1860-Totopokal-Held Wein: "Ein großer Name soll nach Giesing kommen"
Jubelnde Fans, Konfetti-Regen und Helden auf dem Rasen, die einen Pokal in die Höhe stemmen. Szenen, die man im Mai in Dauerschleife zu sehen bekommt, wenn die Titel der Saison vergeben werden. Und Bilder, die beim TSV 1860 bekanntlich eher Seltenheitswert haben. Das könnte sich am kommenden Samstag (16.30 Uhr, ARD und BR-Livestream) ändern, wenn die Löwen zum Totopokal-Finale bei den Würzburger Kickers antreten.
Einer, der (einigermaßen) weiß, wie sich ein Triumph im bayerischen Landespokal anfühlt, ist Ex-Löwe Daniel Wein. Am 5. September 2020 durfte er den damals noch anders aussehenden Cup in die Höhe stemmen. "Das war die Corona-Zeit damals", erinnert er sich im Gespräch mit der AZ, "wir haben da im leider leeren Grünwalder Stadion gespielt. Außerdem waren vor dem Finale ja schon für den DFB-Pokal qualifiziert. Daher war das für uns eigentlich eher ein besseres Freundschaftsspiel."

Damals wie am kommenden Wochenende hieß der Sechzig-Gegner Würzburg. Eine weitere Parallele: Auch 2020 waren die Kickers bereits aufgestiegen (in die 2. Bundesliga), was dem TSV schon zuvor das DFB-Pokal-Ticket verschaffte. Aber das Endspiel deswegen locker nehmen? Das war keine Option, so Wein: "Unser Trainer Michael Köllner hat damals auch nicht lockergelassen, wir sind in jedes Spiel top motiviert reingegangen, auch in dieses Finale."
Wein: "Einen Titel gewinnst Du nicht alle Tage"
Der 32-Jährige betont: "Einen Titel gewinnst Du nicht alle Tage. Als ich reingekommen bin, wollte ich das Spiel unbedingt noch drehen. Du bist Sportler, du willst jedes Spiel gewinnen – egal, ob in der Champions League oder bei einem Freundschaftsspiel."

Arne Feick hatte damals die Kickers in Führung gebracht (58.), Wein kam in der Schlussphase rein (79.) und Fabian Greilinger (90.) rettete 1860 ins Elfmeterschießen. "Bei uns war es eigentlich immer so, wenn es irgendwann mal ins Elfmeterschießen ging, und Marco Hiller war im Tor, da konnte man sich eigentlich schon relativ sicher sein, dass er ein bis zwei hält", lacht Wein: "Das heißt, wir wussten, wenn wir souverän vom Punkt sind, dann gewinnen wir das eh." Und so kam es.
Wein glaubt trotz aller Umstände an motiviertes 1860-Team
Auch in der Neuauflage des Endspiels, das am Samstag am Würzburger Dallenberg steigt, könnte die Entscheidung vom Punkt fallen. Wein und die 2020er Löwen hatten nicht extra geübt, denn "viele Jungs sind nach den Trainings eh immer wieder draußen geblieben und haben noch Elfmeter geschossen. Ich denke auch nicht, dass das Sinn macht, weil du den Druck gar nicht simulieren kannst. Im Stadion stehst du unter einem ganz anderen mentalen Druck. Wenn du im Training gut drauf bist, haust du zehn von zehn rein. Das passiert dir im Spiel halt nicht."
Bestenfalls entscheidet 1860 das Spiel in 90 Minuten. An der Motivation sollte es jedenfalls nicht mangeln, "weil du gut aus der Saison rausgehen willst. Du spielst gegen einen Regionalligisten, da willst du dir keine Blöße geben. Auch wenn es nicht um einen großen Cup wie dem Meistertitel oder den DFB-Pokal geht, geht es trotzdem um einen Titel. Deswegen werden die Jungs schon eine sehr große Motivation haben."

Wein: "DFB-Pokal? Ein großer Name nach Giesing kommen"
Würzburgs große Motivation dürfte mehr auf den nach dem Finale folgenden beiden Aufstiegsduellen gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig liegen. Ob die Franken gegen 1860 da wirklich mit voller Kapelle antreten? Wein: "Ehrlich gesagt, würde ich das aus ihrer Sicht wahrscheinlich nicht machen, weil eben die zwei wichtigen Spiele erst danach kommen." Und wie geht das Totopokal-Finale aus? "Ich denke nicht, dass das ein ganz klares Ergebnis wird, aber Sechzig am Ende mit ein bis zwei Toren Unterschied gewinnt."
Die letzten großen DFB-Pokal-Abende der Löwen hat Daniel Wein noch selbst mit erlebt, 2026/27 als das blaue Comeback nach drei Jahren Abstinenz. Sein Wunschgegner? "Wenn es nach mir gehen würde, soll ein großer Name nach Giesing kommen. Also entweder Bayern, Dortmund oder vielleicht noch mal Schalke." Wie 2021, als Wein und die Löwen 1:0 gewannen und eine Runde weiter kamen.

