Bernhard Trares im AZ-Interview: 1860 muss wieder mehr Seriosität reinbringen

Am Montag gastiert Sechzig in Mannheim. Die AZ sprach mit Waldhof-Trainer Bernhard Trares, der Teil der großen Löwen-Ära war, über das Duell der Traditionsklubs und eine mögliche Rückkehr.
| Interview: Matthias Eicher
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Bernhard Trares Waldhof Mannheim Dritte Liga
imago/foto2press Bernhard Trares Waldhof Mannheim Dritte Liga

München - AZ-Interview mit Bernhard Trares. Der 53-Jährige ist Trainer bei Waldhof Mannheim, Montags-Gegner der Löwen. Von 1991 bis ‘97 spielte er bei 1860, von 2004 bis ‘06 war er dort Co-Trainer. Die AZ hat vor der Partie der Löwen in Mannheim (19 Uhr/Magenta Sport und im AZ-Liveticker) mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Trares, wollen Sie mit Aufsteiger SV Waldhof Mannheim Remis-König der Dritten Liga werden? Zum Auftakt gab es für Sie gegen Chemnitz, Meppen und Magdeburg drei Unentschieden.
BERNHARD TRARES: Lieber nicht. Mit der Leistung meiner Jungs bin ich bis jetzt sehr zufrieden. Mit der Ausbeute weniger. Es hätte mindestens ein Sieg herausspringen können. Fünf Punkte könnten wir schon auf dem Zettel haben. Aber es ist ja kein Wunschkonzert. So ist es eben in einer Liga, in der jeder jeden schlagen kann.

Sie haben Traditionsklub Mannheim, ähnlich wie Daniel Bierofka den TSV 1860, wieder in den Profifußball geführt. Wie fühlen sich die ersten Drittliga-Minuten an?
Es fühlt sich sehr schön an. Wir waren für 16 Jahre nicht mehr in einer Profiliga, sind ja eine Saison vorher nur ganz knapp gescheitert. Aber wir wissen, dass wir uns nicht ausruhen dürfen. Du wirst in der Dritten Liga von Beginn an gefordert. Jetzt wollen wir so schnell es geht die nötigen Punkte für den Klassenerhalt sammeln – alles andere wäre Wahnsinn. Wir müssen erstmal auf dem Teppich bleiben.

Trares: "Die Vorfreude auf Sechzig ist groß"

Den Löwen geht es nicht viel anders: Aufgrund eines Konsolidierungskurses hat 1860 den Nichtabstieg als Saisonziel ausgegeben. Am Montagabend steigt das Duell gegen Ihren Ex-Klub. Die Vorfreude...
... ist sehr groß! Das wird ein tolles Spiel vor einer Top-Kulisse. Sechzig ist nach wie vor ein Riesen-Klub und man weiß ja um meine Vergangenheit. Nichtsdestotrotz wollen wir sie natürlich schlagen.

Da dürften Erinnerungen wachwerden: Sie gelten auf Giesings Höhen als Legende und waren dabei, als 1860 die größten Erfolge in der jüngeren Vereinshistorie feierte.
Man ist sehr stolz, Teil einer solchen Erfolgsgeschichte zu sein: Was wir damals unter Trainer Werner Lorant und Präsident Karl-Heinz Wildmoser geschafft haben, war ein Traum. Von der Bayernliga bis in den Uefa-Cup! Das war fantastisch. Nach meinen sechs Jahren als Spieler war ich ja auch noch anderthalb Jahre Co-Trainer. Deshalb werden Sechzig und München immer meine zweite Heimat bleiben.

Welche Momente haben sich am meisten in Ihr Gedächtnis eingebrannt?
Das waren für mich die beiden Aufstiege – und die Feiern. Als wir damals auf den Rathausplatz gegangen sind, das war unglaublich. Gerade vor dem Aufstieg in die Zweite Liga: Damals mussten wir ja Relegation spielen. Als wir danach aufmarschiert sind, waren wir alle wandelnde Leichen. Wenn man da in die Gesichter gesehen hat: alle total platt! Der Werner hat uns alles herausgequetscht. Da war kein Tropfen Schweiß mehr unter der Haut. (lacht)

Wie nehmen Sie Sechzig aktuell wahr?
Ich habe die Relegation gegen Jahn Regensburg gesehen – und die Daumen gedrückt. Aber das hat leider nichts geholfen. Sechzig ist mit einem unglaublichen Etat abgestiegen. Dieser portugiesische Startrainer (Vitor Pereira, d. Red.) hat reingepulvert und sogar jemanden angestellt, der die Tore rumgetragen hat. Das ist jetzt eine ganz andere Welt bei den Löwen, die wieder etwas bodenständiger auftreten und mehr Seriosität reinbringen müssen. Und bei uns übrigens auch: Wir bestellen jetzt mal neue Tornetze. (lacht)

"Mentalität ist der wichtigste Faktor"

Bernhard Trares war früher ein Mentalitätsspieler, für Löwen-Trainer Daniel Bierofka ist die richtige Einstellung im Profifußball ebenfalls das A und O. Da dürfte ihr Stil als Trainer nicht weit voneinander entfernt liegen, oder?
Das kann man schon so sagen. Mentalität ist für mich der wichtigste Faktor. Was mir im Fußball meistens zu einseitig betrachtet wird: Auch ein Kreativspieler kann eine Top-Mentalität haben. Es gibt nicht nur reine Kämpfer. Aber es geht um dieses "nicht verlieren können", sich mit allem, was man hat, gegen eine drohende Niederlage zu wehren.

Welchen Draht haben Sie zu Bierofka?
Zusammengespielt haben wir nicht mehr, von daher hatten wir noch nicht so oft miteinander zu tun. Als Trainer hat er bei mir angerufen, bevor Sechzig in der Relegation gegen den 1. FC Saarbrücken gespielt hat.

Mit anderen Worten: Einen kleinen Mini-Anteil am Aufstieg der Sechzger hat auch Ex-Löwe Bernhard Trares.
Ich würde mir nicht anmaßen, das zu behaupten. Aber ich denke, ich konnte schon ein paar Tipps geben – schließlich haben wir sie vorher zwei Mal geschlagen.

Es ist unschwer zu erkennen, dass Ihnen die Löwen noch am Herzen liegen. Wäre es denkbar, dass man Sie – früher oder später – einmal beim TSV auf der Trainerbank sieht?
Sechzig ist für mich immer denkbar.

Lesen Sie hier: Lex könnte gegen Mannheim zurückkommen

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