Der Machtkampf - 1860 vor der Zerreißprobe

Präsidium gegen Investor, Geschäftsführer gegen Geschäftsführer - beim TSV 1860 fliegen die Fetzen. Ab jetzt wird's - mal wieder - schmutzig.
| Marc Merten
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Ein Bild aus besseren Tagen: Die Führungsriege des TSV 1860.
Rauchensteiner Ein Bild aus besseren Tagen: Die Führungsriege des TSV 1860.

München - Am Mittwochfrüh, der Rausch der unglaublichen Siegesnacht beim TSV 1860 klang langsam aus, tat sich Erstaunliches vor der „Chichi Bar“ in der Altstadt. Präsident Gerhard Mayrhofer und Sportchef Gerhard Poschner standen auf dem Bürgersteig und diskutierten angeregt. Worüber, ist nicht verbrieft. Der Inhalt der Getränkekarte der Edel-Bar dürfte es nicht gewesen sein...

Vielleicht haben sich beide schon einmal gegenseitig davor gewarnt, was den Löwen nun bevor steht. Denn schon unmittelbar nach der Rettung in der Relegation gegen Kiel ist offensichtlich: Auf 1860 kommt ein heftiger Machtkampf zu. Präsidium gegen Investor, der eine Geschäftsführer gegen den anderen Geschäftsführer – noch vor der kommenden Spielzeit dürfte es auf oberster Ebene bei den Löwen zu personellen Veränderungen kommen. Kaum vorstellbar, dass es nach dieser Chaos-Saison in dieser Konstellation in die neue Spielzeit geht. Die Frage lautet: Wer überlebt, wer muss gehen? Die AZ erklärt, wer gegen wen kämpft – und warum.

Vieles in diesem Machtkampf bei den Löwen dreht sich um Gerhard Poschner. Der Geschäftsführer hat als sportlicher Leiter die katastrophale Saison zu verantworten. Einen Rücktritt schließt er aus, will stattdessen seine Fehler wiedergutmachen. Dafür hat er bereits den Segen von Investor Hasan Ismaik und Aufsichtsrat Noor Basha. Der sagte nach dem Kiel-Spiel: „Er bleibt Sportchef. Von meiner und auch Hasans Seite aus gibt es keinen Grund, etwas zu ändern. Ich glaube an diesen Weg. Er braucht Vertrauen.“

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Vertrauen, das auf Seiten des Präsidiums nicht mehr existiert. Gerhard Mayrhofer hat sich bereits vor Wochen gegen Poschner ausgesprochen, scheut eine Entlassung aber noch. Wohl auch, weil das Präsidium dann als Verantwortlicher bei der Mitgliederversammlung an vorderster Front stehen würde. Im Falle eines Abstiegs hätte der Verein Poschner wohl zum Rücktritt bewegen können. Nach dem Klassenerhalt scheint diese Option vom Tisch. Bezeichnend für das Verhältnis Mayrhofers zu Poschner: Als die Mannschaft nach dem Sieg gegen Kiel zur Rettungsparty in die Kabine rief, fehlte der Präsident. Ging der Oberlöwe Poschner aus dem Weg? Ein Teambetreuer sagte der AZ: „Er wusste vielleicht, dass er besser nicht in die Kabine geht.“

Auch Markus Rejek war dem Vernehmen nach nicht in der Kabine. Nach AZ-Informationen hat sich der kaufmännische Geschäftsführer ebenfalls mit Poschner überworfen – und auf die Seite des Präsidiums gestellt. Er könnte davon profitieren. Es soll Pläne geben, dass Rejek künftig die Geschicke der Profifußball-KGaA bei den Löwen alleine lenken könnte, mit einem ihm unterstellten Sportdirektor. Dieser soll nach AZ-Informationen niemand anders als der aktuelle Scout und Ex-Löwen-Profi Necat Aygün werden. Vom Tisch ist dagegen der Versuch, einen Trainer-Manager wie Felix Magath zu installieren. Das hatten Mayrhofer & Co. im Frühjahr versucht, als Ex-Coach Markus von Ahlen vor der Entlassung stand und auch Poschner zu dieser Zeit über einen Rücktritt nachgedacht haben soll.

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Offen ist, wie Investor Ismaik diese Machtkämpfe sieht. Vor dem Kiel-Spiel hatte der Verein einen Brief des Jordaniers veröffentlicht, der nicht nur deshalb für Stirnrunzeln gesorgt hatte, weil der Verein zunächst das arabische Original dazu publizierte, um es später zu entfernen. Ismaik hatte in diesem Brief auch gefordert, dass künftig „ehrlicher miteinander umgegangen“ werden müsse.

Ein Seitenhieb auf die zersplitterten Löwen. Ismaik soll Mayrhofer im Dezember sogar zum Rücktritt aufgefordert haben. Das würde erklären, dass sich in München seit Wochen hartnäckig Gerüchte halten, wonach das Präsidium auf der Suche nach einem neuen Geldgeber ist, der Ismaik dessen Anteile abkauft. Doch selbst, wenn man einen fände, müsste Ismaik bereit sein, zu verkaufen. Ob er dazu bereit wäre, ist unklar. Klar ist: Bei den Löwen kann’s – mal wieder – schmutzig werden.

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