Die große 1860-Ungewissheit: Gerettet! Aber nur vorerst...

Die Löwen können handeln: Die Verträge mit sieben Spielern, darunter Mauersberger, Gebhart und Feber sind fix. Doch neues Geld gibt es von Investor Ismaik weiterhin nicht. Mitgliederversammlung am 23. Juli.
| Matthias Eicher
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Reisen am Wochenende zurück nach München: Die Löwen im Trainingslager in Obertraun.
sampics/Augenklick Reisen am Wochenende zurück nach München: Die Löwen im Trainingslager in Obertraun.

Der nächste "schwarze Freitag"? Die Rettung? Die knapp 30 ins Trainingslager nach Obertraun mitgereisten Fans des TSV 1860 stürzten sich bezüglich der Frage um die wacklige Zukunft ihres Herzensklubs in Galgenhumor. "Schaut's, da kommt der Markus Fauser mit den Verträgen für unsere Jungs", sagte Allesfahrer Roman Wöll.

Einzig: Die Verkündung etwaiger Taten ließ zunächst ebenso auf sich warten wie das Nachmittagstraining am Hallstätter See (Geschäftsführer Fauser kam nicht, die Löwen hatten frei) – und Wöll deutete auf einen Paraglider, der über dem Rasen seine Bahnen zog und schließlich daneben landete. Selbstredend hatte der Fallschirmspringer keine Verträge dabei.

Auch ein Pressetermin mit Trainer Daniel Bierofka musste gestrichen werden: "Es gibt keinen neuen Stand", so Pressesprecherin Lil Zercher. Bierofka lief schulterzuckend vorbei und konnte nur erwidern: "Ich weiß nichts." Kurz vor 16 Uhr kam schließlich eine Pressemitteilung, die immerhin eine einstweilige Rettung gewährleisten konnte.

Alles wird gut? Noch lange nicht

"Der TSV 1860 München fixierte am Freitag die Engagements mit Kapitän Felix Weber, Jan Mauersberger und Nico Karger sowie den Neulöwen Timo Gebhart, Aaron Berzel, Daniel Wein und Benjamin Kindsvater schriftlich", war dieser zu entnehmen. Wie die AZ erfuhr, wurden Weber, Karger und Wein für drei weitere Jahre gebunden. Fauser, zuletzt wohl neben Trainer, Kaderplaner und Scout Bierofka in Personalunion der meistbeschäftigte Mann bei Sechzig, erklärte: "Wir wollen gewährleisten, dass Bierofka und sein Team, die Tag für Tag enorm viel investieren, die positive Weiterentwicklung unserer Mannschaft fortsetzen können. Vor diesem Hintergrund haben wir es ermöglicht, dass kurzfristig notwendige Verträge geschlossen werden konnten."

Heißt: Der Test gegen den FC Liefering am Samstag (14 Uhr) in der Salzburger Red-Bull-Academy kann mit mehr als einer Hand voll Akteuren stattfinden. Bedeutet auch: Die drohende Insolvenz ist vorerst abgewendet. Heißt aber noch lange nicht: Bei den Löwen (und insbesondere der überschuldeten KGaA) wird alles gut.

Die Mitglieder entscheiden über die Zukunft

Fauser weiter über noch zwar bereits begonnenen, aber noch nicht finalisierten Verhandlungen mit Investor Hasan Ismaik und weiteren Geldgebern: "Damit haben wir die Weichen gestellt mit dem Ziel, in den nächsten zwei Wochen eine Gesamtlösung für die KGaA zu finden", so der Geschäftsführer. Irritiert zeigte sich der Unternehmenssanierer über die Weitergabe vertraulicher Informationen: "Positive Lösungen für 1860 können nur in vertrauensvollen Gesprächen erreicht werden." Bevor es diese zu verkünden gebe, hab man nun "ein starkes Signal in Richtung unserer Sponsoren und potentieller Investoren, mit denen wir uns ebenso wie mit unseren Gesellschaftern in konstruktiven Gesprächen befinden", gesendet. Im Gespräch ist die Quandt-Familie (BMW-Hauptanteilseigner), die Porsche-Familie und ein Investorenkonsortium um Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann und Trainer Felix Magath.

Ismaik erklärte sich nach AZ-Informationen zwar zur Stundung eines Darlehens über rund acht Millionen Euro bereit, neues Geld zuschießen will der Jordanier allerdings vorerst nicht. Dazu sollen neue Investoren herhalten. Der Grund, wieso ebensolche noch nicht präsentiert werden, ist nebst der Tatsache, dass wohl noch keine Einigung erzielt werden konnte, einfach: Über den Einstieg neuer Finanziers muss die Mitgliederversammlung genauso abstimmen wie darüber, ob Ismaik weitere Anteile erhalten soll. Wie die AZ weiß, soll die Versammlung nun am 23. Juli stattfinden.

Somit wird der 30. Juni 2017 nicht als schwarzer Freitag in die Geschichte eingehen, sondern als einer jener vielen Tage, an dem die Sechzger alles auf den letzten Drücker klären – und weiter Klärungsbedarf haben.

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