0:2 gegen Dortmund: Kopf hoch, Löwen!

Spiel verloren, Fans gewonnen: Der TSV 1860 darf sich trotz des 0:2 gegen Dortmund als Pokalsieger der Herzen fühlen.
| Filippo Cataldo
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Geknickte Stimmung nach der 0:2-Niederlage gegen den BVB. Lange konnten die Löwen dagegen halten.
Rauchensteiner/Augenklick Geknickte Stimmung nach der 0:2-Niederlage gegen den BVB. Lange konnten die Löwen dagegen halten.

München – Es brandete riesiger Jubel auf in der Allianz Arena, als Schiedsrichter Michael Weiner nach 92 Minuten abpfiff. Die Löwen hatten sich gegen Dortmund in der zweiten Pokalrunde nach einem Spiel voller Leidenschaft und Kampf soeben in die Verlängerung gerettet.

Noch größer war der Jubel der Fans in der ausverkauften Arena nach 120 Minuten. Aber da waren die Löwen ausgeschieden. Wegen eines Elfmeter-Treffers von Pierre-Emerick Aubamayang in der 105. Minute und eines Solo-Tores von Henrikh Mkhitaryan.

Sehen Sie hier: Den Liveticker zum Nachlesen!

Kopf hoch, Löwen!

Wieder eine Niederlage in einem großen Spiel! Wieder ausgelöst durch einen Elfmeter in der Verlängerung! Erinnerungen wurden wach an 2008, als den Bayern im Pokal-Viertelfinal-Derby erst in der 119. Minute der Siegtreffer gelang.

Auch damals hatten die Löwen einen großen Kampf geliefert, hatten ihre Fans versöhnt – und doch nur Sieger der Herzen geblieben. Doch diese Niederlage gegen Dortmund ist nicht ganz so bitter. Weil es kein Derby war, weil die Niederlage verdienter war – die Löwen aber dennoch alles richtig gemacht hatten an diesem weiß-blauen Fußball-Abend voller Gänsehaut-Momente.

Etwa, als Moritz Stoppelkamp in der Verlängerung den Zidane machte mit doppeltem Übersteiger, Drehung auf dem Ball und mit gelungenem Abspiel auf Benny Lauth (92.). Oder als die Fans den Ex-Löwen Sven Bender bei dessen Auswechslung frenetisch feierten.

Lesen Sie hier: DFB-Pokal: Die Löwen kämpfen vergeblich

Die Löwen hatten alles angerichtet für einen herrlichen Fußballabend. Die Arena voll, auf dem Rasen spielte eine Blaskapelle die Bayern-Hymne und den bayerischen Defiliermarsch, die Löwen spielten in ihren Wiesn-Trikots, die Fans waren allerbester Laune – auf beiden Seiten. Vor allem als beide Fangruppen „Schieß FC Bayern“ riefen, bekam man eine Ahnung davon, was in der Allianz Arena regelmäßig los sein könnte, wenn 1860 aufsteigen sollte – oder der FC Bayern etwas weniger Event-Fans hätte.

Auf dem Rasen entwickelte sich das erwartete Spiel: Die Löwen standen tief, verteidigten teilweise in einem 6-3-1, Benny Lauth, den Coach Friedhelm Funkel als einzige Spitze aufgeboten hatte, bekam kaum einen Ball – und hatte einmal Pech, als die Schiedsrichter ihn in der 20. Minute wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung zurückpfiffen. Eine recht umstrittene Entscheidung.

„Es wird sich zeigen, ob und wie schnell wir den Respekt ablegen“, hatte Coach Friedhelm Funkel vor dem Spiel gesagt. Nun, zu viel Respekt hatten die Löwen nicht vor den Dortmundern, doch der Champions-League-Finalist und Bundesliga-Tabellenführer ist qualitativ einfach eineinhalb Klassen besser. Mindestens.

