lösung beim Grünwalder Stadion: Verdrängt 1860 die kleinen Bayern?
Ist 2026 das Jahr, in dem endlich ein Haken hinter das leidige Thema Grünwalder Stadion gemacht werden kann? Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist jedenfalls guten Mutes, dass er die Angelegenheit heuer noch vom Tisch bekommt. Im "Stadtgespräch" mit münchen.tv berichtet das Stadtoberhaupt einmal mehr von positiven Gesprächen mit der Führung des TSV 1860, was die Ertüchtigung der altehrwürdigen Spielstätte auf Giesings Höhen angeht.
Reiter bevorzugt Erbpacht-Lösung
Im Raum steht ein Ausbau auf eine Kapazität von 25.000 Zuschauern, was für die Löwen einen guten "Business Case" darstellen würde, so Reiter. Bezüglich der Finanzierung bevorzugt er weiterhin eine Erbpacht-Lösung. Dann wäre 1860 Herr im Haus und könnte das Stadion nach eigenem Belieben umbauen, müsste die Kosten aber alleine stemmen.
Dafür würde der Klub "einen großen Sponsor benötigen, der den Restbetrag übernimmt. Wir reden schon von Beträgen, die im dreistelligen Millionenbereich liegen", sagt Reiter und stellt klar: "Wir werden es nicht hundert Prozent finanzieren, auch nicht fünfzig Prozent."
Erbpacht-Lösung fürs Grünwalder: Was passiert mit den Bayern?
Für die Stadt hätte dies den Vorteil, dass sie sich das Geld für die ohnehin notwendige Instandsetzung sparen und dem Klub bei der Höhe der Pacht entgegenkommen könnte. Die Erbpacht-Lösung sei aktuell möglich, da die Stadt das Stadion für keinen anderen Amateurverein benötige, erklärt Reiter: "Derzeit ist das nicht der Fall. Die Bayern haben sich anderweitig entschieden, was zu tun. Das heißt, die Chance ist, glaube ich, relativ einmalig. Und das habe ich auch dem Präsidenten und dem Präsidium klargemacht."

Amateure des FC Bayern sollen weiterhin in Giesing spielen
Einen Haken hat die Geschichte allerdings: Die zweite Mannschaft des FC Bayern trägt seine Heimspiele ebenfalls im Grünwalder Stadion aus. Zwar ist der große Nachbar von der Säbener Straße seit Anfang dieses Jahres Eigentümer des Sportparks Unterhaching, dorthin soll aber lediglich die Frauenmannschaft hinziehen.
Die Amateure - so war und ist nach AZ-Informationen der Plan - sollen weiterhin in Giesing bleiben, wo sie bereits seit vielen Jahren ihre Heimspiele austragen. Zumal es einen bestehenden Mietvertrag gibt.

Auch die Fans der Amateure werden wohl kaum einverstanden sein, dass die Amateure nicht mehr in der Hermann-Gerland-Kampfbahn, so wird das Grünwalder von den Bayern genannt, spielen. Immerhin ist das Stadion auch für den Rekordmeister ein geschichtsträchtiger Ort. Zwischen 1925 und 1972 war der Rekordmeister sogar Hauptmieter.
AZ-Info: 1860 würde FC Bayern nicht als Mieter behalten
Stellt sich also die Frage: Wohin mit den kleinen Bayern, falls die Löwen das Grünwalder Stadion tatsächlich in Erbpacht übernehmen? Nach AZ-Informationen will 1860 den ungeliebten Stadtrivalen in diesem Falle nicht als Mieter behalten. Daran würde auch die Aussicht auf lukrative Mieteinnahmen nichts ändern. Kommt die Erbpacht-Lösung zustande, will Sechzig das Schmuckkästchen auf Giesings Höhen für sich exklusiv haben.
Ohne Obdach würden die kleinen Bayern zumindest in der Theorie nicht dastehen. Immerhin hat der Rekordmeister neben dem Hachinger Sportpark mit dem Stadion am Campus und der Allianz Arena noch zwei weitere Spielstätten in seinem Portfolio. Die Arena wäre aufgrund ihrer Größe aber völlig ungeeignet. Auch ein Umzug in den Sportpark fällt wohl weg. Ein weiteres Team neben den Bayern-Frauen und der Spielvereinigung ist nur schwer unterzubringen.
Umzug der Bayern in Campus-Stadion unwahrscheinlich
Käme also eigentlich nur das Campus-Stadion mit seinen 2500 Plätzen infrage, was aber bei den derzeitigen Gegebenheiten ähnlich unwahrscheinlich ist. Heißt: Einige Fragen gibt es also noch zu klären, noch ist vieles Zukunftsmusik. Für OB Reiter ist allerdings klar: "Wenn es jetzt nicht funktioniert, weiß ich nicht, wie es weitergeht."


