"Alles der blanke Albtraum": Als sich 1860-Kapitän Mölders in der "Stunde Null" verabschiedete

Am Sonntag hat sich der historische Absturz des TSV 1860 in die Regionalliga zum vierten Mal gejährt. Am Tag darauf wandte sich Sascha Mölders, der über die Saison hinaus keinen Vertrag mehr hatte, mit emotionalen Worten an die Fans.
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Grenzenlose Enttäuschung: Sascha Mölders (M.) zusammen mit Fanol Perdedaj (l.) und dem heutigen Nationalspieler Florian Neuhaus nach dem Abstieg 2017.
Grenzenlose Enttäuschung: Sascha Mölders (M.) zusammen mit Fanol Perdedaj (l.) und dem heutigen Nationalspieler Florian Neuhaus nach dem Abstieg 2017. © IMAGO / foto2press

München - Am Sonntag jährte sich jener Tag, der im Rückblick beinahe unwirklich erscheint, zum vierten Mal. Am 30. Mai 2017 führten jahrelanges Missmanagement und sportliche Negativentwicklung zu dem, was irgendwann ohnehin unausweichlich war: Der stolze TSV 1860 verabschiedete sich in der Relegation gegen Jahn Regensburg aus dem Profifußball.

Als der schwärzeste Tag der mehr als eineinhalb Jahrhunderte langen Vereinsgeschichte immer konkreter wurde, entlud sich der Frust einiger Fans auf den Rängen in einem Akt der Gewalt. Teile der Anhänger rissen die Sitzschalen aus ihren Verankerungen und schleuderten diese Richtung Spieler und Polizisten. Komplette Fassungslosigkeit. Die "Stunde Null" für die stolzen Löwen.

In der Schlussphase brannten bei einigen Fans die Sicherungen durch: Es flogen Sitzschalen und Stöcke von Fahnen aufs Spielfeld.
In der Schlussphase brannten bei einigen Fans die Sicherungen durch: Es flogen Sitzschalen und Stöcke von Fahnen aufs Spielfeld. © IMAGO / MIS
Kritische Situation: Polizisten und Ordner stehen den "Fans" gegenüber. Szene aus dem Relegationsspiel zwischen dem TSV 1860 München und Jahn Regensburg.
Kritische Situation: Polizisten und Ordner stehen den "Fans" gegenüber. Szene aus dem Relegationsspiel zwischen dem TSV 1860 München und Jahn Regensburg. © dpa

Mölders bilanziert nach dem Abstieg gnadenlos: "Wir haben es verkackt"

Mit an Bord war damals auch schon Sascha Mölders, heute Kapitän und Kultfigur in Personalunion. Auch am meinungsstarken Essener waren die Geschehnisse nicht spurlos vorbeigegangen. Er wandte sich am Tag darauf in einer langen, emotionalen Botschaft an die leidenden Anhänger.

"Ich kann es nicht in Worte fassen, was da gerade passiert (ist). Wir haben es verkackt", schrieb Mölders, der in jener Saison aufgrund einer hartnäckigen Schambeinentzündung über drei Monate hinweg zum Zuschauen gezwungen war, auf den Tag genau vor vier Jahren auf Facebook.

"Ich kann jeden verstehen, der uns beschimpft, bespuckt oder sonst was. Ich bin auch Fußballfan und stand früher auch in der Kurve und habe die Spieler beschimpft, wenn sie so eine Scheisse gespielt haben, so wie wir zur Zeit", schrieb Mölders weiter und gab einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt: "Das ist alles der blanke Albtraum."

Mölders: "Niemand weiß, wie es hier weitergeht"

Dass Mölders heute noch bei den Löwen spielt, war damals überhaupt noch nicht abzusehen. Nach dem Absturz in die Regionalliga hatte er bei Sechzig keinen Vertrag mehr, weshalb er sich von den Fans bereits verabschiedete. "Niemand weiß, wie es hier weitergeht. Fakt ist, ich habe keinen Vertrag mehr bei 1860 München und möchte mich deswegen von Euch verabschieden und Danke sagen für die eineinhalb Jahre", schrieb der Stürmer damals.

Eine voreilige Verabschiedung, wie man heute weiß: Der heute 36-Jährige ging mit den Löwen den schweren Gang in die Regionalliga und schoss sein Team mit 19 Toren und 14 Vorlagen direkt wieder zurück in den Profifußball, wo sich die Löwen seitdem wieder fest etabliert haben. Angeführt von Torjäger Mölders scheiterte Sechzig in den vergangenen beiden Jahren noch am Aufstieg in die 2. Bundesliga. Wenn sich die "Stunde Null" zum nächsten Mal jährt, werden die Löwen womöglich genau dort wieder angekommen sein.

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