Die Bonus-Löwen: Jetzt stehen die Wochen der Wahrheit an

Um den Aufstiegsdruck vom Team zu nehmen, geben sich die Sechzger vor dem Kaiserslautern-Spiel höchst bescheiden. Sportchef Günther Gorenzel: "Wir haben absolut gar nichts mehr zu verlieren."
von  Matthias Eicher
Am Dienstag treffen die Löwen auf den 1. FC Kaiserslautern.
Am Dienstag treffen die Löwen auf den 1. FC Kaiserslautern. © IMAGO / Jan Huebner

München - Aufstiegs-Träume, Tabellenrechner, "Road to Gelsenkirchen": Das Umfeld der Löwen, die Fans und sicherlich auch manch Spieler schwärmen seit Wochen von einer möglichen Rückkehr in die Zweite Liga - und den baldigen Leckerbissen gegen den FC Schalke 04, den Hamburger SV oder den 1. FC Nürnberg.

TSV 1860: Traditions-Duell gegen Kaiserslautern

Wie passend, dass nun das (vielleicht für lange Zeit letzte) Traditions-Duell gegen Schwergewicht 1. FC Kaiserslautern vor der Türe steht. Entgegen aller Fan-Freuden hat die Sportliche Leitung der Sechzger alle Hände voll zu tun, die Euphorie beiseite zu schieben.

Der Appell von Günther Gorenzel vor dem Aufeinandertreffen mit den Roten Teufeln am Dienstag Abend auf Giesings Höhen (19 Uhr / AZ-Liveticker), er geht so: "Wir haben jetzt noch vier Spiele vor der Brust und werden mit verdammt breiter Brust in den Spieltag gehen."

Starke Ungeschlagen-Serie

Dies liegt - laut Gorenzel - nebst der starken Ungeschlagen-Serie (acht Spiele in Folge) hauptsächlich an einem Fakt: "Wir haben nichts mehr, absolut gar nichts mehr zu verlieren - denn die Mannschaften, die vor uns liegen, sind mit klarer Zielsetzung Aufstieg in die Saison gegangen."

Dem TSV dagegen hätten "die wenigsten, und vor einigen Wochen wohl niemand mehr, eine so konstant gute Saison zugetraut." Heißt: Der Tabellenvierte 1860 (61 Punkte) liegt über den Erwartungen, während Spitzenreiter Dynamo Dresden (65 Punkte), Hansa Rostock und der FC Ingolstadt 04 (je 63) mehr oder weniger zum Erfolg verdammt sind.

Für Trainer Michael Köllner und Gorenzel wäre der ganz große Wurf vielmehr eine unverhoffte Krönung des bereits erreichten Saisonziels, eine junge und hungrige Mannschaft zu entwickeln. Die Bonus-Löwen.

Den wichtigsten Sieg habe man, so Gorenzel, nämlich längst errungen: "Wir haben uns die Sympathien der Fans erobert, die uns überragend unterstützt haben."

Die Löwen performen unbeschwert

Von Torhüter Marco Hiller über Abwehrchef Stephan Salger, Spielmacher Richy Neudecker bis hin zu Alpha-Löwe Sascha Mölders - die Mannschaft performt seit Wochen scheinbar unbeschwert, nachdem Gorenzel bei bereits zwölf Punkten Rückstand auf die Spitzenplätze die Jagd ausgerufen hat.

Sechzigs Kabinen-Psychologie

Jetzt meinte der Sport-Boss: "Wir haben eine extreme Lust entwickelt, Fußball zu spielen und Spiele zu gewinnen. Etwas gewinnen zu können ist immer ein besserer Ratgeber als die Sorge, etwas zu verlieren."

Sechzigs Kabinen-Psychologie sieht vor, nach wie vor nur von Spieltag zu Spieltag zu schauen und den Aufstiegsdruck den Kontrahenten zu überlassen. Wetten, dass dennoch ein Blick nach Rostock geht, die heute die Schanzer zum direkten Duell empfangen?

Trainer Köllner hat für das Duell mit den Pfälzern mit Ausnahme der Langzeitverletzten Quirin Moll, Tim Linsbichler und Winter-Neuzugang Keanu Staude alle seine Löwen beisammen: "Wir können dieses schwere Spiel mit voller Kapelle angehen."

"Road to Kaiserslautern"

Schweres Spiel deshalb, weil Lautern um Ex-Löwe Tim Rieder noch mitten im Abstiegskampf steckt und sich zuletzt mit drei Siegen und drei Remis aus dem tiefen Sumpf herausgezogen hat.

Köllner kontert: "Reden wir nicht drumherum: Wir streben drei Punkte an! Sie haben eine gute Phase hinter sich und gut gepunktet - aber wir haben eine bessere Phase und mehr Punkte geholt. Wollen wir hoffen, dass wir morgen um kurz vor Neun drei weitere Punkte auf dem Konto haben."

Lautern wird trotz der bestehenden Fan-Freundschaft beider Klubs sicherlich alles tun, damit die Löwen auch in der kommenden Saison die "Road to Kaiserslautern" nehmen müssen, als bis hoch nach Schalke zu fahren.