1860 vs. Paderborn: Wahnsinn hoch vier

In einer irren Partie spielen 1860 und Paderborn 4:4. Okotie gelingt ein Hattrick – trotzdem ist der Stürmer enttäuscht.
| Matthias Eicher
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Drei Tore innerhalb von 26 Minuten: Löwen-Goalgetter Rubin Okotie.
imago Drei Tore innerhalb von 26 Minuten: Löwen-Goalgetter Rubin Okotie.

Paderborn - Einer hatte es tatsächlich schon vor dem Anpfiff gewusst. 1860-Trainer Benno Möhlmann hatte im Gespräch mit der „Neuen Westfälischen“ vor dem Kellerduell gegen den SC Paderborn den Ausgang des Spiels tippen sollen. Möhlmann sagte – nicht ernst gemeint – ein 4:4 voraus. Logisch, Benno, mochte man denken: gelungener Witz. Als wäre das Aufeinandertreffen der Löwen mit dem Bundesliga-Absteiger nicht schon verrückt gewesen, sollte Hellseher Möhlmann sogar Recht behalten.

AZ-Analyse: Ein Sieg für die Löwen-Moral

In einem irren Zweitliga-Spiel trennte sich der TSV 1860 vom SC Paderborn nach sensationeller Aufholjagd mit 4:4 – Löwen-Wahnsinn hoch vier! Acht Tore in neunzig Minuten, dazu Wendungen, die selbst dem Fußballgott unter den Augen von 10 225 Zuschauern in der Benteler Arena ein Höchstmaß an Kreativität abverlangten. Und der TSV 1860, im Sommer noch als Chaos-Löwen verschrien, in den ersten Wochen der Saison als Sieglos- und Torlos-Löwen unterwegs, haben sich ein neues Attribut als spektakuläre Comeback-Löwen verdient.

 

"Die Mannschaft hat mich Gott sei Dank eines Besseren belehrt"

 

„Der Tag war für mich schon gelaufen, muss ich gestehen. Aber da hat mich die Mannschaft Gott sei Dank eines Besseren belehrt“, freute sich Möhlmann nach dem denkwürdigen Auftritt gegen die Ostwestfalen und ihren Star-Trainer Stefan Effenberg. Allerdings wussten beide Seiten danach nicht so genau, ob sie sich freuen oder ärgern sollten.

Aber der Reihe nach: Die erste Riesenchance des Spiels gehörte den Löwen. Weil Kapitän Christopher Schindler freistehend per Kopf vergab (7.) und es ausgerechnet Ex-Löwe Moritz Stoppelkamp zehn Minuten später besser machte, lagen die Löwen mal wieder hinten. „Wir sind gut ins Spiel gekommen, aber haben es unnötigerweise wieder aus der Hand gegeben. In der Halbzeit haben wir darüber gesprochen und wollten die Dinge ändern. Dann kriegen wir direkt das 0:2“, erklärt Möhlmann. Hauke Wahl hatte kurz nach dem Seitenwechsel zugeschlagen (50.) – und die Löwen zum ersten Mal an der Pleite geschnuppert. Gary Kagelmacher verkürzte aber nur wenig später und brachte den Löwen wieder Hoffnung (57.). Das Momentum und die nächste Möglichkeit der irren Achterbahnfahrt gehörten wieder dem TSV 1860. Doch dann flog Linksverteidiger Richard Neudecker vom Platz (siehe unten). Und zwei Minuten später traf auch noch Mahir Saglik zum 3:1 (61.). Zwei-Tore-Rückstand, ein Mann weniger – das Spiel entschieden?

Denkste! Jetzt begann der Löwen-Wahnsinn erst: Torjäger Rubin Okotie hatte nämlich keine Lust auf eine Niederlage. Stattdessen auf Toreschießen. Innerhalb von 26 Minuten drehte er auf – und das Spiel im Alleingang (62., 73., 88.). In Unterzahl! Drei Löwen-Treffer ins Herz des Tigers, drei Treffer, der an der Seitenlinie für blaue Jubelarien und Effenberg-Kopfschütteln sorgte. Zum Sieg reichte aber auch die One-Man-Show des Österreichers nicht: Nick Proschwitz traf in der Schlussminute noch zum 4:4. Und dann war wirklich Schluss. Okotie nach seinem Hattrick und dem Fußball-Spektakel: „Da machst du drei Tore und drehst das Spiel. Wenn du dann in der 90. Minute noch den Ausgleich kriegst, bist du natürlich enttäuscht.“

 

„Ich weiß auch nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll“

 

Fazit des Tigers? „Ein verrücktes Spiel. Wir führen, haben alles im Griff, sind in Überzahl, aber nicht konzentriert genug. Sowas wird bestraft, daraus müssen wir lernen“, sagte Effenberg und hatte so seine Zweifel, welche Gefühlslage nach einem Spiel angebracht war: „Ich weiß auch nicht, ob ich mich freuen oder ärgern soll. Wenn man zuhause vier Tore schießt, muss man das Spiel gewinnen.“

Könnte man umgekehrt auch auf die Löwen münzen: Wer auswärts vier Mal trifft und ein Spiel in Unterzahl dreht, muss doch belohnt werden? Ganz umsonst war der Paderborner Wahnsinn zwar nicht für Sechzig: Immerhin ist das Team nun seit vier Ligaspielen ungeschlagen. Weil Düsseldorf am Sonntag aber 2:1 in Frankfurt gewann, rutschten die Löwen dennoch wieder auf einen direkten Abstiegsplatz ab.

Liveticker zum Nachlesen: Irres Löwen-Spiel gegen Effenberg

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