1860 vor Heimspiel-Premiere: Wiesn-Lust, Wiesn-Frust

Der TSV 1860 hadert mit dem entgangenen Wiesn-Heimspiel, ein Dreier gegen Magdeburg soll sie trösten. Köllner hat die Wahl zwischen Wein und Erdmann: "Ich muss einem davon richtig wehtun."
von  Matthias Eicher
Ganz aufs Feiern verzichten wollen Michael Köllner und die Löwen ohne Wiesn nicht. "Wir haben trotzdem die weiß-blaue Trachtenwoche eingeläutet", erklärt der Trainer (Mitte).
Ganz aufs Feiern verzichten wollen Michael Köllner und die Löwen ohne Wiesn nicht. "Wir haben trotzdem die weiß-blaue Trachtenwoche eingeläutet", erklärt der Trainer (Mitte). © dpa

München - Seine Beine zierte eine hellbraune Hirschlederne. Obenrum trug er ein weißes Trachtenhemd, darüber eine braun-blaue Weste.

Fesch, Michael Köllner! So saß der 50-Jährige bei Sechzigs Spieltags-PK vor der Heimpremiere, die ein weiß-blaues Trachtenfest hätte werden sollen, auf dem Podium.

Der Heim-Auftakt des TSV 1860 gegen den 1. FC Magdeburg am Samstag (14 Uhr, BR, Magenta Sport und im AZ-Liveticker), das Wiesn-Heimspiel auf Giesings Höhen - zum Leidwesen aller Löwen fällt es der Corona-Krise zum Opfer. Wie auch das 187. Oktoberfest und das traditionelle Wiesn-Trikot der Blauen. Die ganze Feierei fällt, passend zu den regnerischen Aussichten, (sprich-)wörtlich ins Wasser.

Köllner: Gegen Magdeburg wieder ohne Lederhosn auf der Bank

"Leider müssen wir auf unser Wiesn-Heimspiel verzichten. Aber wir haben trotzdem die weiß-blaue Trachtenwoche eingeläutet", erklärte Sechzger-Trainer und Trachtenträger Köllner am Freitag: "Deshalb habe ich heute meine Lederhosn an." Gegen Magdeburg werde sie aber im Schrank bleiben, "dann soll es regnen - es wäre ja schade, wenn sie zu Schaden kommt".

Sport-Boss Günther Gorenzel war nicht zugegen und wird nach Auskunft des Drittligisten auch das Spiel aufgrund eines Todesfalls in der Familie verpassen. Geschäftsführer-Kollege Marc-Nicolai Pfeifer bedauerte im Vorwort des digitalen Stadionmagazins die Abwesenheit der Fans: "Bisher hatten wir noch keine Möglichkeit, uns persönlich im Grünwalder Stadion zu begegnen, was sich hoffentlich bald ändern wird."

Löwen-Festspiele auf Giesings Höhen? Eher ein pudelnasser Geister-Auftakt. Immerhin: So zieht den Löwen - und Köllner - auch keiner die Lederhosn aus.

TSV 1860 verkauft über 10.000 Dauerkarten

"Leider haben wir die 11.000er-Marke nicht geknackt, da haben mich die Fans im Regen stehen lassen, wenn man zum Wetter die Parallele zieht", sagt Köllner über den Dauerkartenverkauf der Giesinger, der bei 10.200 Tickets stehen geblieben ist. Freilich nur ein Scherz von Köllner, der schwärmt: "Das ist eine Riesen-Quote. Wir tun alles dafür, es den Fans mit tollen Leistungen zurückzuerstatten - und ihnen zu zeigen, dass sie zurecht diesen tollen Verein unterstützen."

Womit wir beim sportlichen Duell auf dem Rasen wären: Rein tabellarisch gesehen stehen sich nach dem TSV-Traumauftakt in Meppen (3:1) und Magdeburgs 0:2-Pleite gegen Halle nun Spitzenreiter und Schlusslicht gegenüber. Ein Bild, das nach erst einer Partie für Köllner selbstredend kaum Aussagekraft besitzt: "Wer glaubt, das Tabellenbild in irgendeiner Weise hernehmen zu können, der liegt falsch." Vielmehr habe der 1. FCM eine "starke Mannschaft" und sei auch aufgrund der Vorjahres-Ergebnisse (1:5, 1:1) ein "harter Bocken".

Mit "Unverständnis" habe Köllner die Aussagen von FCM-Trainer Thomas Hoßmang vernommen: "Ich habe das Pokalspiel gegen Darmstadt und das Spiel gegen Halle gesehen: So schlecht, wie mein Kollege seine eigene Mannschaft gesehen hat, sehe ich sie nicht", konterte Köllner die Sätze des Mannes, der sein Team nach dem Pokal-Aus gegen den Zweitligisten (2:3 n. V.) und dem verpatzten Liga-Start harsch kritisierte und 1860 die Favoritenrolle zuschob.

Dennis Erdmann spielt gegen seinen Ex-Verein

Ein Löwe dürfte noch heißer sein als sonst: Dennis Erdmann. Der gelernte Innenverteidiger, von Köllner auf die Sechs beordert, kam 2019 aus Magdeburg. In Meppen durfte Daniel Wein ran, Erdmann schmorte auf der Bank. Köllner über seine neuerliche Qual der Wahl: "Ich bin froh, auf dieser Position zwei richtig starke Spieler zu haben. Aber ich weiß, dass ich einem davon richtig wehtun muss."

Auch Neuzugang Richard Neudecker kratze an der Startelf, der österreichische Neu-Stürmer Martin Pusic werde demnächst "wichtige Impulse liefern".

Das Schluss-Zitat gehört Finanz-Boss Pfeifer: Er äußerte den Wunsch, bald wieder echte Giesinger Fußball-Feste erleben zu dürfen. Ein Dreier würde helfen gegen den Trübsal ohne Wiesn-Heimspiel.