Deniz-Frust bei 1860: Kayabunar verteidigt den heiklen Wechsel

Ist der TSV 1860 zu abhängig von seinem Denker, Lenker und Traumtorschützen? "Er war verärgert und will der Mannschaft unbedingt helfen", sagt Kayabunar und rechtfertigt dessen Auswechslung in Fürth.
von  Matthias Eicher
Spielmacher im Fokus: Die Auswechslung von Tunay Deniz in Fürth hat beim TSV 1860 eine Debatte über die Abhängigkeit der Löwen von ihrem kreativen Kopf entfacht.
Spielmacher im Fokus: Die Auswechslung von Tunay Deniz in Fürth hat beim TSV 1860 eine Debatte über die Abhängigkeit der Löwen von ihrem kreativen Kopf entfacht. © sampics

Es lief die 84. Spielminute im Auswärtsspiel der Löwen am vergangenen Dienstagabend bei der Spielvereinigung Greuther Fürth II (1:1), da kam Alper Kayabunar auf eine Idee, die Tunay Deniz ganz und gar nicht gefiel: Der TSV-Trainer wagte es, den TSV-Spielmacher doch glatt auszuwechseln – prompt ließ das Löwen-Schlitzohr seinem Frust kurz freien Lauf.

Von der Deniz-Lust zum Deniz-Frust

Der Deniz-Lust beim TSV 1860, als der Deutsch-Türke in den beiden Duellen der Sechzger bei der DJK Vilzing (2:2) und beim 3:0-Heim-Triumph gegen den TSV Schwaben Augsburg jeweils ein absolutes Traumtor erzielt hatte, folgte nun also der Deniz-Frust: zum einen der Frust über den mal wieder kassierten Ausgleich – und der Frust, daran selbst durch einen Traumtor-Hattrick nichts mehr geraderücken zu können.

Tatsächlich konnte einen in der Schlussphase des Duells am Ronhof das Gefühl beschleichen, dass den Gästen ohne Kreativkopf Deniz, der die Führung durch Michael Eberwein per Freistoß vorbereitete, auch sonst ein gutes Spiel ablieferte und zahlreiche gefährliche Standards schlug, einfach die Mittel fehlten, um das Spiel nach dem kassierten Ausgleich noch mal herumzureißen.

Abhängigkeit vom Spielmacher?

Ist Sechzig zu abhängig vom besten Füßchen der Regionalliga, das Eberwein für seine außergewöhnliche Schusstechnik adelte?

Prompt rechtfertigte sich Kayabunar im Vorfeld des Heimspiels der Giesinger gegen den 1. FC Nürnberg II (Sonntag, 15 Uhr, im AZ-Liveticker) auf Nachfrage noch mal für die Auswechslung. "Ich habe schon nach dem Spiel mit Tunay geredet, und er ist auch noch mal auf mich zugekommen", erzählte Kayabunar über den Mann, der sich mit voller Leidenschaft den Löwen verschrieben hat: "Er war verärgert und will der Mannschaft unbedingt helfen." Dies konnte Deniz vor allem in den letzten drei Spielen, in denen er alle seine vier Scorerpunkte einsammelte (je zwei Tore und Assists).

Belastungssteuerung nach Kreuzbandriss

Smart, aber bestimmt erklärte Kayabunar aber auch, weshalb die Auswechslung aus Trainer-Sicht durchaus Sinn ergeben hat. "Man darf nicht vergessen, dass er einen Kreuzbandriss hatte und das nächste Spiel vor der Brust", so Kayabunar im Hinblick auf die kürzlich erst auskurierte Horror-Verletzung sowie die englische Woche der Blauen. Während wohl die Mehrzahl der Löwenfans Ausnahmekicker Deniz – wie Deniz selbst – von Anfang bis Ende auf dem Rasen sehen will, tauschte Kayabunar nicht mal eben aus Jux und Tollerei.

Tunay Deniz verlässt den Platz, Eric Uhlmann kommt - laut Trainer Alper Kayabunar wird genau dieser Wechsel künftig häufiger vorkommen.
Tunay Deniz verlässt den Platz, Eric Uhlmann kommt - laut Trainer Alper Kayabunar wird genau dieser Wechsel künftig häufiger vorkommen. © IMAGO/Ulrich Wagner

Dazu kam noch ein weiteres Wechsel-Argument, wie Kayabunar hinzufügte: "Wir bringen mit Eric Uhlmann einen richtig guten Spieler – und das weiß auch Tunay." Neulöwe Uhlmann (23) braucht beim TSV schnell Spielpraxis, um anzukommen und seine Stärken auf den Rasen zu kriegen. Der Abräumer interpretiert die Rolle im Mittelfeld-Zentrum zwar defensiver als Deniz, hatte sich im Rahmen der "Wiesn Champions 2026", als er sich den Medien vorstellte, aber auch selbst eine gewisse Torgefahr attestiert.

Uhlmann als Alternative im Zentrum

Beim Wiesn-Heimspiel gegen die kleinen Cluberer gilt es nun einmal mehr, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden, zwischen Tunay und Uhlmann.

Geht es nach Kayabunar, ist dies nur eine Frage der Zeit. "Wir kommen unserer Spielidee immer näher, wir haben schon eine große Entwicklung genommen, gerade in der ersten Halbzeit gegen eine gute Fürther Mannschaft."

Nächster Schritt gegen Nürnberg II

Was 1860 gefehlt habe, sei, "noch zwingender zu werden und das 2:0 nachzulegen".

Vielleicht kann am Sonntag ja ein frischer, regenerierter Deniz helfen – oder 1860 zeigen, dass es auch ohne den Zauberfuß geht.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.