Ein Tag Irrsinn bei den Löwen

Nach dem 0:3 in Kaiserslautern droht Präsident Gerhard Mayrhofer den Spielern über Facebook. Er will sie rüffeln, spricht aber nur mit Trainer Friedhelm Funkel. Zuvor flog Investor Hasan Ismaik ein
| Markus Merz, Filippo Cataldo
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Investor Hasan Ismaik (von li.), sein Bruder Abdelrahman und sein Münchner Vertreter Noor Basha, 1860-Vize-Präsident Erik Altmann und Präsident Gerhard Mayrhofer bei Ismaiks Überraschungsbesuch in München.
TSV 1860 Investor Hasan Ismaik (von li.), sein Bruder Abdelrahman und sein Münchner Vertreter Noor Basha, 1860-Vize-Präsident Erik Altmann und Präsident Gerhard Mayrhofer bei Ismaiks Überraschungsbesuch in München.

München -  Ach ja, einen Geschäftsführer suchen die Löwen auch noch. In den 24 Stunden nach der fußballerischen Bankrotterklärung der Kicker beim 0:3 in Kaiserslautern am Sonntag ist schon wieder so viel passiert an der Grünwalder Straße, fast hätte man vergessen können, dass Robert Schäfer erst am Freitag die Brocken mehr oder weniger freiwillig hingeschmissen hat. Rund um die Löwen bleibt es spannend. Und turbulent.

Die Chronologie eines selbst für blaue Verhältnisse verrückten Löwen-Tages, inklusive eines etwas missglückten Interventions-Versuches:

Sonntag, 15.20 Uhr: 1860 gerät in Kaiserslautern mit 0:3 unter die Räder. Trainer Friedhelm Funkel ist entsetzt, erkennt, dass er mit „einer Mannschaft selten so unterlegen” gewesen sei. Präsident Gerhard Mayrhofer feiert derweil. Nicht das Spiel, sondern mit seiner Familie den 84. Geburtstag seiner Mutter.

Sonntag, 15.33 Uhr: „Wir haben noch viel zu tun”, schreibt Mayrhofer auf seiner Präsidenten-Seite auf Facebook. Sofort fordern einige User in den Kommentaren die Entlassung von Sportchef Hinterberger.

Sonntag, 19 Uhr: Der Mannschaftsbus tuckert Richtung München, Mayrhofer schaut sich Ausschnitte des Spiels an und bereitet sich auf einen wichtigen Termin vor. „Der Hasan Ismaik hat ganz spontan gefragt, ob wir uns treffen wollen”, berichtet Mayrhofer am Montag. Potzblitz! Da lässt sich der Investor monatelang nicht blicken – und dann unterbricht er extra wegen eines 0:3 gegen Lautern seine unternehmerische Weltreise, die ihn über Tokyo, Seoul und New York wieder nach Hause führen sollte? Da scheint sich ja wirklich eine Männerfreundschaft anzubahnen zwischen den Alpha-Männern. .

Sonntag, später am Abend: „Wir haben schön zusammen gespeist. Heute morgen sind er uns sein Bruder wieder geflogen”, berichtet Mayrhofer am Montag. Getroffen haben sie sich im Mandarin Oriental, Ismaiks Lieblings-Hotel in München. Und weiter: „Ich bin froh, dass wir nicht über das Spiel von gestern gesprochen haben.” Es ging um Wichtigeres: Um Geld. „Selbstverständlich ist Hasan Ismaik dazu bereit, zu investieren. Wir wollen einen erfolgreichen Verein bauen”, berichtet Mayrhofer. Aber: „Es ist seine Entscheidung, wie viel er bereit ist, in den Klub zu investieren”, sagt Mayhofer. Wem das irgendwie bekannt vorkommt, dem erst Recht ein: Auf die Löwen!

Sonntag, 1.54 Uhr: Mayrhofer beantwortet einige der Kommentare auf Facebook. „Wir müssen konsequent am Umbau des Systems TSV 1860 weitermachen.” Er droht den Spielern mit Konsequenzen: „Ich denke, heute hat sich auch unsere Mannschaft angeboten umgebaut zu werden. Morgen geht’s weiter mit einem Gespräch mit Friedhelm.” Fliegen also bald auch ein paar Spieler raus? Später kündigt er ein Gespräch mit der Mannschaft an für den Montag. „Sie gehören ins Bett, damit sie morgen die richtigen Worte finden!”, schreibt User Andy. Fürsorglich.

Montag, 10.25 Uhr: Vize-Präsident Peter Helfer kommt ans Trainingsgelände. „Die Mannschaft hat am Sonntag nicht mal gekämpft. Das sind sie uns aber schuldig”, schimpft er. Die Ansprache soll gleich beginnen: „Wir machen das jetzt dann”. Als die AZ ihn darauf hinweist, dass die Mannschaft gerade ausläuft, schaut er etwas irritiert. „Ach? Die laufen aus? So so.” Mayrhofer ist noch nicht da.

11.48 Uhr: Helfer ist im Präsidentenbüro, telefoniert, Funkel kommt aus der Kabine und redet mit den Reportern. Er habe schlechte Laune wegen des Spiels, sagt er. Das habe er auch der Mannschaft klar gemacht. Das nächste Spiel am Sonntag gegen Cottbus werde ein „Charaktertest. Außerdem werde er gleich mit Helfer und Mayrhofer sprechen. Und deren Gespräch mit den Spielern? Funkel: „Was die Mannschaft angeht, wird der Präsident sicher erstmal mit dem Mannschaftsrat sprechen, dann mit der ganzen Mannschaft.” Na dann.

12.29 Uhr: Kapitän Guillermo Vallori verlässt als einer der Letzten das Gelände. Von einem Gespräch mit dem Präsidium weiß er nichts. „Ich habe ihn nicht gesehen”, sagt er. Aber wenn er nicht mit dem Präsidenten reden soll, wer dann?

12.53 Uhr: Jetzt ist Mayrhofer an der Grünwalder angetroffen. Er zeigt sich überrascht, dass die Spieler nichts von einem Gespräch mit dem Präsidium wissen. „Eigentlich hätte Peter Helfer das übernehmen sollen. Ich weiß jetzt auch nicht, ob das Gespräch stattgefunden hat”, sagt er und verzieht sich zum Gespräch mit Funkel.

13.50 Uhr: Die Unterredung ist beendet. „Es war ein gutes Gespräch. Wir haben über die allgemeine Situation gesprochen. Über die nächsten Wochen und die nächsten Aufgaben. Es ging um viele Dinge. Aber weniger um das Spiel gestern. Wir haben auch über die Wiesn gesprochen und dass das Präsidium morgen auch mitkommt. Das finde ich sehr gut”, sagt Funkel hinterher der AZ am Telefon. Ist Lautern etwa gar schon vergessen?

14.02 Uhr: Helfer verlässt das Trainingsgelände. „Es war ein angenehmes Gespräch. Wir haben einen Super-Trainer verpflichtet.” Und was war jetzt mit den Spielern? Helfer: „Ich habe mit Yannick Stark und Gabor Kiraly geredet. Die Jungs haben versprochen, dass sie sich am Sonntag reinhauen werden.” Na dann! Dieses Versprechen können Mayrhofer und Helfer auch den anderen Spielern ja am Dienstag abringen. Da sind schließlich alle Löwen zusammen auf der Wiesn.

15.26 Uhr: Noor Basha, Cousin und Münchner Statthalter des Investors, postet ein Bild von der abendlichen Zusammenkunft auf Twitter." Es bewegt sich was bei 1860. Alles wird gut. Versprochen."














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