"Ein kleiner Lausbub": 1860-Sieg, weil der Kapitän im richtigen Moment eine Vorgabe ignoriert
Es war gleich zu Beginn der Spielzeit 2022/23, da legte ein gewisser Michael Köllner mit Sechzig einen Startrekord von fünf Siegen in fünf Spielen hin. In der Hinrunde hatte Markus Kauczinski, der Nachfolger des Trainers, der mit den Löwen zweimal als Vierter nur knapp am Aufstieg gescheitert war, diesen Rekord mit vier Dreiern noch verpasst. Im Sportpark Höhenberg zu Köln hieß es nun: Rekord eingestellt, da ist er, der blaue Fünferpack!
"Das interessiert mich nicht", sagte Kauczinski nach vollbrachter, fast nur destruktiver Arbeit schulterzuckend: "Ich bleibe dabei: Wir wollen besser werden. Wir haben viel zu schnell den Ball verloren – dann müssen eben wir viel verteidigen, aber das haben wir gut gemacht."
Volland eiskalt nach Torwart-Patzer – Faßmann mit Startelf-Debüt
Mit dem 1:0-Erfolg bei Viktoria Köln haben die Löwen tatsächlich schon wieder vorgelegt, ein weiteres klares Signal an die Drittliga-Konkurrenz oben in der Tabelle gesendet. Spielmacher Kevin Volland bestrafte einen Patzer von Kölns Keeper Timo Schulz in einem hart umkämpften Duell eiskalt (38.).

Coach Kauczinski musste ausgerechnet Aggressiv-Leader Raphael Schifferl kurzfristig ersetzen – mit ihm in der Startelf hatte 1860 im Jahr 2026 in sieben Duellen kein einziges Mal verloren. Sollte das ein schlechtes Omen sein?
Der 56-Jährige brachte für den Österreicher nicht etwa Kapitän Jesper Verlaat, sondern die schnellere und positionsgetreue Alternative, nämlich Junglöwe Lasse Faßmann (19). Dazu kehrte das zuletzt gelbgesperrte Duo Philipp Maier und David Philipp zurück.
"Eigentlich haben wir gesagt, wir laufen den Torhüter nicht an ..."
Die Sechzger zeigten sich von Beginn an aktiv, standen teils hoch und störten früh, die ersten Torannäherungen gerieten aber relativ ungefährlich. Nur Tim Danhof kam in aussichtsreicher Position zum Abschluss, zielte aber vorbei (11.). Die Viktoria um den Ex-Löwen-Viererpack David Richter, Christoph Greger, Tim Kloss und Soichiro Kozuki, von dem nur Kloss spielte, hielt mit hohem Engagement und einer reiferen Spielanlage dagegen.
Bald musste Torwart Thomas Dähne einen Schuss von Leonhard Münst in höchster Not entschärfen (16.), Sechzig zog sich nach einigen gefährlichen Kontern der Hausherren wieder zurück. Kauczinskis Taktik schien nur teils aufzugehen.

Wenn es aus dem Spiel heraus nicht läuft, muss eben der Gegner mitspielen, oder in diesem Fall sogar der gegnerische Torhüter: Schulz passte in die Füße von Thore Jacobsen, dessen Zuspiel Volland cool verwertete.
"Eigentlich haben wir gesagt, wir laufen den Torhüter nicht an, aber Viktoria steht in der Situation ein bisschen anders und Thore war da relativ allein. Er ist auch ein kleiner Lausbub, der spekuliert da super", so der Torschütze.
Fans zündeln, Löwen mauern sich zum Siegesrekord
Einige wütende Viktoria-Angriffe später durften die Sechzger vor knapp 2.000 mitgereisten (und zum Leidwesen des Löwen-Geldbeutels einmal mehr durchaus zündelfreudigen) Fans mit einer knappen Pausenführung in die Kabinen marschieren.

Sollten nach der Pause unveränderte Sechzger ähnlich zittern müssen wie zuletzt auf Giesings Höhen? Nicht ganz, denn sie hielten die Viktoria mit ihren Löwenherzen fern vom Tor. Unverständlich: Haugen und Co. konnten trotz breiter Sieger-Brust keinen einzigen Konter zur Entlastung fahren.
Am Ende war’s egal – und Sechzig darf auf Rang vier übernachten, punktgleich mit dem MSV Duisburg auf Relegationsrang drei. Ob es doch noch eine richtige Rekord-Saison wird?

