BR-Doku Giesing - Von Menschen und Löwen: TSV 1860 München und Gefühl

Der Bayerische Rundfunk nähert sich Giesing in einer Doku. Erklären, was das Viertel ausmacht, kann der Film aber nicht. Dafür gibt's jede Menge Gefühl - und Bier.
| Lukas Schauer
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Was macht Giesing aus? Warum identifiziert sich der TSV 1860 München so stark mit dem Viertel? Wer erwartet, dass der Film "Giesing - Von Menschen und Löwen" im BR diese Frage(n) beantwortet, der wird enttäuscht. Doch die knapp 45-minütige Doku über Münchens verklärtes Arbeiterviertel bietet dennoch ein paar Einblicke in die Giesinger Seele.

Da kommt natürlich die langjährige Wirtin des Löwen-Stüberls, Christl Estermann, zu Wort. Sie erzählt, ganz in blau gekleidet, wie sie schon als Kind ihre Liebe zu Giesing und den Löwen entdeckte. "Ich bin mit Sechzig und Giesing verheiratet", erzählt sie in die Kamera und hat dann Tränen in den Augen, als sie vom Abstieg ihres geliebten Vereins in die Regionalliga berichtet.

Estermann, Heiß, Baumgartner: Das gute, alte Giesing

Überhaupt, die Vergangenheit, sie spielt in dem Film eine kleine verkappte Hauptrolle. Die Schauspielerin Monika Baumgartner darf noch einmal in die Werkstatt gehen, in der sie früher "Meister Eder und sein Pumuckl" gedreht hat. Und sie darf erzählen, wie es früher so war in der Walchenseesiedlung, als sie Kastanien gesammelt hat im nahen Park.

Fredi Heiß, ehemaliger Mittelstürmer der legendären Meistermannschaft, darf auch von früher erzählen. Wie es war, als er vor vierzigtausend Fans ins Grünwalder Stadion eingelaufen ist: "Ich hatte wacklige Knie" - quod erat demonstrandum.

Einen Einblick, was das Viertel heute ausmacht, geben in Ansätzen der türkischstämmige Schriftsteller Su Turhan ("Kommissar Pascha") und der irakischstämmige Besitzer des Kiosks an der Silberhornstraße. Giesing sei Heimat für sie, gerade weil es hier eben nicht darauf ankomme, woher man stamme oder was man arbeite. Auch die Wirtin des "Schau ma moi" in der Silberhornstraße berichtet vom Schmelztigel, der vor allem während der Spiele der Löwen zu beobachten sei.

Bier, Sechzig und ganz viel Gefühl

Ein reines Arbeiterviertel ist Giesing aber freilich nicht mehr, die Gentrifizierung schlägt auch hier zu, Stichwort Uhrmacherhäusl. Das wird im Film aber nur kurz thematisiert - das störte ja auch das schöne Bild.

So ganz ohne Klischee kann ein Film über Giesing dann aber freilich nicht zu Ende gehen. Der Braumeister der "Giesinger"-Brauerei sagt dann, den Erfolg seines Unternehmens beschreibend, was viele auch (oder primär) mit dem Viertel verbinden: "Giesing ist ein Bier-affines Viertel - und damit meine ich einfach, dass die Sechzger hier ansässig sind - dass hier ein Arbeiterviertel ist und dass Bier hier tatsächlich einfach als Grundnahrungsmittel angesehen wird".

Man möchte am Ende eigentlich am Liebsten sofort aufstehen, zur Silberhornstraße fahren und es aufsaugen, dieses "Gefühl Giesing". Denn dort riechen die Diesel-Abgase eben bier- und nostalgiegeschwängerter als anderswo in München.

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