"Die Löwen sollen sich den Aufstieg abschminken"

Ingolstadt-Trainer Thorsten Fink, früher Mittelfeldspieler beim FC Bayern, über das Derby am Sonntag – und wieso sein Team danach auf der Wiesn feiert.
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Eigentlich gibt es für Thorsten Fink keinen Grund, skeptisch zu gucken. Sein FC Ingolstadt ist gut in die Saison gestartet.
Rauchensteiner/AK Eigentlich gibt es für Thorsten Fink keinen Grund, skeptisch zu gucken. Sein FC Ingolstadt ist gut in die Saison gestartet.

Ingolstadt-Trainer Thorsten Fink, früher Mittelfeldspieler beim FC Bayern, über das Derby am Sonntag – und wieso sein Team danach auf der Wiesn feiert.

AZ: Herr Fink, waren Sie am Dienstag bei Sechzig im Stadion?

THORSTEN FINK: Nein. Ich lag gesundheitlich etwas flach, außerdem hatte mein Kleiner Geburtstag.

Zumindest die Feier mit Ihrem Sohn war sicher vergnüglicher als das Pokalspiel der Löwen gegen Duisburg.

Ich hatte schon das Ligaspiel vor knapp zwei Wochen gesehen, das 2:0 von Sechzig gegen Duisburg. Schon da habe ich mich auf das Spiel bei den Löwen jetzt gefreut. Mit Ingolstadt in der Allianz Arena, das ist schon was besonderes. Und später gehen wir dann ja noch auf die Wiesn.

Auch bei einer Niederlage?

Ja, das haben wir schon fest gebucht. Im Hippodrom. Egal wie das Spiel ausgeht. Wir können ganz befreit nach München fahren. Wir sind nur krasser Außenseiter.

Sagen Sie. Sie stehen doch besser da in der Tabelle.

Sechzig ist sicher nicht so gut drauf im Moment. Da gibt es ein paar Baustellen. Und wenn es bei einem Verein länger nicht läuft, das weiß ich aus meiner Zeit als Spieler, dann steigen auch unsere Chancen, dass wir das Spiel gewinnen.

Warum läuft es bei den Löwen nicht?

Ich kann nicht für Sechzig sprechen. Sie spielen nicht so toll und effektiv, wie das sein sollte. Ein Problem ist sicher, dass schon wieder viel zu viele Menschen im Umfeld vom Aufstieg sprachen. Man sollte sich nicht immer dieses Ziel ausgeben. Ich will mich da wirklich nicht einmischen, aber für mich ist das ein großer Fehler, den Sechzig immer wieder macht. Den Aufstieg sollen sie sich abschminken und jetzt sowieso, das ist doch klar. So etwas zu sagen und zu fordern, das erhöht doch nur den Druck auf die Mannschaft.

Und auf Trainer Marco Kurz, dessen Job mächtig in Gefahr ist. Sie könnten sein letzter Gegner als Löwen-Coach werden.

Weiß ich nicht. Wenn er gegen uns verliert, sieht es natürlich nicht so gut aus. Man sollte ihn dennoch einfach in Ruhe weiter arbeiten lassen. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm, er macht gute Arbeit mit den jungen Leuten. Er war auch einer, der immer gesagt hat, man soll von Spiel zu Spiel schauen, einer der ganz deutlich gesagt hat, dass er nicht das Ziel Aufstieg hat. Das ist ja auch meine Meinung. Sechzig soll kontinuierlich arbeiten und ruhig mal als Ziel Tabellenplatz zehn ausgeben. Darauf kann man dann in zwei, drei Jahren etwas vernünftiges aufbauen. So machen sie sich selbst das Leben schwer.

Reizt Sie Sechzig?

Im Moment nicht. Ich bin froh hier zu sein.

Weil Sie es in Ingolstadt schon leichter haben.

Hier redet keiner vom Aufstieg. Hier meint auch nicht jeder, er hat Ahnung vom Fußball.

Aber auch Sie wollen doch weiter nach oben.

Vielleicht können wir in drei Jahren um den Aufstieg mitspielen. Wenn wir ein neues Stadion haben, in dem es nicht mehr so zieht wie im jetzigen, wenn wir noch mehr Geld von den Sponsoren für Spieler bekommen.

Sie haben ja schon jüngst geklagt, Ihr Hauptsponsor, eine große Autofirma in Ingolstadt zahle zu wenig. Das sorgte für Unruhe.

Da bin ich falsch verstanden worden. Ich habe gesagt, wenn wir aufsteigen wollen, ist das zu wenig. Für uns ist das Engagement im Moment hervorragend, nur wenn wir weiter oben mitspielen wollen, muss da noch mehr kommen.

Also ist Ingolstadts Vorbild Bayer Leverkusen und Wolfsburg, wo mächtige Konzerne Geld in den Verein pumpen. Oder gar Hoffenheim mit dem angefeindeten Mäzen Dietmar Hopp?

Von Hopp halte ich sehr viel. Der macht viele soziale Sachen, steckt viel Geld in Jugendarbeit. Kein Wichtigtuer, der da ein paar Mark reinschmeißt, damit er mal in die Presse kommt. Ein sehr seriöser Mensch. Er imponiert mir. Natürlich kann man sagen, wenn es auch eine kleine Stadt wie Leverkusen geschafft hat, sich ganz oben zu etablieren, warum soll das nicht in Ingolstadt möglich sein.

Nur sind das eben nicht die Traditionsvereine, die die Fans so gerne haben.

Tut mir leid, dass es uns noch keine 40 Jahre gibt. Oder ab wann ist man ein Traditionsverein? Schon nach 20 Jahren oder 30? Ich weiß es nicht. Irgendwann muss ein Verein halt einmal anfangen, und ich hoffe, wir sind gerade dabei.

Und wer steigt eher auf? Sechzig oder Ingolstadt?

Weiß ich nicht. In diesem Jahr sowieso keiner von beiden.

Interview: Florian Kinast

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