"Das kann die Marke 1860 beschädigen"

Während die Löwen-Fans über den neuen Sponsor C-Date diskutieren, erklärt Marketing-Experte Ehm: "Der TSV 1860 muss aufpassen, seine Marke nicht zu schädigen" - Allesfahrer Hell: "Wir müssen alles nehmen"
| M. Eicher, M. Kerber
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Eine Dame in blauen Spitzendessous, dahinter die Arena bei einem Löwen-Spiel: So wirbt der 1860-Sponsor C-date.
C-date Eine Dame in blauen Spitzendessous, dahinter die Arena bei einem Löwen-Spiel: So wirbt der 1860-Sponsor C-date.

München - Im Moment sind dem Zoteneinfallsreichtum rund um die Löwen keine Grenzen gesetzt. Der TSV 1860 hat ja auch eine mehr als nur anregende Vorlage geliefert. Seit dem Heimspiel gegen Greuther Fürth hat „Münchens große Liebe“ einen neuen Banden-Werbepartner: c-date. Die Sexdate-Internetplattform macht in den restlichen Heimspielen der Löwen Bandenwerbung in der Allianz Arena.

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Die Plattform übte sich in ausgewählter Zweideutigkeit und Schlüpfrigkeit. „Wild wie die Löwen – nach dem Spiel ist Vorspiel“, lief dort erstmals gegen Fürth, derselbe Schriftzug ist auch auf der 1860-Homepage zu finden – und sorgt für einen Hauch Rotlicht bei den Blauen.

 

Vorbild-Funktion? "Sicher nicht leicht, das familienfreundlich zu kommunizieren"

 

Aufklärung im Löwenkäfig? Der Familienvater wird sich schön bedanken, wenn er sich vom Sohnemann angesichts des Stadionbesuchs mit der Frage konfrontiert sieht, was ein Vorspiel sei und er so in akute Erklärungsnot gerät. „1860 muss aufpassen, dass mit dieser Aktion nicht die Marke beschädigt wird. Es ist sicher nicht leicht für einen Verein, der ja auch viel auf die Nachwuchsarbeit setzt, das familienfreundlich zu kommunizieren“, sagt Marketing-Experte Peter Ehm, Chefredakteur von Headline1 und Studienleiter Sport-Marketing der Bayerischen Akademie für Werbung.

 

Verein schweigt, Fans diskutieren - C-Date feiert "Coup"

 

Daher lief in Sachen Kommunikation bisher nix bei den Löwen. Keine Pressemitteilung, keine Aussagen der Verantwortlichen. Das Schweigen der Löwen. Auch Geschäftsführer Markus Rejek wollte auf AZ-Anfrage keine Stellung zum neuen Partner bis Saisonende nehmen. „Zwar ist die erste Devise des Marketings, Aufmerksamkeit zu generieren, aber trotzdem ist nicht jede Aufmerksamkeit positiv“, sagt Ehm. Bei den Löwen. Ganz anders sieht das für das Sexportal aus. „Für c-date ist die Aktion durch und durch positiv, sie haben – für relativ kleines Geld – sehr viel Aufmerksamkeit, für sie ist das ein Coup. Sie sind das erste Portal dieser Art, das es in den Profifußball geschafft hat.“ Sex sells.

Das heißt noch lange nicht, dass die Liaison an der 1860-Basis gut ankommt: Franz Hell kann verstehen, dass es bei vielen Fans „einen Aufschrei gab“, so der Allesfahrer, der das Sponsoring in Sachen Vorbildfunktion als „nicht besonders glücklich“ einstufte. Seine Toleranzgrenze sei allerdings „sehr hoch“ – Hell eindeutig zweideutig: „Wir müssen nehmen, was kommt. Bei uns stehen die Sponsoren nicht Schlange.“

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Andreas Kern, Vorsitzender des größten 1860-Fanklubs Holledauer Löwen, hat keine Einwände: „Ich sehe das in der heutigen Zeit nicht mehr so eng. Da dürfte man am Sonntag-Nachmittag auch nicht mehr fernsehen, da laufen auch ständig Sex-Szenen“, so Kern, der auch stellvertretender Vorsitzender des Fanklub-Dachverbands ARGE ist: „Bei 1860 kann man machen, was man will, da gibt es immer welche, die aufschreien.“ Auch sehr schön formuliert... M. Eicher, M. Kerber

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