Benny Lauth: Wenn er grollt, dann leise

Gegen Bochum wird Benny Lauth von 1860 verabschiedet – jetzt könnte es den Löwen-Stürmer ins Ausland ziehen. „Die Tür für ihn ist immer offen“, sagt Sechzig-Sportdirektor Gerhard Poschner.  
| Filippo Cataldo
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Benny Lauth auf der AZ-Veranstaltung am Viktualienmarkt.
Petra Schramek Benny Lauth auf der AZ-Veranstaltung am Viktualienmarkt.

Gegen Bochum wird Benny Lauth von 1860 verabschiedet – jetzt zieht es den Löwen-Stürmer ins Ausland. „Die Tür für ihn ist immer offen“, sagt Sechzig-Sportdirektor Gerhard Poschner. 

München - Seine Popularität steht außer Frage. Bei der Aktion „Promis helfen der AZ“ am Viktualienmarkt war er mit Abstand der gefragteste Autogramm-Schreiber. Natürlich. „Über die besondere Beziehung von Benny Lauth und den Löwen müssen wir nicht reden“, sagt auch Gerhard Poschner, der neue Sport-Geschäftsführer des TSV 1860.

Dennoch hat Poschner dem Rekord-Torjäger mitgeteilt: „Such dir einen neuen Klub!“ Es soll ein recht kurzes Gespräch gewesen sein, verhandelt über eine mögliche Weiterbeschäftigung zu deutlich reduzierten Bezügen wurde gar nicht mehr. Lauth wäre dafür offen gewesen, er wirkt auch zwei Tage nach der Entscheidung noch leicht unter Schock – obwohl er den Abschied einkalkuliert hatte. „Natürlich ist das schade, ich wäre gern beim Neuaufbau dabei gewesen“, sagt er. Doch dann kommt gleich wieder der Profi durch. „Dann suchen wir uns jetzt eben etwas Neues. Ein, zwei Jahre spiele ich auf jeden Fall noch. Aber jetzt bin ich gespannt, was am Sonntag passiert.“ Wenn Lauth grollt, dann leise.

Beim Heimspiel gegen Bochum wird Lauth gemeinsam mit den anderen beiden Herzlöwen Daniel Bierofka und Necat Aygün vom Klub verabschiedet. „Porzellanlöwen wird es nicht mehr geben. Ich war selbst Fußballer, was sollen sie mit so einem Ding?“, sagt Poschner, der die Entscheidung gegen Lauth eine „rein sportliche und konzeptionelle“ nennt. Man habe sich etwas überlegt für die drei Spieler, die den Klub durch die letzten viel zu oft viel zu grauen Tage gerettet haben. Das klingt pathetisch, ist aber so. Aygün (siehe unten), der schon als Kind an der Grünwalder Straße kickte, Bierofka,der Ur-Löwe mit seinem Kämpferherzen und seinem Verletzungspech, beide so groß, dass es für fünf Karrieren gereicht hätte. Und eben Lauth, der einstige Posterboy des deutschen Fußballs, der Teenie aus der Nutella-Werbung mit Hang zu fragwürdigen Frisuren, dem Fußballstar, dem die ganze Welt offen zu stehen schien und der dann sein Lebensglück doch in Giesing wiederfand.

Ein „nur“ verbietet sich in Lauths Fall übrigens. Es spricht für Intelligenz, nicht nur emotionaler Art, wenn einer erkennt, wo er hingehört. Lauth, der die Locken seit Jahren wieder so trägt, wie sie ihm wachsen, ist kein Gescheiterter, er gab den Löwen Jahr für Jahr Hoffnung und viel zu oft rettete er den Klub mit seinen Toren vor dem totalen Absturz. „Ich habe hier eine tolle Zeit gehabt. Klar, diese Saison würde ich gerne löschen, aber solche Phasen hat jeder Fußballer“, sagt er, dem diese Saison – auch mangels Zuspielen – nur zwei Tore gelangen und der zuletzt nicht mal mehr eingewechselt wurde. Nur ein Makel hat seine Karriere – sagt er. „Ich wollte so gerne mit den Löwen auf dem Marienplatz feiern. Dass wir den Aufstieg nicht geschafft haben, tut mir so leid.“ Lauth würde am Sonntag natürlich am liebsten spielen. Freunde und Familie werden im Stadion sein. Man sollte sich nicht wundern, wenn der Abschied tränenreich werden sollte.

Wo es Lauth im Sommer hinzieht, weiß er noch nicht. „Es gibt noch keine Angebote. Mein Berater hat sich bewusst nicht umgehört, wir wollten abwarten, was bei den Löwen passiert.“ Lauth wollte den Klub nicht unter Druck setzen, gar nicht erst den Eindruck erwecken, zu pokern. „Ich bin jetzt offen für alles. Es kann in Deutschland weitergehen oder auch im Ausland“, sagt er. Die USA kann er sich vorstellen, „das wäre eine ganz neue, eine ganz andere Herausforderung“, sagt er. Auch England, wo seine Schwester lebt, oder die Zweite Liga. Selbst ein Wechsel zu einem ambitionierten Drittligisten kann er sich vorstellen. „Mir geht es überhaupt nicht mehr ums Geld. Interessant muss es halt sein“, sagt er.

Doch die Entscheidung sei auch abhängig von seiner Familie. Es ist kein Geheimnis, dass Lauths Frau Juliane gern in München bleiben würde. „Vielleicht gehen wir alle zusammen, vielleicht gehe ich für ein Jahr alleine weg, vielleicht pendeln wir“, sagt er. Klar sei nur: „Ich werde nichts machen, was meine Familie nicht will.“ Wer ihn einmal mit Frau Juliane und Söhnchen Liam erlebt hat, weiß, dass das kein Gerede ist. Es wäre nur ein Abschied auf Zeit. „Wir planen unser Leben in München“, sagt Lauth. Auch bei den Löwen? Poschner: „Die Tür für ihn ist immer offen.“

 

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