Der Angreifer aus Wildmosers Küche

Roland Linz war mal Löwen-Lehrling, spielte von 1997 bis 1999 bei 1860. Am Montag stürmt er gegen Deutschland - was sein Ex-Boss dazu sagt..
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Spielte von 1997 bis ’99 bei den Löwen: Roland Linz (oben).
ap Spielte von 1997 bis ’99 bei den Löwen: Roland Linz (oben).

MÜNCHEN - Roland Linz war mal Löwen-Lehrling, spielte von 1997 bis 1999 bei 1860. Am Montag stürmt er gegen Deutschland - was sein Ex-Boss dazu sagt..

Natürlich hat Karl-Heinz Wildmoser in seiner Ausflugsgaststätte in Hinterbrühl im Biergarten eine TV-Leinwand aufgestellt. Die Gäste wollen ja sehen, wie sich das DFB-Team gegen Österreich schlägt.

Wildmoser, der Ex-Präsident des TSV 1860, wird auch hinschauen. Zumal ihn die Leistung von zwei Österreichern besonders interessiert: Martin Stranzl (27, Spartak Moskau) und Roland Linz (24, Sporting Braga). Die kennt Wildmoser nämlich. Beide Spieler waren mal Löwen-Talente. „Mich freut’s ungemein“, sagte Wildmoser am Sonntag der AZ, „dass die frühere Jugendarbeit des TSV 1860 Früchte trägt und meine Arbeit doch nicht so schlecht gewesen sein kann.“

Linz freilich verließ den Klub damals schneller, als es Wildmoser lieb war: Nach nur zwei Jahren im 1860-Nachwuchsbereich ging der Angreifer 1999 zurück nach Österreich, zum DSV Leoben.

Koch-Lehre abgebrochen

Wildmoser erinnert sich: „Sein Onkel, der sich damals um die fußballerische Laufbahn vom Linz gekümmert hat, meinte, dass Roland mit seinen knapp 16 schon bei den Profis spielen sollte. Das konnten wir ihm natürlich nicht zusagen.“

Wildmoser verlor damals nicht nur einen begabten Nachwuchsspieler, sondern auch einen Angestellten. Denn er hatte den jungen Linz als Koch-Lehrling in seiner Gastronomie beschäftigt. Die Lehre hat der spätere Profi freilich dann abgebrochen. Wildmoser sagt: „Wir haben uns schon um Roland bemüht, aber wir hatten keine Chance. So ist das halt, wenn sich Eltern oder Familienangehörige in den Fußball einschalten. Wir wussten, was Linz für ein Juwel war.“

Ex-Trainer Walter Schachner wollte Linz Jahre später zurückholen zum TSV 1860 („Er wäre gekommen, ich kannte ihn schon als kleinen Buben“), doch Manager Stefan Reuter entschied sich 2006 für die kostengünstigere Variante – und verpflichtete Toni di Salvo von Hansa Rostock.

In Portugals Liga gehört Linz inzwischen zu den stärksten Angreifern. Linz traf für Sporting Braga in der abgelaufenen Saison auch im Uefa-Cup, erzielte auch beim 1:1 gegen den FC Bayern einen Treffer gegen Oliver Kahn.

Marktwert von 5,5 Millionen Euro

Auch am Montag gegen Deutschland ruhen die Hoffnungen auf Linz: Ob er den Ansprüchen aber auch gerecht wird? Österreichs Sturm-Idol Hans Krankl sagte einmal über Linz: „Er ist einer, um den uns Europa irgendwann mal beneiden wird.“ Bei der EM hat Linz aber noch nicht getroffen. Dennoch wird sein Marktwert inzwischen auf 5,5 Millionen Euro taxiert. Für den TSV 1860 ist der frühere Koch-Lehrling damit nicht mehr erschwinglich.

Oliver Griss

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