1860-Coach tobt im Training: "Wenn einer keinen Bock auf dieses Spiel hat, muss er es sagen!"

Trainer Alper Kayabunar zeigt sich im Training nach der Derby-Pleite gegen den FC Bayern II angefressen, am Sonntag soll der VfB Eichstätt die Wut des TSV 1860 zu spüren bekommen.
von  Matthias Eicher
Die Derby-Niederlage hat Spuren hinterlassen: 1860-Trainer Alper Kayabunar zieht die Zügel an.
Die Derby-Niederlage hat Spuren hinterlassen: 1860-Trainer Alper Kayabunar zieht die Zügel an. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Alper Kayabunar hatte genug gesehen. "Genau das wird das Problem gegen Eichstätt: Wenn wir auf der Sechs Fußball spielen wollen!", brüllte der Chefcoach des TSV am Donnerstagvormittag grantig über den Trainingsplatz auf Giesings Höhen, als seine A-Abwehr um das Innenverteidiger-Duo Felix Weber und Lasse Faßmann nach einem schnellen Ballverlust im Mittelfeld durch Arian Calderon einen eingeschenkt bekam. Der Coach schimpfte: "Wenn einer keinen Bock auf dieses Spiel hat, muss er es sagen!"

Nach dem 2:4 des TSV 1860 gegen den FC Bayern II ist die Löwen-Welt nicht mehr in Ordnung. Kayabunar, Sportchef Manfred Paula und die Mannschaft können und wollen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, zu enttäuschend und schmachvoll war die Derby-Pleite.

"Gegen die Bayern haben wir viermal geschlafen!", kritisierte Coach Kayabunar auch nach ein paar Tagen Abstand und einer gewiss nicht gerade spaßigen Videoanalyse des Desasters im Lokalduell.

Gelingt Sechzig nach der Derby-Pleite die Trotzreaktion?

Für die Sechzger gilt nun zweierlei: Trotz und Tunnel. Den Ärger des Trainers über die Pleite, die Wut auch innerhalb des Teams durch harte Trainings-Arbeit in Energie umwandeln, um am Sonntag beim VfB Eichstätt die entsprechende Trotzreaktion hinzukriegen. "Wir müssen dreckiger werden", rief Kayabunar. Eine gewaltige Prise Frust kann in einem derartigen Fall zu einem mächtigen Verbündeten werden ...

Und, nach dem ganzen Wahnsinn in und um das Spiel des Jahres, bei dem der Fokus nicht nur auf dem Duell dem grünen Rasen lang, sondern auch auf den Auseinandersetzungen der Fan-Lager und vielen Geschichten rund um das erste (kleine) Stadtduell seit gut fünf Jahren: 1860 muss wieder einen Tunnelblick entwickeln für das einzige, das die Blauen höchstselbst beeinflussen können – ihre Leistung auf dem Platz.

"Weiter, immer weiter", rief Kayabunar die berühmten Worte von Ex-Bayern-Star Oliver Kahn, dessen Niemals-Aufgeben-Zitat an dieser Stelle nur aufgrund der aufgekommenen Derby-Stimmung ausnahmsweise angebracht sei.

Trotz Derby-Pleite: Sechzigs Tabellensituation hat sich nicht verschlechtert

Löwe Florian Niederlechner, der ebenfalls eine Bundesliga-Karriere hingelegt hat, wusste schon kurz nach dem Anpfiff gegen die Roten, welches Rezept nun herausgeholt werden muss.

"Am Ende des Tages muss man weitermachen, auch wenn es gerade wehtut. Nächste Woche geht es weiter", versicherte der 35-Jährige, dass die Löwen-Welt nicht in sich zusammenfällt: "Es war nur ein Spiel, es tut noch ein paar Tage weh, dann müssen die Köpfe wieder hoch und dann müssen wir am Sonntag in Eichstätt gewinnen."

Routinier Florian Niederlechner warf sich auch im Derby rein, blieb aber glücklos.
Routinier Florian Niederlechner warf sich auch im Derby rein, blieb aber glücklos. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Tatsächlich sind in Eichstätt ebenso viele Zähler zu vergeben wie am vergangenen Wochenende, nämlich deren drei. Durch kollektive Ausrutscher an der Tabellenspitze der Regionalliga Bayern hat sich die Ausgangslage des TSV zuletzt trotz der eigenen Niederlage nicht verschlechtert. Mit einem Auswärts-Dreier in Eichstätt könnte der Tabellen-Vierte 1860 (24 Punkte) weiter Boden auf die Spitzenplätze gutmachen.

Nach der ersten Liga-Niederlage zeigte Sechzig die erhoffte Reaktion

Als Vorlage könnte Sechzigs Reaktion auf die erste Liga-Pleite der Saison dienen: Nach dem 1:3 beim SV Wacker Burghausen fegten die Löwen die SpVgg Ansbach zu Hause mit 4:0 vom Feld. Diesmal steht zwar die Fahrt in den Hirsch-Sportpark an, doch die Löwen wollen auch auswärts unbedingt Wiedergutmachung betreiben.

Zwei Löwen, die dabei wohl nur bedingt mithelfen können, heißen Edon Krasniqi und Ludwig Estermann: Das Duo hat bis Sommer 2028 verlängert. "Ludwig und Edon kennen den Verein seit ihrer Kindheit. Beide haben sich über die Jahre gut entwickelt und wir sehen bei ihnen noch einiges an Potenzial", sagt Geschäftsführer Thomas Probst in einer möglicherweise nicht ganz zufällig nach der Derby-Pleite platzierten Pressemitteilung.

Und jetzt in den Tunnel, Löwen, ab nach Eichstätt – und raus mit der Trotzreaktion!

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