Und so beherrschten die Dortmunder das Geschehen. Weil die Löwen aber taktisch äußerst diszipliniert agierten, Christopher Schindler in der Innenverteidigung und Dominik Stahl, der später den Elfmeter verursachte, Rot bekam und zum tragischen Helden wurde, und Yannick Stark im Mittelfeld richtig stark waren, waren Torchancen für Schwarz-Gelb zunächst Mangelware.

Es sah durchaus gut aus, wie die Löwen sich in die Bälle warfen, wie Henrikh Mkhitaryan, Kuba und Marco Reus, die Dortmunder Spielmacher ständig gedoppelt, hin und wieder sogar von einem weißblauen Trio angegriffen wurde. „Wir wollen die Dortmunder natürlich ärgern“, hatte Funkel noch gesagt, nachdem er bei Sky vor dem Spiel noch ein wenig mit Dortmunds Jürgen Klopp geschäkert hatte. „Was, du bist schon 59?“, hatte Klopp gesagt. Die beiden kennen und mögen sich.

Am Ende waren es sogar die Löwen, die in der ersten Halbzeit die dickste Chance hatten. In der 36. Minute konnte Mitchell Langerak im Dortmunder Tor einen über Stark und Stoppelkamp vorgetragenen Konter nur zur Ecke abwehren. Diese brachte Stoppelkamp dann scharf vors Tor, doch Stahls Kopfball verpasste das Tor nur knapp. Die Löwen dagegen hatten Glück, dass Reus' Schlenzer in der 17. Minute am Tor vorbeizog, Gabor Kiraly wäre da machtlos gewesen.

So ging es mit einem 0:0 in die Pause, mit einem „so erfreulichen 0:0“, wie Stadionsprecher Stefan Schneider rief.

Die Löwen werden froh über die Pause gewesen sein, bedeutete sie doch ein wenig Entlastung für sie. Während des Spiels nämlich standen sie unter Dauerdruck der Dortmunder, ihr gefühlter Ballbesitz lag bei 25 Prozent. Überhaupt fragte man sich, wann sie dem Druck unterlegen würden. Immer wieder gab es an diesem Abend voller Gänsehaut-Szenen (etwa als die Fans eine Ecke wie ein Tor feierten) die Momente, wo man auf der Tribüne befürchten müsste, dass es bald vorbei sein würde mit der Löwen-Herrlichkeit und der BVB einnetzen würde. Doch weder Robert Lewandowski (57.), noch Reus (65.), noch Jonas Hoffmann (72.) trafen das Tor.

Stattdessen dann noch so ein großer Gänsehaut-Moment, als Ex-Löwe Sven Bender ausgewechselt wurde (66.). Plötzlich skandierten die Löwen-Fan seinen Namen. Einmal Löwe, immer Löwe, da ist was dran. Möglicherweise war es der Abend, an dem sich die leidgeplagten Löwen-Fans versöhnten mit ihrem Klub und der Mannschaft. Und wahrhaftig: Wer die Spieler an diesem Abend kämpfen gesehen hat, wer live mitbekommen hat, wie Funkel an der Außenlinie mitspielte, wie er hin- und her tänzelte und seine Beine bewegte, als ob er den Ball selbst abwehren wollte, der muss einfach Sympathie für diese Mannschaft empfunden haben.

Obwohl ihnen nach vorne kaum mehr was gelang. Lauth verpasste in der 72. Minute eine scharfe Hereingabe Stoppelkamps nur knapp. Doch in der Folge erhöhten die Dortmunder das Tempo, gelangten immer wieder vor das Tor Kiralys. Doch rein ging der Ball nicht. Weil Kiraly stark hielt, weil die Verteidiger sich in die Schussbahnen schmissen. Weil Robert Lewandowski es zu schön machen wollte. Und weil die Löwen ganz viel Glück hatten. Aber sei's drum. Es war eine taktische Meisterleistung von Funkel, dass die Dortmunder in die Verlängerung gezwungen wurden. Dass sich dann die Spreu vom Weizen trennte, dass Dortmund noch zwei Treffer machte – sei's drum.

Diesen Abend werden die Löwen-Fans nicht so schnell vergessen.

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