3. Liga: Was spricht für Geisterspiele - und was dagegen?

Wie die Mehrheit der Liga-Konkurrenz will auch der TSV 1860 die Saison in der 3. Liga beenden – eine Fortsetzung des Spielbetriebs wäre jedoch mit großen Problemen verbunden. Ein Überblick.
| AZ/dpa
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Sport-Geschäftsführer beim TSV 1860: Günther Gorenzel
imago images / MIS Sport-Geschäftsführer beim TSV 1860: Günther Gorenzel

München - Während die Bundesligen auf eine schnellstmögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs drängen, ist in der 3. Liga noch unklar, ob die Saison tatsächlich beendet wird. 13 der 20 Klubs wollen mit Spielen ohne Zuschauer fortfahren, darunter der TSV 1860. Die anderen Klubs wollen die Saison vorzeitig abbrechen – einigen von ihnen droht im Falle einer Fortsetzung sogar die Insolvenz. Ein Überblick.

3. Liga: Das spricht für eine Fortsetzung der Saison

Die finanziellen Einbußen wären deutlich geringer: Ligaweit gesehen, ist es finanziell sinnvoller, die Saison ohne Zuschauer zu Ende zu spielen. Im Schnitt würde der Verlust pro Club dann geschätzt 600.000 Euro betragen. Bei einem Abbruch wären es dagegen etwa 1,5 Millionen Euro pro Verein.

"Jedes Drittliga-Spiel, das im Fernsehen übertragen wird, garantiert Sponsoring-Einnahmen. Bei einer Komplettabsage gehen uns auch diese verloren", sagte Günther Gorenzel, Geschäftsführer von 1860 München. Robert Marien, Vorstandschef von Hansa Rostock, bezeichnete Geisterspiele als "noch die beste der schlechtesten Optionen".

Sport-Geschäftsführer beim TSV 1860: Günther Gorenzel
Sport-Geschäftsführer beim TSV 1860: Günther Gorenzel © imago images / MIS

Die mediale Präsenz würde steigen: Zusätzlich zu den TV-Übertragungen bei MagentaSport und den dritten Programmen der ARD würde die Präsenz der Klubs in den anderen Medien wieder steigen. Das wiederum stellt Sponsoren zufrieden und sichert Einnahmen, der Verein bleibt im Gespräch und stützt seinen Markenwert. Und Spieler, die für die neue Saison noch keinen Vertrag haben, hätten die Möglichkeit, sich mit guten Leistungen zu empfehlen.

Eine Fortsetzung wäre sportlich fair: Rein formal ist die Fortsetzung die einzige Möglichkeit, sportliche Entscheidungen fair zu regeln. Zwei Aufsteiger stünden nach 38 Spieltagen fest, ein dritter Club spielt die Relegation, vier Vereine steigen ab. Bei einem Abbruch würde der nächste Streit drohen. Denn bei den bisherigen Diskussionen darüber, waren sich die Klubs uneinig, ob die Spielzeit komplett annulliert, die Hinrunde oder der aktuelle Tabellenstand gewertet werden soll.

Für den TSV 1860 wäre vor allem letzterer Fall bitter: Die Löwen belegen aktuell Rang sechs, der Rückstand auf die Aufstiegsplätze beträgt überschaubare zwei Zähler. Eine Rückkehr in die 2. Bundesliga wäre also alles andere als ausgeschlossen.

Der Wille der Mehrheit muss zählen: Letztlich sollte sich die Mehrheit durchsetzen, wenn keine einstimmige Lösung gefunden wird. Die Gegner der Geisterspiele (u.a. Jena, Halle, Zwickau, Mannheim, Münster) müssten sich damit abfinden.

3. Liga: Das spricht gegen eine Fortsetzung der Saison

Klubs drohen Insolvenzen bei Geisterspielen: Spiele ohne Zuschauer würden einige Vereine direkt in die Pleite treiben. Zuschauereinnahmen machen in der 3. Liga meistens über 20 Prozent des Etats aus. "Für uns wären Geisterspiele ein weiterer Genickbruch. Sollte dieser Fall eintreten, ist der Gang zum Insolvenzgericht unumgänglich", sagte Zwickaus Vorstandssprecher Tobias Leege. Denn auf der Kostenseite müsste jeder Verein wieder auf fast 100 Prozent gehen und beispielsweise Kurzarbeit für Spieler, Trainer und Mitarbeiter beenden.

Zumindest in Sachen Stadionmiete müssten sich die Löwen im Falle von Geisterspielen keine großen Sorgen machen: Wie die Stadt auf AZ-Anfrage mitteilte, müsste der Klub für Spiele ohne Zuschauer lediglich einen Mindestbetrag von 2.500 Euro pro Heimspiel zahlen.

Nur wenige Fans wollen Geisterspiele: Schon das Bundesliga-Geisterspiel zwischen Mönchengladbach und Köln hat offenbart, wie fade so ein Kick ohne Fans ist. Bei einer nicht-repräsentativen Internet-Umfrage des Portals "liga3-online.de" sprachen sich zudem nur elf Prozent von knapp 7000 Lesern für Geisterspiele aus. Zudem hätten Heim-Mannschaften für den Rest der Saison ein Handicap, da die Atmosphäre im eigenen Stadion als Vorteil entfällt.

Eine Wettbewerbsverzerrung wäre unumgänglich: Der Spielplan wäre in den bisherigen Gedankenspielen (Saisonfortsetzung vom 16. Mai bis 30. Juni) extrem eng getaktet. Nach so einer langen Pause wäre eine Wiederaufnahme eine große Herausforderung für die Spieler - physisch und psychisch. "Das hat wenig mit einem klassischen Wettbewerb zutun, wenn elf bis 13 Partien in fünf bis sechs Wochen anstehen", sagte Magdeburgs Sportchef Maik Franz der "Volksstimme". Klubs mit einem größeren Kader wären automatisch im Vorteil.

Eine Fortsetzung des Spielbetriebs wäre mit vielen Problemen verbunden: DFB und Klubs sollten sich hinterfragen, ob eine Fortsetzung der Saison in Bezug auf die Gesamtkonstellation in Deutschland wirklich unbedingt notwendig wäre. Entscheidungskriterien sollten in diesem Fall weder wirtschaftliche Interessen noch Vermarktungschancen sein. Das System wäre mit zusätzlichen Corona-Tests für Erst- und Zweitligisten ohnehin schon zusätzlich belastet.

Zudem ist unklar, ob alle Vereine in ihren Stadien spielen dürften, da lokale Gesundheitsbehörden das letzte Wort haben. So hat die Stadt Jena Spiele ohne Zuschauer bis Juni bereits als "höchst unrealistisch" bezeichnet.

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